Zum Inhalt springen
Inhalt

Entwicklung der Wirtschaft «Bitcoins sind keine Konkurrenz zur Nationalbank»

Legende: Video Noch kein Ende der Negativzinsen abspielen. Laufzeit 01:25 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 15.03.2018.

Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Thomas Jordan, zeigt sich an der heutigen Lagebeurteilung mit der hiesigen Wirtschaftsentwicklung zufrieden, blickt aber auch bange auf die protektionistischen Massnahmen der USA. Im Interview mit SRF News äussert sich der 55-Jährige auch zur Herausgabe von Kryptowährungen durch die Nationalbank. Soviel vorne weg: Ein digitaler Schweizer Franken wird vorerst nicht eingeführt.

SRF News: Herr Jordan, wie geht es der Schweizer Konjunktur?

Thomas Jordan: Die Schweizer Wirtschaft läuft ziemlich gut. Wir hatten 2017 bereits in der zweiten Hälfte überdurchschnittlich gute Wachstumsraten. Wir gehen davon aus, dass auch für das Jahr 2018 ein Wachstum von etwa zwei Prozent möglich sein wird. Das Wachstum ist breit abgestützt, insbesondere auch die Industrie trägt viel dazu bei.

Droht irgendwo her Gefahr, dass dieses Wachstum abgewürgt werden könnte?

Es gibt immer Risiken. Im Moment können wir sagen, dass die Weltwirtschaft sehr gut läuft. Überall haben wir gute Wachstumsraten, insbesondere auch in Europa, das für uns sehr wichtig ist. Es gibt politische Risiken, Unsicherheiten etwa in Italien. Wir haben den Brexit oder geopolitische Risiken, Konflikte zwischen Russland und Europa. Es ist immer möglich, dass es wieder Stimmungsveränderungen an den Finanzmärkten gibt. Und dann bleibt der Schweizer Franken ein sicherer Hafen.

Wenn in den USA ein Handelskrieg vom Zaun brechen würde. Welche Auswirkungen hätte das für die Schweiz?

Die Schweiz ist eine kleine, offene Volkswirtschaft. Wir sind sehr darauf angewiesen, dass die Märkte offen sind. Direkt und indirekt. Wir exportieren viele Produkte, die dann wiederum in Drittländer exportiert werden. Deshalb ist für uns die Offenheit der Länder sehr wichtig. Und ein Handelskrieg, eine Erhöhung der Zölle, eine Reduktion der Möglichkeit zu exportieren, wäre sicher nicht im Interesse der Schweiz.

Die USA haben mit Jerome Powell einen neuen Notenbank-Chef. Was erwarten Sie von dem?

Ich erwarte, dass die vernünftige Geldpolitik von Janet Yellen weitergeführt wird. Die amerikanische Zentralbank ist ja daran, in kleinen Schritten die Geldpolitik zu normalisieren. Der amerikanischen Konjunktur geht es sehr gut, die Arbeitslosigkeit ist tief. Die Inflation ist bereits bei etwa zwei Prozent. Deshalb ist es auch vernünftig, dass in Amerika diese Normalisierung der Geldpolitik weitergeführt wird.

Aus heutiger Perspektive ist kaum damit zu rechnen, dass private Kryptowährungen ein Problem für die Geldpolitik darstellen werden.
Autor: Thomas JordanPräsident Schweizerische Nationalbank

Zum Thema Kryptowährungen. Sind diese eine Konkurrenz zur Nationalbank?

Private Kryptowährungen wie Bitcoins sind keine Konkurrenz zur Nationalbank. Sie sind immer noch ein Nischenphänomen und haben keine Bedeutung für die Geldpolitik. Es gibt keine Preise die in Bitcoins festgelegt sind. Keine Löhne, kaum Kreditverträge, die in Bitcoins festgelegt sind. Und deshalb ist aus heutiger Perspektive kaum damit zu rechnen, dass diese privaten Kryptowährungen ein Problem für die Geldpolitik darstellen werden.

Aber wenn sie als Zahlungsmittel eingesetzt werden, kann die Nationalbank dazu nicht einfach wegschauen?

Es müssten schon eine sehr grosse Veränderung stattfinden. Das heisst, die Preise in den Geschäften oder in im Internet müssten in Bitcoin-Einheiten angeschrieben werden. Die Löhne müssten in Bitcoins bezahlt, Hypotheken in Bitcoins ausgegeben werden. Davon sind wir sehr weit weg. Solange die Zentralbanken ihre Aufgaben richtig machen, gibt es überhaupt keinen Anreiz – weder seitens der Produzenten noch der Konsumenten – sich von den Währungen der Zentralbanken abzuwenden.

Die nordirische Nationalbank beispielsweise plant die Einführung einer Kryptowährung. Was halten Sie davon?

Es gibt bestimmte Experimente. Wir sehen im Moment keinen Bedarf eine solche digitale Währung selber herauszugeben. Wir haben ein System, dass sehr gut funktioniert. Bargeldlos zahlen kann man in der Schweiz problemlos.

Das machen immer noch relativ wenige.

Wir haben E-banking, die Möglichkeit mit Kreditkarten oder Debitkarten zu zahlen. Twint ist jetzt gekommen, womit man eine direkte Verwendung des Bankkontos hat. Überall und rund um die Uhr. Also bargeldlos zahlen ist also sehr einfach möglich. Daneben haben wir das Bargeld, sodass eigentlich alle Möglichkeiten zum Bezahlen in der Schweiz vorhanden sind.

Im Moment sehen wir keine Notwendigkeit einen digitalen Schweizer Franken selber herauszugeben.
Autor: Thomas JordanPräsident Schweizerische Nationalbank

Das heisst auf den E-Franken müssen die Schweizer noch etwas warten?

Im Moment sehen wir keine Notwendigkeit, einen digitalen Schweizer Franken selber herauszugeben. Das würde auch das Finanzsystem potenziell stark verändern. Deshalb müssen vorher noch sehr viele Fragen geklärt werden.

Haben Sie persönlich auch Kryptowährungen?

Nein, ich zahle bargeldlos in Schweizer Franken und mit Bargeld.

Das Gespräch führte Claudia Stahel.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    «Bitcoins sind keine Konkurrenz zur Nationalbank» - Oh, herrje, Herr Jordan... das stimmt nur dann, wenn sich harte Verbote am Horizont abzeichnen. Setzen Sie sich dafür ein! Einige Schweizer Firmen verstössen mit ihren Bitcoinbestrebungen bereits ungestraft gegen Art. 1 des "Bundesgesetzes über die Währung und die Zahlungsmittel"!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Das ist doch ganz klar. Jeder kann ja irgend eine Währung ins Internet stellen und versuchen, dass diese sich vermehrt. Das ist eigentlich so wie das verbotene Schneeballsystem.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Zu jeder staatliche Souveränität gehört, dass sie Geld schaffen kann. Wir haben uns weit davon entfernt. Fast jede Bank kann in Millionenhöhe Geld schaffen und Kredite tätigen und in einem Atemzug Geld vernichten. Das erst wäre, dass Investitionskredite, die so im grossen Stil kreiert werden von den Kreditnehmern nicht mehr bezahlt werden. Schon gar keine Zinsen, auf was denn auf fiktives Geld, dass irgend eine Bank aus dem Nichts schaffen kann? Die Griechen wurden so über den Tisch gezogen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen