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Schweizer Spitäler: Das Virus hat die Budgets infiziert
Aus ECO vom 22.06.2020.
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Fatale Nebenwirkung Corona infiziert Budgets der Schweizer Spitäler

Medizinisch und organisatorisch haben die Schweizer Spitäler die Coronakrise gut gemeistert – jedoch mit einer fatalen Nebenwirkung. Viele Spitalbudgets sind in ernsthafte Schieflage geraten.

Grund: Ertragsausfälle aufgrund des mehrwöchigen Operationsverbotes und Mehrkosten wegen zusätzlicher Bereitstellung von Kapazitäten wie beispielsweise Intensivbetten. Es geht um hunderte Millionen Franken, wie eine aktuelle Umfrage des Wirtschaftsmagazins «ECO» zeigt.

Zur Kasse, bitte

Doch wer soll für die unvorhergesehenen, enormen Beträge nun am Ende aufkommen? Der Bund, der den Lockdown befohlen hat? Die Kantone, die von den Spitälern zur Krisenbewältigung hohe Zusatzleistungen verlangten? Die Krankenkassen mit ihren neun Milliarden Franken Reserven an Versichertengeldern? Oder die Spitäler selber, die als kompetitive Betriebe im Schweizer Gesundheitsmarkt per se unternehmerische Risiken tragen müssen?

Bern versus Zürich

Der Kanton Bern hat bereits Ende März rasch und grosszügig entschieden. Er übernimmt – an gewisse Bedingungen geknüpft – sowohl Mehrkosten wie auch Ertragsausfälle «seiner» Spitäler. Und zwar im stationären und ambulanten Bereich. Ein All-Inclusive-Angebot sozusagen.

Die Berner Spitaldirektoren freuts. Der Kanton Zürich dagegen serviert den Spitälern Magerkost. Er will nicht mehr als den üblichen Anteil zahlen. Entsprechend gross ist die Enttäuschung. Das einzige Ziel sei gewesen, die Krise zu bewältigen. Und nun müsse man noch dem Geld hinterherrennen, klagt ein Spitaldirektor.

Kantone sind prioritär in der Pflicht

Die Kantone als Besteller von Gesundheitsleistungen, als Garanten der Versorgungssicherheit und Aufsichtsinstanzen über die Spitäler stehen für die Mehrkosten und Ertragsausfälle prioritär in der Pflicht. Insofern hat der Kanton Bern mit seinem Entscheid für Sicherheit gesorgt.

Den Bund, als Verursacher der Ertragsausfälle und Mehrkosten, könnte man allenfalls in zweiter Linie belangen. Und von den Reserven der Krankenkassen sollte man tunlichst die Finger lassen.

Mögen einige Spitäler die Ertragsausfälle bis Ende Jahr teilweise wieder wettmachen, die fehlenden Millionen brauchen sie möglichst bald.

Eine langwieriges – am Ende noch juristisches – Hickhack zwischen Kantonen, Bund und Krankenkassen hilft niemandem.

Gefragt wäre ein pragmatisches, unbürokratisches Vorgehen vor allem der Kantone. In der Krise selber hat das ja offenbar funktioniert. Zu befürchten ist allerdings Ersteres.

Marcel Sigrist

Marcel Sigrist

Wirtschaftsredaktor «ECO»

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Marcel Sigrist ist seit 2007 Redaktor beim Wirtschaftsmagazin «ECO». Der Ökonom publiziert insbesondere zu Banken, Altersvorsorge, öffentlichem Verkehr und zum Gesundheitssystem.

ECO, 22.06.2020, 22.25 Uhr

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8 Kommentare

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  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    Ein Gesundheitssystem ist eigentlich für die allgemeine Gesundheit der Bürger zuständig. Bei unserem Symptombekämpfungssystem sind die Bürger für die Finanzierung einer gigantischen Industrie zuständig, welche mit allgemeiner Gesundheit kaum mehr etwas am Hut hat. Die Tatsache, dass 80% der Gesundheitskosten auf vermeidbare Wohlstandskrankheiten gehen, sagt doch sehr viel über unser Gesundheitswesen aus!
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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Heute hat jemand gesagt alle sind gegen den Bundesrat. Nun ich war seit Anfang gegen dieses Viren und Impfnarrativ. Bis auf sehr wenige Schritte ist die ganze Umgangsweise falsch und finanziell extrem schädlich. Davon nehme ich nichts zurück. Nur ein Beispiel. Die Schweinegrippe war ein trauriges Vorspiel, auch da wurde fast alles falsch gemacht. Millionen wurde für Impfstoffe die keiner mehr wollte verheizt. Und es gab zwei Varianten, ein Zweiklassen-Impfstoff. Na ja.
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  • Kommentar von Georg Schneider  (Merguez)
    Beim Vergleich Bern vs. Zürich kommt einem unweigerlich die Zahlen des Finanzausgleichs in den Sinn, wo sich diese beiden Kantone an den jeweiligen Extremen der Rangliste befinden. Da fragt man sich schon etwas nach der Fairness dieses Finanzausgleichs.
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