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Hand in Hand mit den Kakaobauern
Aus Tagesschau vom 19.04.2019.
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Faire Schokolade Wenn Kakaobauern auch Firmen-Aktionäre sind

Trotz Fair Trade geht es Kakao-Bauern nicht viel besser – ein Berner Start-Up-Unternehmen macht sie zu Unternehmern.

Über Ostern freut sich nicht zuletzt auch die Schokoladenindustrie. Über 5000 Tonnen Schokolade-Hasen, -Eier und -Tafeln werden allein in der Schweiz abgesetzt. Doch von den Verkäufen profitieren die Kakaobauern in Afrika und Südamerika noch immer am wenigsten.

Der Dachverband Swiss Fair Trade will Produzenten in Entwicklungsländern mit fairen Preisen und Bedingungen den Lebensstandard verbessern. Trotz dieser Bemühungen geht es aber Schokoladenbauern noch immer nicht viel besser. Denn 90 Prozent des Preises einer Tafel Schokolade gehen an den Detailhandel und an die verarbeitende Industrie.

Kakaobauern sind Aktionäre

Ein kleines Start-Up-Unternehmen zeigt nun, wie sich das ändern könnte. Seit zwei Jahren arbeitet es Hand in Hand mit Kakaobauern aus Peru und macht sie zu Mitinhabern.

Kakaobauer Oshoquin del Castillo ist dafür aus Peru in die Firmenzentrale nach Bern gereist. Er ist Mitbegründer und Aktionär des Schokoladen-Unternehmens Choba Choba.

Von Beginn an ist er in alle wichtigen Entscheidungsprozesse des Unternehmens miteinbezogen. «Wir entscheiden mit, zu welchem Preis wir unseren Kakao verkaufen. Wir kontrollieren den Weg vom Kakao bis zur Schokolade. So sind wir nicht mehr abhängig vom Weltmarktpreis und von der Industrie», erklärt Del Castillo.

Kakaobauer Oshoquin del Castillo
Legende: Kakaobauer Oshoquin del Castillo aus Peru ist auch Mitbegründer und Aktionär des Start-up-Unternehmens. SRF

Kleinbauern sollen später Eigentümer werden

Er ist einer von mittlerweile 40 Mitgliedern eines Vereins, dem rund 17 Prozent des Firmenkapitals gehören. Langfristig sollen die Kleinbauern die Mehrheit am Unternehmen übernehmen. Dafür wird jedes Jahr ein Teil des Umsatzes in Aktien umgewandelt und den Kleinbauern überschrieben.

So haben es die Initianten des Start-Ups geplant, erklärt Christoph Inauen: «Wir machten letztes Jahr noch Verlust und dieses Jahr auch noch ein wenig Verlust. Unser grosses Ziel ist es aber, 2020 das erste Mal eine schwarze Null zu schreiben und dann in die Gewinnzone zu kommen.»

Degustation von Schokolade am Tisch
Legende: Am Schweizer Firmensitz degustieren Initianten und Del Castillo die Schokolade-Kreationen. SRF

Das junge Schokoladen-Unternehmen setzt vor allem auf den Online-Handel und auf einige wenige ausgewählte Läden, um die Kosten niedrig zu halten.

Für die Kleinbauern geht das Konzept bereits jetzt auf. Allein durch den höheren Kakaopreis hatte Oshoquin del Castillos Familie letztes Jahr rund 2000 Franken mehr Einkommen. «Vor drei Jahren waren wir Kakaobauern ohne Stimme, am Ende der Verarbeitungskette. Jetzt sind wir Unternehmer, wenn auch im kleinen Rahmen, aber das gibt uns Selbstvertrauen, wir können selbstbestimmter arbeiten und leben.»

Kakaobauer Del Castillo glaubt an den Erfolg des Unternehmens. Darum hat er in der Anfangsphase auch häufig seinen Kakao ohne vorherige Bezahlung weitergegeben, damit die kleine «Schokoladen-Revolution» nicht nur eine schöne Vision bleibt.

Sicheres Einkommen trotz sinkendem Preis

Preisdiagramm und leicht fallende Trendlinie beim Kakaopreis.

Der Weltmarktpreis für Kakao sinkt seit Jahren. Lag er 1952 bei 4000 Dollar pro Tonne Kakao, hat sich der Preis bis 2017 halbiert.

Philipp Scheidiger vom Dachverband Swiss Fair Trade möchte den Kakaobauern einen grösseren Teil der Wertschöpfung zukommen lassen. «Bei einer Tafel Schokolade gehen 90 Prozent des Verkaufspreises an den Detailhandel und an die verarbeitende Industrie in der Schweiz. Ich denke, dass hier die grossen Hebel bestehen, um die Wertschöpfung tatsächlich auch in den Süden zu bringen.»

Auch der Verband der Schweizer Schokoladenhersteller weiss um das Problem. Urs Furrer, Direktor von Chocosuisse sagte: «Es ist ein Ziel, qualitativ und quantitativ hochstehenden Kakao beziehen zu können, deshalb haben wir ein Interesse an langfristigen Verträge, damit die Kakaobauern auch beim Anbau bleiben. Das bedingt, dass sie einen Preis erzielen, um auch ein Einkommen zu erzielen für sich, aber auch für die nächsten Generationen.»

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Weltmarktpreis für Kakao sinkt seit Jahren
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6 Kommentare

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  • Kommentar von Jean Piere Grano  (J.-P. Grano)
    Diese Initiative ist zwar gut, ändert aber nichts daran, dass diese Länder und ihre Menschen weiterhin nur Rohstoffliferanten bleiben und fast 100% der Wertschöpfung in den Industrieländern erfolgt. Das ist auch die Crux bei faitrade & Co. Damit werden die herrschenden globalen Produktionsstrukturen verfestigt. Warum gründet dieses startup z.B. keine Schokoladenproduktion in Peru und importiert dann die Schokolade in die Schweiz?
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    1. Antwort von Andreas Wiedler  (infonews)
      Vielleicht ist das ja ihr nächster Schritt?! Ich bin davon überzeugt, dass das Startup sich dessen bewusst ist.
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    2. Antwort von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
      J-P. Grano, was Sie anregen, braucht enorm viel Startkapital und das notwendige Know-How. Zudem geht dann dem in Peru verarbeiteten Kakao das Label "Swiss Made" verloren, das viel zum Verkaufserfolg beiträgt. Will man damit konkurrieren, ist viel Zeit und deshalb auch sehr viel Kapital für die Aufrechterhaltung eines in dieser Zeit verlustreichen Apparats notwendig. - So schön und konsequent Ihre Idee auch klingt - die Umsetzung ist alles andere als einfach.
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  • Kommentar von Beat Leutwyler  (Beat Leutwyler)
    Ja, ich finde es auch eine gute Sache. Es ist nur nicht unter einen Hut zu bringen, wenn die fast unbekannte, aber dennoch grösste Rohstoffbörse der Welt ihren Sitz in Genf hat.
    -
    In der Medizin würde jetzt von Schizophrenie gesprochen. Nicht der unternehmerische Wille der Akteure, sondern dass dies mit keinem Wort erwähnt wird.
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  • Kommentar von Oskar Schneider  (Oski2)
    Bravo !
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