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Legende: Video Importiertes Premiumfleisch: Oft leiden Rinder wegen Mastfutter abspielen. Laufzeit 13:56 Minuten.
Aus Kassensturz vom 15.01.2019.
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Feedlots in Übersee Ungesunde Mastform für Premium-Rindfleisch

In so genannten Feedlots bekommen Mastrinder in Übersee statt Weidegras vor allem Getreide. Das ist für Rinder nicht artgerecht.

  • Die Schweiz importiert rund einen Fünftel des Rindfleisches. Ein grosser Teil davon kommt aus Südamerika, USA oder Australien.
  • Dort werden Rinder in den letzten Monaten häufig in sogenannten Feedlots gemästet: Viehgatter ohne Zugang zu Weiden.
  • Statt mit Gras werden sie hauptsächlich mit Kraftfutter gemästet - eine artfremde Fütterung, die Krankheiten begünstigen kann.
  • Fleisch aus Feedlots muss nicht deklariert werden. Die Konsumenten erfahren also nicht, ob das Fleisch aus solcher Haltung stammt.

Rinder grasen auf weiten Weiden. Die Kälber dürfen bei der Mutter bleiben. So stellen sich Konsumenten gerne die Produktion ihres Edel-Fleisches aus Übersee wie Uruguay, Argentinien oder USA vor. Denn die Schweiz importiert zwanzig Prozent Rindfleisch, vor allem Edelstücke, Filet oder Entrecôte.

Kühe im Schlamm
Legende: Der Boden ist ein Gemisch ist aus Exkrementen und Erde. Nach Regen stehen die Tiere oft knietief im dreckigen Schlamm. SRF

Hohe Gewichtszunahme

Was viele Konsumenten nicht wissen, ein Teil dieses Importrindfleischs stammt aus so genannten Feedlots. Wenn die Rinder zirka 18 Monate alt sind, kommen sie für die letzten hundert Tage in solche Mastanlagen im Freien. Dort leben Rinder auf relativ engem Raum ohne Zugang zur Weide. Gefüttert wird vor allem Kraftfutter – meist Soja und Mais. Nur so können die Tiere das gewünschte Gewicht von 1,5 Kilogramm pro Tag zulegen.

Für Sabrina Gurtner vom Tierschutzbund Zürich, die Feedlots in Uruguay dokumentiert hat, Link öffnet in einem neuen Fenster, ist das eine problematische Haltung. «Die Tiere haben keine Rückzugsmöglichkeiten, oft keinen Witterungsschutz und stehen auf einem Gemisch aus Exkrementen und Erde.»

Viel Kraftfutter begünstigt Krankheiten

So zart dieses Fleisch auch sein mag, für den gewünschten Fettgehalt bezahlen viele Rinder wegen des hohen Getreideanteils im Futter ihren Preis. Denn Rinder fressen eigentlich Gras oder Heu. Und käuen das immer wieder. Darauf ist der Rinderorganismus ausgerichtet, sagt Adrian Steiner, Leiter der Nutztierklinik der Universität Bern: «Wenn eine Kuh viel Kraftfutter im Pansen hat, wiederkäut sie viel weniger.»

Legende: Video Adrian Steiner von Vetsuisse über die gesundheitlichen Folgen abspielen. Laufzeit 00:44 Minuten.
Aus Kassensturz vom 15.01.2019.

Das könne besonders nach der Futterumstellung zur Übersäuerung führen und dies wiederum zu gesundheitlichen Problemen. Die Pansenwand kann sich entzünden, es können sich Abszesse bilden. Oder die Übersäuerung setzt Giftstoffe frei, die zu einer Entzündung der Klauen führen. Adrian Steiner beurteilt die Feedlots deshalb kritisch: «So ein Haltungs- und Fütterungssystem kann natürlich Erkrankungen begünstigen.»

Keine Transparenz für Konsumenten

Rindfleisch aus Übersee ist in der Schweiz immer wieder in Aktion. Doch wie können Konsumenten erkennen, ob das Fleisch aus Feedlots stammt? Gar nicht. Denn nur das Herkunftsland ist deklariert und ob die Tiere mit Hormonen oder anderen Leistungsfördern behandelt wurden.

«Kassensturz» gegenüber schreiben mehrere Detailhändler, sie würden die gesetzlichen Bestimmungen bei der Deklaration einhalten. Rindfleisch aus Feedlots mache einen kleinen Teil aus und aus Uruguay würden sie wenig Rindfleisch aus Feedlots beziehen.

Das sagen die Importeure zur Kritik

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Der grösste Schweizer Fleischimporteur GFVI schreibt «Kassensturz»: «Bevor die Rinder für die Endmast für die letzten 100 Tage in einem Feedlot gehalten werden, werden sie zuvor rund 18 Monate auf Weiden gehalten. Die ausgewogenen Futterrationen in den Feedlots werden durch Fütterungsspezialisten auf der Basis Maissilage zusammengestellt.»

Der zweitgrösste Importeur VB Food: «Einerseits werden die 70 Prozent Getreideanteil vom Schweizer Gesetz verlangt, anderseits haben die Produzenten alles Interesse daran, ein gesundes und robustes Tier zu produzieren. Nur ein gesundes Tier kann ein hochstehendes und qualitativ einwandfreies Fleisch liefern.»

Legende: Video Kathrin Winzenried im Interview mit Heinrich Bucher, Proviande abspielen. Laufzeit 03:54 Minuten.
Aus Kassensturz vom 15.01.2019.

Das meiste Feedlot-Fleisch stamme aus den USA – die fast ausschliesslich Feedlot-Rindfleisch produzieren. Auch aus Australien oder Kanada beziehen Schweizer Händler Fleisch aus Feedlots. So genanntes «corn-» oder «grainfed»-Fleisch wird auch gerne in der gehobenen Gastronomie angeboten. Gemäss Gastrosuisse handle es sich aber um ein Nischenprodukt.

Definition «High Quality Beef»

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Fleisch aus Feedlots gilt als zart und hoch qualitativ. Das so genannte «High Quality Beef» darf in die Schweiz zollvergünstigt eingeführt werden. Die Schweiz verlangt für den Import des «High Quality Beefs» unter anderem einen gewissen Fettanteil im Fleisch oder aber die Endmast während hundert Tage oder mehr in Feedlots mit mindestens 70 Prozent hochenergetischem Futter also Getreide. Wichtig ist, dass das Fleisch durch Fettadern marmoriert ist.

Weidefleisch ist gesünder

Auch aus ernährungsphysiologischer Sicht sieht Martin Scheeder Dozent für Fleischqualität an der Berner Fachhochschule HAFL die Qualität des Feedlot-Fleischs kritisch. Die eingelagerten Transfette seien bei einer Fütterung mit viel Kraftfutter und in Kombination mit Antibiotika nicht immer unbedenklich. «Je mehr Gras die Wiederkäuer gefressen haben, je natürlicher diese aufgezogen und gemästet wurden, desto besser ist die ernährungsphysiologische Qualität des Fleischs.»

Legende: Video Dozent Martin Schneeder über die ernährungsphysiologische Qualität des Fleisches abspielen. Laufzeit 00:31 Minuten.
Aus Kassensturz vom 15.01.2019.
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51 Kommentare

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  • Kommentar von Aline Julie  (alinejulie)
    Ich finde es gut, dass Kassensturz dieses Thema aufgreift und hinterfragt.
    Aber da scheint es mir, dass doch immer wieder ein Haken an der Sache ist. Wir denken, in der Schweiz werden die Tiere ganz lieb geschlachtet etc.
    Das Tier wird im Endeffekt immer getötet. Man sollte einfach hinschauen und nicht immer alles schönreden wollen.
    Deshalb: GO VEGAN, dann hat man diese Probleme nicht und man befreit sich von jeglicher Qual auf dieser Welt. Und rettet jeden Tag 1 Tier.
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  • Kommentar von Adrian Büschi  (Büschi)
    Warum wird der Import von solchen Produkten nicht verboten? Ach ja die Wirtschaft läuft dann nicht und Johann Schneider hätte keine Freihandelsabkommen unterschreiben können. Eine Frechheit von der Wirtschaft uns so auszunutzen. Ich kaufe Nahrungsmittel aus der Schweiz und verzichte wo immer möglich auf Import Ware denn da wird man immer hintergangen.
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    ....und wer isst schlussendlich diese mittels Spezialfuttermittel "aufgepumpten", tier-quählerisch gehaltenen und geschlachteten "Nutztiere" in der Schweiz? Verantwortung übernehmen bei Kauf von Grundnahrungs-Lebensmitteln und Co und an die eigene Gesundheit denken!
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