Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Neue Wege bei der Energieversorgung abspielen. Laufzeit 07:55 Minuten.
07:55 min, aus Rendez-vous vom 07.05.2019.
Inhalt

Erneuerbare Energien Was tun, wenn der Wind nicht weht?

Ab heute testen Experten schweizweit aus, wie unser Stromsystem stabil gehalten werden kann, um Blackouts zu verhindern.

In der ehemaligen Rolex-Fabrik in Biel tüfteln und forschen heute Studierende und angehende Ingenieure der Berner Fachhochschule für Technik und Informatik. Professor Andreas Danuser hat eine kleine Vorführanlage aufgebaut: Eine Schalttafel mit Kabeln, Steckern, Zählern. Eine Kochplatte, eine Schreibtischlampe, ein Staubsauger.

Smartphone zeigt die Aliunid-App
Legende: Der Stromverbrauch wird in Echtzeit erfasst und lässt sich jederzeit auch auf dem Smartphone anzeigen. Klaus Bonanomi/SRF

Innert kürzester Zeit werden die Verbrauchsdaten erhoben und weitergeleitet – hier nur aufs Smartphone des Professors, später dann zum Beispiel an den lokalen Stromversorger. Verschiedene Zähler messen den Stromkonsum der einzelnen Geräte und die Stromzufuhr vom Netz. Ein weiterer Zähler an der Schalttafel ist mit «Supply PV» beschriftet. Er misst, wieviel selbstproduzierter Solarstrom ins System eingespiesen wird. «All diese Zähler werden über den sogenannten Fog Device – eine kleine Cloud bei Ihnen zuhause – mit anderen Clouds vernetzt. So wissen wir, was läuft.»

Flatterstrom stabilisieren

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Als Flatterstrom wird die witterungsabhängige Stromproduktion bezeichnet. Damit das Stromnetz stabil ist, muss jederzeit gleich viel produziert werden wie verbraucht wird. Mit einer besseren Vernetzung von Stromproduzenten und -konsumenten will man dem Problem eines Blackouts auf nationaler Ebene vorbeugen. Die Daten – wer wo wie viel Strom verbraucht und wer wo wie viel liefern kann – sollen leichter ausgetauscht werden können.

Diese Vernetzung funktioniert in beide Richtungen: Der Haushalt speist Strom ins Netz ein, wenn sein Solarpanel mehr Strom erzeugt, als er selber verbraucht. Bei Bedarf bezieht er Strom aus dem Netz. Und noch mehr: Er kann seinen Boiler aufheizen oder die Batterie des Elektromobils aufladen, wenn es im Netz zu viel Strom hat. Das geschieht in Echtzeit, denn das Stromsystem muss rasch reagieren, um Nachfrage und Angebot jederzeit ausgleichen zu können. Wenn die Spannung im Netz zu stark schwankt, droht ein Blackout.

Zwei Männer vor einem Stromkasten
Legende: David Thiel und Andreas Danuser erklären die Funktionsweise von Aliunid anhand einer Demonstrationsanlage an der BFH für Technik und Informatik in Biel. KLaus Bonanomi/SRF

Nun will Andreas Danuser aufzeigen, dass das, was an der kleinen Vorführanlage in der Bieler Rolex-Fabrik funktioniert, auch in Wirklichkeit klappt. Deshalb hat er zusammen mit dem Energiefachmann David Thiel das Startup-Unternehmen Aliunid aufgebaut: «Wenn das System umsetzbar ist, und das wollen wir mit dem Feldtest in den nächsten 15 Monaten beweisen, sind wir sicher, dass wir einen wesentlichen Eckpfeiler zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 gelöst haben.»

Thiel ist in der Strombranche gut vernetzt, er leitete zuvor den Basler Energieversorger IWB. Rund ein Dutzend lokaler Energieversorger mit über 600'000 Kunden sind eingebunden in den Feldversuch, dazu zwei grosse Wasserkraftbetreiber aus dem Wallis und dem Tessin. Auch der Bund ist dabei und unterstützt Aliunid mit einer Million Franken, wie Philipp Müller vom Bundesamt für Energie erklärt: «Wir haben mit der Energiestrategie 2050 Ziele zu erreichen. Es wird mehr fluktuierende Energien im Netz geben und dieses Projekt hilft mit, das Instrument in den Händen zu haben, um das Energiesystem richtig zu steuern.»

Es braucht in erster Linie erneuerbare Energien. Die Digitalisierung ist lediglich ein nützliches Tool, um diese effizienter im System zu integrieren.
Autor: Felix NipkowSchweizerische Energiestiftung

Mit Interesse verfolgt man den Versuch von Aliunid auch bei der unabhängigen Schweizerischen Energiestiftung. Doch Mitarbeiter Felix Nipkow warnt vor allzu hohen Erwartungen: «Wenn man die Energiewende im Blick hat, braucht es in erster Linie erneuerbare Energien. Die Digitalisierung ist lediglich ein nützliches Tool, diese effizienter im System zu integrieren.»

Dass es mehr erneuerbare Energien braucht, streitet auch Thiel von Aliunid nicht ab. Sein Unternehmen fokussiert aber auf diese intelligente Vernetzung von Produktion und Konsum. Denn diese müsse nun ebenso dringend angegangen werden. Bisher hätten nämlich alle Beteiligten nur für sich selber geschaut: «Es gibt zu wenig Anreize, das Gesamtsystem anzuschauen und zu überlegen: Wie kriege ich all diese Puzzlesteine zu einer intelligenten Infrastruktur zusammen?»

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

20 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Rolf Bolliger (jolanda)
    Als 80-jährigen Grufti brauche ich nicht mehr lange elektrische Energie. Trotzdem stelle ich mir oft die Frage, ob denn die (wenigen noch bewilligten) Windrädli all die einst in den KKW erzeugte Strom tatsächlich ersetzen können. Immer mehr Verbrauch (Bevölkerungszunahme, el. Fahrzeuge, weg von Oel- und Holzfeuerungen, usw.). Nun, ob all die Schlagwörter und Schreie durch die Megaphone während den Strassendemos ausreichen, um der hohe Energieverbrauch in der Schweiz zu sichern, wird sich weisen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Franz NANNI (igwena ndlovu)
      Mein Nachwuchs hat sich Solarpanels geleistet... und faehrt damit fast gratis... und das in der Naehe Muehleberg wo es doch ab und zu bis oft bedeckt und Neblig ist... Es geht also!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Haller Hans (H.Haller)
    Diese Problematik könnte man auch dahingehend lösen, indem man den Grünen-Strom zwar doch sehr günstig abgibt, aber wenn's dann doch nicht mehr reicht, nicht einfach AKW's oder Kohle-KW's zusätzlich hochfährt, sondern über intelligente Netze mit gezielten und geplantem Lastabwürfen bei allen die nur Grünen-Strom haben wollen, eben den Strom abstellt, bis es wieder genügend Grünen-Strom gibt. Es gibt, so lange es hat, wenn's nicht reicht, gibt's halt nichts. Wäre doch was, liesse sich machen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    Goend use go blase.....:-) Spass beiseite, es ist ja eine Kombination von Wasser, Atom, Solar und Windenergie und da man iR im Stromverbund ist kein Problem! Aber eben kein Alleingang sonder nur ein Zusammen ist effectiv!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen