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Unverpackt-Läden in der Region müssen schliessen
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 02.12.2022. Bild: SRF/Fabienne Tanoa
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Einkaufen ohne Plastik Unverpackt-Läden schliessen wieder – ist der Hype vorbei?

Während der Pandemie waren die umweltfreundlichen Läden beliebt. Jetzt gehen immer mehr Unverpackt-Läden zu. Die Gründe.

Teigwaren, Mehl, Süssigkeiten oder Kosmetik – nicht wie üblich in Plastik verpackt und portioniert, sondern in grossen Gefässen zum selber Abfüllen. Dieses Konzept kam in den letzten Jahren vor allem in Städten auf. «Ohni», «Unverpackt», «Tante Emma» oder «Füllbar» nennen sich die Läden, rund 60 gibt es davon in der Schweiz. Noch.

In Aarau (AG) oder Kerzers (FR) sind die Unverpackt-Läden bereits geschlossen, in Biberist (SO) schliesst der Laden im Februar. Andere Läden kämpfen ums Überleben. Der Laden in Baden (AG) hat zum Beispiel rund 30 Prozent Umsatz verloren. Dafür werden mehrere mögliche Ursachen erwähnt.

Video
Aus dem Archiv: Lebensmittel ohne Verpackung – zu Besuch in Aarau
Aus heute und hier vom 27.09.2018.
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Ursache 1: Der Preis

«Die Menschen in der Schweiz sparen schnell bei den Lebensmitteln», sagt Michele Pizzera vom Pfünderli in Widen (AG). Seine Umsätze seien in diesem Jahr spürbar gesunken. Dazu beigetragen habe wohl auch die Angst vor Energieknappheit und steigenden Strom- und Ölpreisen.

Leben von den Umsätzen kann praktisch niemand im Unverpackt-Business. «Ich komme nie auf den normalen Lohn einer Verkäuferin», erzählt zum Beispiel Franziska Rohner von Puro Unverpackt im solothurnischen Biberist. Sie will ihren Laden deshalb schon nach drei Jahren wieder schliessen.

Ursache 2: Die Bequemlichkeit

«In der Corona-Zeit hatte Essen und Einkaufen noch einen anderen Stellenwert», sagt Rohner. «In der Anfangszeit lief es viel besser als erwartet. Nun aber haben die Menschen wieder weniger Zeit. Nach jeder Lockerung der Corona-Regeln haben wir an Umsatz verloren.»

Nach jeder Corona-Lockerung haben wir Umsatz eingebüsst.
Autor: Franziska Rohner Besitzerin Unverpackt-Laden

«Ich glaube, die Menschen spüren nach Corona etwas Müdigkeit», sagt auch Janine Bachmann von der Auffüllbar in Lenzburg (AG). «Unsere Art des Einkaufens wird irgendwie mit Umständlichkeit verbunden». Michele Pizzera bestätigt: «Der Gedanke, lokal einzukaufen, ist wieder etwas in Vergessenheit geraten.»

Es sei wohl einfach bequemer, alle Einkäufe beim gleichen Grossverteiler zu erledigen. Dazu kommt: Die Grossverteiler haben den Trend inzwischen auch für sich entdeckt.

Die Schweiz ist Abfall-Rekordhalterin

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Legende: Keystone/Gaetan Bally

In der Schweiz entstehen gemäss Bund jährlich rund 80 bis 90 Millionen Tonnen Abfall. «Aufgrund des hohen Lebensstandards hat die Schweiz mit 716 kg Abfall pro Person eines der höchsten Siedlungs-Abfallaufkommen der Welt», heisst es auf der Website des Bundesamts für Umwelt. Gut die Hälfte davon wird rezikliert.

Die Unverpackt-Läden wollen gemäss eigenen Angaben ein «sinnvolles Einkaufen von gut ausgewählten Lebensmitteln, die nicht unnötig verpackt sind» bieten. Das Ziel: Es soll für die breite Masse einfach sein, bewusst und nachhaltig einzukaufen, heisst es beim Verband Unverpackt Schweiz. Der Verband berät Unternehmerinnen und Unternehmer, die einen Unverpackt-Laden eröffnen wollen.

Ursache 3: Die Konkurrenz

Während kleine Läden schliessen, baut zum Beispiel die Migros ihr Angebot an unverpackten Lebensmitteln aus. Nach einem Pilotversuch in Baden will die Migros bis Ende Jahr 52 Filialen haben, in denen Kundinnen und Kunden zum Beispiel Haferflocken in eigene Gefässe abfüllen können.

Das Angebot passe zu den Bemühungen der Migros um mehr Nachhaltigkeit, erklärt Andrea Bauer, Mediensprecherin der Migros Aare. Vor allem aber sei es ein Bedürfnis. Am meisten nachgefragt würden Haferflocken und Nüsse in Bio-Qualität. «Das zeigt, dass Bio und Unverpackt gut zusammenpassen», meint Bauer. Das Sortiment werde wohl weiter ausgebaut. «Aktuell prüfen wir zum Beispiel, ob wir auch Kaffee offen anbieten können.»

Abfüllstation der Migros
Legende: Auch Grossverteiler bieten inzwischen vielerorts unverpackte Lebensmittel an. zvg/Migros

Franziska Rohner vom Unverpackt-Laden in Biberist hat gegenüber dem Engagement der Grossverteiler gemischte Gefühle. Natürlich sei es gut, wenn nachhaltiger produziert werde. Sie betont aber auch die ungleich langen Spiesse: «Es wird eine sehr gute Werbekampagne gefahren, wie grün die Grossverteiler seien. Diese Möglichkeiten haben wir Kleinen nicht.»

Unverpackte Lebensmittel haben wohl also durchaus eine Zukunft. Ob auch die kleinen Unverpackt-Läden alle überleben, das ist eine andere Frage.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 02.12.2022, 12:03 Uhr;

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57 Kommentare

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  • Kommentar von SRF (SRF)
    Guten Abend liebe Community, vielen Dank für die angeregte Debatte - für heute schliessen wir die Kommentarspalte und wünschen Ihnen einen schönen Abend! Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Christoph Staub  (chrstaub)
    Es ist auch nachhaltig, gleich um die Ecke einzukaufen oder sich den Wocheneinkauf nach Hause zu liefern. Man vergleiche die 60 Läden mit dem Filialnetz von Coop, Migros oder Volg. Während Corona hat man verzweifelt Bewegungsmöglichkeiten gesucht und Umwege bewusst in Kauf genommen. Jetzt müssen die Wege wieder effizient sein, was ökologisch und ökonomisch Sinn macht. Der Umwelt ist mehr geholfen, wenn die Grossverteiler die Verpackung reduzieren als wenn es ein paar Unverpackt-Läden mehr gibt.
  • Kommentar von Francis Waeber  (der sich 'nen Wolf lacht)
    Die überwiegende Mehrheit der Kund/Innen, ist mehr denn je dazu gezwungen auf's Portemonnaie zu achten, und hat gar keine andere Möglichkeit als Abstriche bei Qualität, Bio und Öko in Kauf zu nehmen. Dankschreiben bitte an die Politik. Die hier zum Teil angeregte künstliche Erhöhung der Lebenshaltungskosten, ist wie immer der schlechteste und kontraproduktivste aller denkbaren "Lösungsansätze". Übrigens hat sich mein "Verbrauch" an 5-Rp.-Säckli nicht verändert, der ist auf "Null" geblieben..;-))
    1. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Meine Anregung ist, günstigere Essensangebote auswärts zu schaffen. Kantinen sind, wenn richtig organisiert, sowohl bezüglich Energie als auch Foodwaste viel effizienter als wenn jede(r) den eigenen Herd oder gar Backofen anheizt.
    2. Antwort von Francis Waeber  (der sich 'nen Wolf lacht)
      Energieeffizienz - auf jeden Fall. Punkto "Foodwaste" hat SRF vor ca. 10 Tagen eine "Studie" veröffentlicht, auf der Kantinen und Restaurants Platz 2 hinter dem Detailhandel belegen sollen. Diese Rechnung könnte also nach hinten losgehen - zumal soweit's mich persönlich betrifft auch "Foodwaste" gegen Null tendiert...;-))
    3. Antwort von Dorothee Meili  (DoX.98)
      Herr Kleffel: genau das wäre auch mein Anliegen. Ich bin froh, um diese Essensangebote (Mahlzeitendienste), bei denen ich mit dem eigenen Geschirr vorbeikommen kann und genau diese Menge mitnehmen, die gebraucht wird.
    4. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      „…wenn richtig organisiert…“

      Kantinen und Restaurants: Klar, wenn man alle Restaurants, wo die Verschwendung besonders gross sein dürfte, dazurechnet. Da muss das Produkt perfekt aussehen. Und sind da Betriebskantinen dabei?

      Die grundsätzliche Rechnung kann offensichtlich nicht nach hinten losgehen, nur die Umsetzung.
  • Kommentar von Dorothee Meili  (DoX.98)
    Ich gebe zu: mir war diese Aktion von Anfang an nicht ganz geheuer. Damit meine ich nicht, wenn ich eine Haushaltschüssel mitnehme und bei einem Buffet ein ganzes Menu schöpfe; "ganz" heisst: möglichst genau abgewogen, was von wem wieviel gegessen wird.
    Aber für den Vorrats-Einkauf. Da muss ich richtige Dosen mitnehmen. Dann wird das Ganze zuhause in eine weitere "contraption" umgefüllt... und diese Gefässe müssen regelmässig abgewaschen werden, bzw. landen in der Maschine... letztendlich???
    1. Antwort von Regula Stutz  (Totemügerli)
      Frau Meili

      Hängt davon ab, was Sie kaufen, zB. Linsen, Reis, etc. lassen sich gut in Baumwolle-Säckchen abfüllen, so braucht's keine Dosen, zu Hause dann in Bülacher-Gläser mit Bügelverschluss abfüllen und lagern. Ich finde das besser, als angebrauchte Packungen von Reis oder Pasta im Regal zu Hause, es gibt ja auch viele Personen, die so oder so Lebensmittel (Reis,Mehl etc.) zu Hause in Vorratsdosen/Gefässe umfüllen zum Lagern.
    2. Antwort von Dorothee Meili  (DoX.98)
      Danke Frau Stutz: nehmen wir den Reis: den kaufe ich als Paket. Dieses kommt in den Notvorrat im Keller. Von dort nehme die fällige Packung nach oben, fülle sie (in aller Ruhe, ohne Stress, ev. mit Musik) ab in die richtige contraption "Reis in Gebrauch" (schweres Bülacherglas!) Es stehen keine angebrauchten Packungen rum. Für Früchte etc. Baumwoll- oder so Säckli dabei
      Was ich durch "Sachen" aus dem Unverpackt-Laden ersetzen könnte, ist begrenzt, fast so begrenzt wie meine Lust auf Einkaufen.