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«Tagesgespräch»: Ist Amerika gerüstet für die Corona-Epidemie?
Aus Rendez-vous vom 16.03.2020.
abspielen. Laufzeit 26:52 Minuten.
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Fed-Entscheid zu Corona-Krise «Es ist eine Gesundheits- und nicht eine Finanzkrise»

Vernunfthandlung oder Verzweiflungstat? Die US-Notenbank senkt den Leitzins auf fast null Prozent. Hilft das der amerikanischen Wirtschaft, um die Corona-Krise zu meistern?

«Es kommt mir so vor, wie wenn jemand zum Arzt geht, ein bisschen hustet un dann gegen alle möglichen Ursachen des Hustens etwas verschrieben erhält», sagt der schweizerisch-amerikanische Wirtschaftsprofessor Alfred Mettler von der Universität in Miami zum jüngsten Fed-Entscheid.

Die zweite Leitzinssenkung auf fast Null zusammen mit den zusätzlichen Programmen zum Aufkauf von Anleihen bezeichnet der Experte denn auch als «unglaublich massiv». So massiv, dass man sich fragen könne, ob es überhaupt noch etwas darüber hinaus geben könnte: «Es macht wirklich den Anschein, dass man voll auf tutti gegangen ist, und das Pulver scheint ziemlich verschossen zu sein.»

Das Gegenteil von beruhigend

Aus dem Entscheid spricht nach den Worten von Mettler mit Sicherheit eine grandiose Nervosität. Schlecht im eigentlichen Sinne sei der Schritt ja nicht, gerade bezüglich der Liquidität der Firmen. Allerdings sei fraglich, ob das wirklich alles in einem so grossen Schritt habe erfolgen müssen: «Dass man bereits jetzt so weit geht, wird die Finanzmärkte sicher nicht beruhigen», schätzt Mettler.

Trump und die Schulden

Den realwirtschaftlichen Nutzen sieht Mettler bei den tiefen Zinsen, die dafür sorgen sollen, dass auf den Märkten nicht eine andere Art von Panik entsteht. Er erinnert diesbezüglich daran, was in Sachen Schulden und Defizit in der dreieinhalbjährigen Amtszeit von Präsident Donald Trump gelaufen ist. Dazu gehöre der historisch einmalige Druck Trumps auf die US-Notenbank vor ein paar Monaten, die Leitzinsen zugunsten seiner Schuldenwirtschaft zu senken und selbst Zinsen zu bezahlen.

Die US-Notenbank stelle nun einfach sicher, dass der Markt funktioniere und sende – ähnlich wir nach der Finanzkrise vor zehn Jahren – ein Zeichen der Beruhigung. Theoretisch sei damit das Machbare gemacht. Man könne natürlich noch mehr ausweiten und noch mehr Anleihen und Wertschriften kaufen und die Zinsen noch mehr senken. Mit Negativzinsen allerdings stellten sich dann plötzlich wieder ganz andere Probleme, wie dies Europa und auch die Schweiz illustrierten.

Gibt es Alternativen?

«Neue Zaubermittel gibt es in der klassischen Lehre nicht», betont Mettler. Es gebe zwar denkbare Varianten wie etwa das «Helikoptergeld», wo allen Leuten etwas gegeben werde, damit das Leben weitergehen kann. Allerdings könne man zurzeit das Geld gar nicht ausgeben.

Der Stillstand

«Das ist das Neue an der Krise, dass man jetzt versucht, mit den klassischen Massnahmen einer Finanzkrise zu intervenieren, weil es im Moment nichts Anderes gibt», so der Wirtschaftsprofessor.

Allerdinge gebe es ja gar keine Finanzkrise wir vor zehn Jahren, sondern eine Gesundheitskrise: «Auf der Angebotsseite kommt nichts mehr, und auf der Nachfrageseite wird nichts mehr verlangt. Es ist eigentlich ein totaler Stillstand, und deswegen sind die Märkte wohl auch derart nervös.»

Tagesgespräch, 16.03.3030. 13.00 Uhr; srf/brut

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Wir haben kein Sprachprobleme wir haben ein Zahlen und Realitätsproblem. Hat jemand bevor er die ganze Welt lahmlegt mal gerechnet und wie gesagt rechnen alleine nützt nichts. Es müssen reale Annahmen zugrunde liegen. Weiss jemand wieviel Billionen oder Trillionen Termingeschäfte laufen, Wettem auf Aktien die nun in die falsche Richtung laufen. Es geht nicht darum die Exponetialitöt zu erklären die kenne ich seit 40 Jahren, es geht darum die Auswirkungen abzuschätzen, das wäre gute Politik.
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  • Kommentar von Paul Schoenenberger  (Beaumont)
    1971 wurde das Geld (der USD) vom Gold entkoppelt. Seither regiert die Schuldenwirtschaft. Warum soll das Oeffnen der Geldschleusen nun plötzlich helfen nachdem es seit 50 Jahren nicht geholfen hat. Man braucht kein Mathematikstudium um zu wissen dass es nicht funktioniert.
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    1. Antwort von Beat Kessler  (KLERUS)
      Vielleicht kein Mathematikstudium, aber eines in Volkswirtschaftslehre schon! Die Goldbildung war historisch gesehen, nur von kurzer Dauer und Schulden sind immer genau gleich hoch wie das Vermögen. Es gibt nicht mehr Vermögen als Schulden und Schulden sind auch kein Problem, solange diese angemessen Verteilt sind! Wir leben in einem Schuldgeldsystem und das gab es schon während der Goldbildung. Das Bretton-Woots-System hat mit Produktivität zu tun, nicht mit Schulden!
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    2. Antwort von Paul Schoenenberger  (Beaumont)
      Klerus, Wollen Sie Keynes gegen die Oesterreische Schule ausspielen?
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  • Kommentar von Paul Schoenenberger  (Beaumont)
    Das gesamte weltweite Finanzsystem ist eben im Begriffe zu kollabieren. Die FED hat nun dem USD endgültig den Boden unter den Füssen entzogen. Und seit dem 17. September 2020 sind mehrere Billionen Fiatgeld in die Märkte gepumpt worden, also Geld das überhaupt keinen reellen Wert hat. Was uns beschäftigen sollte ist der Fakt dass die SNB ganz offiziell bei der Nacht-und Nebelaktion des FED beteiligt war, nachdem sie per 31.12.2020 auch viele Milliarden USD i.Form von Aktien zubuche hatte.
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    1. Antwort von Paul Schoenenberger  (Beaumont)
      Verzeihung. Nicht 2020 sondern 2019.
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    2. Antwort von Haller Hans  (H.Haller)
      Jedes System kann kollabieren unter bestimmten Belastungen. Nur der Sozialismus kollabiert jedesmal von alleine und das in allen Varianten, über die natürlich derzeit "nicht gesprochen" werden darf. Also sehen Sie der Realitäten ins Auge. Vor allem sollte man jetzt nicht beginnen "Sündenböcke" zu suchen. An dieser Krise hat nur wirklich keiner schuld. So sehr sich das einige mit dem Herbeischreiben wünschen mögen. Selbige sollten mal einen Gang runter schalten.
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