Europa legt zu bei den Anlagen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien. Europäische Produzenten könnten den Binnenmarkt bereits vollständig mit Windkraftanlagen, E-Autos und Wärmepumpen versorgen, kommt ein Bericht der Denkfabrik Ember zum Schluss. SRF-Wirtschaftsredaktor und Energiespezialist Klaus Ammann hat sich den Report angeschaut.
Was ist die konkrete Aussage des Berichts?
Die EU kann jedes Jahr mehr als 4.6 Millionen E-Autos produzieren. Das sind fast doppelt so viele, wie in der EU gekauft werden. Bei den Windrädern ist die Produktion doppelt so hoch wie derzeit die Nachfrage in Europa. Und bei den Wärmepumpen werden in Europa dreimal so viele produziert, wie derzeit eingebaut werden. Aus Sicht der Studienautoren zeigt dies, dass die EU im Bereich der Technologien für die Energiewende unabhängiger ist, als gemeinhin angenommen wird.
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Was ist mit den teils dafür importierten Rohstoffen?
Der Bericht zeigt tatsächlich auch auf, dass viele notwendige Rohstoffe und einzelne Komponenten nicht oder nur ungenügend in der EU selbst zur Verfügung stehen. Es handle sich dabei aber um eine qualitativ andere Abhängigkeit als bei den fossilen Energieträgern wie Öl oder Gas, so die Studie. Beispielsweise haben die mit teils importierten Rohstoffen hergestellten Wärmepumpen eine lange Lebensdauer – im Gegensatz zum Öl werden sie also nicht einfach verbrannt und müssen umgehend ersetzt werden. Auch mit einem Windrad, für das man kritische Mineralien importieren muss, kann man während Jahrzehnten Strom produzieren. Zudem können die Rohstoffe später rezykliert werden, was längerfristig die Abhängigkeit von Importen verkleinert.
Wie steht es um Ausrüstung für Solaranlagen?
In diesem Bereich sieht es tatsächlich düsterer aus. Derzeit können nur 60 Prozent der Schritte, die für die Produktion von Solarpanels notwendig sind, in der EU vollzogen werden. Gleichzeitig ist und bleibt die Solarenergie ein wichtiger Pfeiler der europäischen Stromproduktion. Unter anderem deshalb hat die EU gerade erst eine neue Solaroffensive in Nordafrika angekündigt. Fünf Milliarden Euro sollen in den Bau von Solaranlagen in der Sahara gesteckt werden. Die Solarpanels für diese Projekte werden aber nur zu geringen Teilen aus europäischer Produktion kommen.
Welche Folgen hat der aktuelle Krieg im Nahen Osten für die EU?
Er zeigt einerseits auf, wie stark Europa nach wie vor von Öl und Gas abhängig ist – und dass diese Abhängigkeit viel Geld kostet. Allein in den ersten zwei Monaten des Iran-Krieges habe Europa 8.5 Milliarden Euro mehr für Öl und Gas bezahlt als im Schnitt in den Jahren zuvor in der gleichen Zeit. Andererseits kann die EU dank der Fortschritte bei der Energiewende auch bereits viel fossile Energie und damit Geld sparen. Etwa, indem immer mehr Autos mit Strom betrieben werden und so weniger Benzin und Diesel verbrauchen. Allein 2025 soll die EU deshalb 67 Millionen Barrel Öl weniger verbraucht und so über 4 Milliarden Euro gespart haben.
Wie kann die Abhängigkeit verringert werden?
Die Autoren machen dazu mehrere Vorschläge. Am wichtigsten ist wohl, dass die europäischen Staaten bei ihren Ausgaben gerade auch im militärischen Bereich stärker auf «Made in Europe» und auf Erneuerbare setzen sollten. Auch, dass in Europa die Kapazitäten für das Recycling und die Vorratshaltung von kritischen Mineralien ausgebaut werden sollten. Ausserdem sollte Europa noch stärker in die eigene Innovationskraft investieren, so der Bericht.