Mit etwas Verspätung gegenüber den Personenwagen nimmt die Energiewende auch bei den Lastwagen, Bussen und Lieferwagen Fahrt auf. Doch wegen der Unsicherheit über die künftigen Rahmenbedingungen halten sich die Käufer noch zurück.
Elektrisch betriebene Nutzfahrzeuge sind heute in Sachen Reichweite, Leistungsfähigkeit und Alltagstauglichkeit gegenüber Verbrennern ebenbürtig oder gar überlegen.
Der Trend ist eindeutig: In der Schweiz war im ersten Halbjahr 2025 jeder sechste neu zugelassene Lastwagen einer mit Elektroantrieb. Bei den Lieferwagen war es immerhin jeder zehnte. Und auch in Europa legt der Elektro-Anteil bei den Nutzfahrzeugen zu, drei von zehn neuen Bussen fahren elektrisch.
«Die grossen europäischen Lastwagenbauer haben mittlerweile auch bei den elektrisch betriebenen Fahrzeugen eine breite Modellpalette auf dem Markt», weiss Adrian Melliger, der Geschäftsführer des kleinen Schweizer E-LKW-Herstellers Designwerk. «Elektrisch betriebene Nutzfahrzeuge sind heute in Sachen Reichweite, Leistungsfähigkeit und Alltagstauglichkeit gegenüber Verbrennern ebenbürtig oder gar überlegen.»
Designwerk AG, eine Tochter von Volvo Trucks, baut in Winterthur elektrische Spezial-Lastwagen: Kehrichtwagen und Reinigungsfahrzeuge, Betonmischer für die Baustelle oder Kranfahrzeuge; so lieferte Designwerk etwa unlängst für die Zürcher Verkehrsbetriebe ein Bergungsfahrzeug, welches entgleiste Trams wieder in die Spur hieven kann.
Massgeschneiderte Spezialfahrzeuge
Rund 50 solcher Fahrzeuge baut Designwerk jedes Jahr – massgeschneiderte Spezialfahrzeuge für die Nische, die ihren Preis haben, wie auch Melliger zugibt: «In der Anschaffung kosten unsere Fahrzeuge bis zu doppelt so viel wie vergleichbare Dieselfahrzeuge. Bei den Betriebskosten liegen wir aber deutlich tiefer, sodass wir über die gesamte Lebensdauer gesehen durchaus konkurrenzfähig sind.»
In der Tat haben Elektrofahrzeuge deutlich tiefere Wartungskosten, vor allem aber sind sie zurzeit und bis 2030 noch von der LSVA befreit, der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe. Diese kann pro Fahrzeug gut und gerne einige zehntausend Franken pro Jahr ausmachen.
Der Astag bekennt sich klar zum Netto-Null-Ziel bis 2050.
Für den Präsidenten des Nutzfahrzeugverbandes Astag, Thierry Burkart, ist deshalb klar: «Ein Unternehmer, der einen neuen Lastwagen kaufen will, investiert nur dann in E-Mobilität, wenn er Planungssicherheit hat. Und diese Sicherheit ist derzeit nicht gegeben. Die Politik ist hier gefragt», betont Burkart, der als FDP-Ständerat des Kantons Aargau selber mit an den Schalthebeln der Gesetzgebung sitzt.
Klares Bekenntnis des Astag
Auch anderes müsse geklärt werden, etwa welche Rolle der Staat beim Ausbau der elektrischen Ladeinfrastruktur spielen soll und welche Gewichtslimiten künftig für E-Fahrzeuge gelten sollen, die wegen ihrer Batterien schwerer sind als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennermotor. Wenn dies aber einmal geklärt und Planungssicherheit gegeben sei, dann werde der Anteil elektrischer Fahrzeuge an der ganzen Lastwagenflotte von heute drei Prozent rasch ansteigen, betont Burkart. Denn: «Der Astag bekennt sich klar zum Netto-Null-Ziel bis 2050.»