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Wirtschaft Entlassungen gleich nach Wahlen – politische Spielerei?

Gewerkschaften haben davor gewarnt, nun sind bereits erste Massenentlassungen eingetroffen. Der Zeitpunkt ist umstritten: keine 24 Stunden nach den Wahlen kommen die Ankündigungen. Für Arbeitnehmerverbände ist klar, dass Firmen den Zeitpunkt absichtlich wählen.

Legende: Video Gewerkschaften befürchten noch mehr Entlassungen abspielen. Laufzeit 1:13 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.10.2015.

Gestern hat das Baselbieter Unternehmen Doetsch Grether 70 Stellen gestrichen, heute kündete der Spinnmaschinen-Hersteller Rieter die Streichung von über 150 Stellen in Winterthur an. Ein Zusammenhang mit der Frankenstärke ist klar, doch gibt es ebenfalls einen Kausalität mit dem Wahlsonntag? Ja, sagen Exponenten der Gewerkschaften.

«Gerade Rieter als sehr professionelles Unternehmen hat schon länger von dieser Streichung gewusst», erklärt Christof Burkard, stellvertretender Geschäftsführer vom Arbeitnehmerverband Angestellte Schweiz. Weitere Entlassungen in anderen Firmen würden in nächster Zeit folgen.

«Entlassene wählen links»

Auch der wiedergewählte SP-Nationalrat Corrado Pardini ist der Meinung, dass der Zeitpunkt der Entlassungen ganz bewusst auf diese Woche gelegt wurde: «Keine 24 Stunden mussten wir nach dem Wahlsonntag warten und schon ist es passiert.» Bereits zuvor hat die Gewerkschaft Unia, in der Pardini arbeitet, Indizien zu den Entlassungen gehabt.

Wieso die Firmen dies so handhaben sei klar. «Frisch gekündigte Personen müssen sich in erster Linie um ihre eigene soziale Absicherung kümmern, deswegen wählen sie links», meint Christof Burkard. Dass eine Mitte-Partei sich ebenfalls für einen starken Wirtschaftsstandort Schweiz einsetzt, ist Burkard bewusst. «Aber kürzlich Entlassene stellen diesen langfristigen Zusammenhang kaum her.»

Rieter dementiert gewählten Zeitpunkt

Der Konzernchef von Rieter, Norbert Klapper, dementiert einen möglichen Zusammenhang mit den Schweizer Parlamentswahlen. «Wir haben schon im Januar mit den Umstrukturierungsarbeiten begonnen und im März bereits gesagt, dass wir Stellen streichen werden.» Man habe Zeit gebraucht um das Konzept umzusetzen.

17 Kommentare

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  • Kommentar von Niklaus Bächler (parteilos!!)
    In der Zusammensetzung des Parlaments erleben wir, dass vor allem der kleine Mann unter die Räder kommt! Wir werden in den kommenden Wochen vermehrt über Arbeitsplatzabbau lesen!FDP & SVP haben die Menschen mit Chaosszenarien an die Urne getrieben! Und haben gewonnen.Doch vor allem die SVP hat kein Wort über die Sicherung der Arbeitsplätze durch die Schaffung guter Rahmenbedingungen verloren. Asylanten warne ihnen wichtiger!Die MEI & die verknöcherte Heimatschutzoptik wird uns viele Jobs kosten!
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  • Kommentar von Tobias Hofer (Tobias Hofer)
    Was sich Gewerkschafter nicht alles einfallen lassen, um sich nach dem langen Politzirkus mal wieder in Szene zu setzen... Als ob sich die Geschäftsleitung eines Grossunternehmens am Montag morgen nach den Wahlen mal eben spontan entscheiden würden, ihre langfristige Entwicklungsstrategie nach der neuen Sitzverteilung auszurichten und dafür bis am Nachmittag ein pressekonferenztaugliches Konzept ausgearbeitet hätte...
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Kennen Sie das Märchen vom Fachkräftemangel? - s.ARD-Doku gleichen Namens - im Internet abrufbar. Die Wirtschaft will einfach eine möglichst grosse Anzahl Bewerber pro Stelle, um Löhne und Sozialleistungen drücken zu können. Das Endziel: Wanderarbeiter!
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