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Euro schwächelt Die Negativzinsen bleiben uns erhalten

  • Ein Euro kostet diese Woche erstmals seit Anfang März wieder weniger als 1.16 Franken.
  • Die Devisenmärkte sind angesichts der Regierungsbildung in Italien stark verunsichert.
  • Die Negativzinsen in der Schweiz dürften so noch länger bestehen bleiben.
Legende: Video Der Euro schwächelt wieder abspielen. Laufzeit 01:30 Minuten.
Aus SRF Börse vom 25.05.2018.

Seit Anfang Mai kennt der Euro nur eine Richtung: nach unten. Es herrscht Verunsicherung an den Devisenmärkten, angesichts der politischen Lage in Italien. Die Koalition zwischen der Fünf-Sterne-Bewegung von Luigi di Maio und Matteo Salvinis Lega plant hohe Ausgaben und Steuersenkungen. Das dürfte Italiens Schuldenproblem weiter anheizen und schürt Angst vor einer neuen Eurokrise.

Gründe für den Sinkflug

Erst im April erreichte der Euro-Franken-Kurs mit 1.20 Franken den Höchststand seit dem Frankenschock von 2015. Heute Nachmittag kostet der Euro weniger als 1.16 Franken.

Florian Weber, Zins- und Währungsstratege bei J. Safra Sarasin, ist von diesen Schwankungen nicht überrascht. «Die positive Sicht auf Europa, die mit der Wahl Macrons begonnen hatte, ist durch die Wahlen in Italien, die Protestparteien in die Regierung gebracht haben, stark verändert worden. Die Welt schaut wieder negativer auf Europa, entsprechend hat sich die Währung abgewertet.» Es sei daher nicht ungewöhnlich, dass sichere Häfen, wie etwa der Franken, wieder gefragter sind.

Weitere Verlauf ist ungewiss

Die weitere Entwicklung sei es schwer zu prognostizieren. Aber eine weitere Abschwächung sei denkbar, so Weber. «Protestparteien können sich zum Konsens hin bewegen oder aber sehr stark, wie im Fall Griechenlands 2015, zur Eskalation führen.» Sollten sich die beiden Parteien allerdings etwas mässigen, könne es mit dem Euro auch sehr schnell wieder sehr steil nach oben gehen, sagt Weber.

Bedeutung für die Schweiz

Eine unmittelbare Bedrohung für die Schweizer Exportwirtschaft sieht Florian Weber gegenwärtig noch nicht. Mit leicht unter 1.16 Franken ist der Euro noch deutlich stärker als beispielsweise vor 12 Monaten. Allerdings gebe es durchaus Implikationen für die Politik der Schweizerischen Nationalbank. «Der starke Franken wird natürlich für die SNB wieder eine Herausforderung, die ihre Zinsen wohl erst einmal nicht anheben kann, sondern unverändert lassen muss.» Es sei sogar denkbar, so Weber, dass die SNB wieder an den Währungsmärkten aktiv werden muss, um eine weitere Stärkung des Frankens zu verhindern.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Feurer (Swiss Lover)
    Der Euro ist nicht nur eine unberechenbare Hochrisikowährung sondern eine Fehlkonstruktion. Hinter keinem einzigen Euro oder Cent steht ein realer Gegenwert. Alles ist auf Geratewohl, Hoffnungen und leeren Versprechungen aufgebaut. Der Euro spiegelt den Zustand der EU. Um bei der nächsten Banken- Finanzkriese der EU nicht in Mitleidenschaft gezogen zu werden stellt die Schweiz am 10. Juni 2018 auf Vollgeld um. Ein JA zum Schutz unserer Banken vor sich selbst und zum Schutz unserer Spareinlagen.
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    1. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Das ist mit anderen Worten genau das , was ich weiter oben im Kommentar umrissen habe -das ist auch der Grund warum die SNB den Franken mit dem Kauf von immensen Mengen Dollar und Euro, geschwächt hat. Nun ist die Luft draussen und schon erstarkt der Franken um 5% gegenüber dem Euro u. 2% beim Dollar, weil die Spekulanten in den Franken flüchten. Dieses Wechselspiel ändert sich täglich. Sollte D - die EU alleine finanzieren müssen, wird das den EURO weiter schwächen und einen Chlapf herbeifü.
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  • Kommentar von Beat Gurzeler (B.Gurzeler, alias Rollstuhlrocker)
    Das es ein neue Eurokrise geben wird war für mich schon lange klar, den die letzte wurde gar nie richtig aufgearbeitet, darum kommt die nächste Krise, die Währungsunion hat zu grosse Ausschläge das dies je einmal richtig stabil werden kann.
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  • Kommentar von Benedikt Jorns (Benedikt Jorns)
    Dass in einem der grösseren EU-Länder wieder einmal eine Regierungskrise wirtschaftliche Unsicherheit bringt, war zu erwarten und gehört schon beinahe zur Normalität. Klar drückt das auf den Euro-Kurs, doch mit solchen Entwicklungen müssen wir stets rechnen. Langfristig betrachtet ist es ein ganz anderer Grund, der zur Aufwertung des Schweizerfrankens im Vergleich zum Euro führt. Es ist die schon lange Zeit unterschiedliche Inflationsrate, welche solche Wechselkursänderungen mit sich bringt.
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    1. Antwort von Benedikt Jorns (Benedikt Jorns)
      Sowohl in den USA wie auch im Euro-Raum versucht man, eine Inflationsrate von 1,5% bis 2% zu erreichen. In der Schweiz ist die Inflationsrate nach wie vor sehr klein. Unsere Nationalbank sollte die umlaufende Geldmenge jährlich derart erhöhen, dass wir eine zum Euroraum vergleichbare Inflationsrate hätten. Zu erreichen wäre dies durch einen neu zu schaffenden Fond zur Erhaltung der Infrastruktur. Der jährliche Beitrag unserer Nationalbank könnte die Geldmenge im jeweils gewünschten Mass erhöhen.
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    2. Antwort von Benedikt Jorns (Benedikt Jorns)
      Weshalb versuchen sowohl die europ. wie auch die amerikan. Zentralbank, die Inflationsrate zwischen 1,5% und 2% zu halten? (siehe z.B. in Wikipedia) Die in einer Volkswirtschaft umlaufende Geldmenge ist nach neusten Erkenntnissen für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes von grosser Bedeutung. Diese umlaufende Geldmenge kann leider nicht direkt gemessen werden, denn genau betrachtet ist nicht nur die "Menge" sondern auch deren "Umlaufgeschwindigkeit" von ökonomisch grosser Bedeutung.
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