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«Hier wirken elektronische Geräte störend»
Aus Rendez-vous vom 11.09.2019.
abspielen. Laufzeit 05:08 Minuten.
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Ferien ohne Computer Digitale Entgiftung als Trend

Ein neuer Ferientrend macht sich bemerkbar: «Digital Detox» – «digitales Entgiften». Immer mehr Menschen wollen nicht nur Ferien vom Geschäft, sondern auch von Smartphone und Computer.

Im Berner Rosenlaui – einem Tal zwischen Meiringen und Grindelwald – ist es laut. Könnte man seine Gedanken wirklich hören, sie würden vom Rauschen des Rychenbachs übertönt, der neben dem Hotel Rosenlaui vorbeifliesst.

Das Dröhnen eines Flugzeugs schlägt gegen die Felswand, nicht weit entfernt steht das verschneite Schwarzhorn.

Elektronische Geräte stören

Etwas ruhiger ist es trotz des knarrenden Bodens im Salon des Hotels. Das 21. Jahrhundert sei hier fehl am Platz, sagt Jakob Kehrli, Hotelier in dritter Generation.

Man achte mit viel Liebe und Details darauf, dass die Zimmer und Räume des Hotels, das seit Ende des 18. Jahrhunderts Gäste beherbergt, authentisch blieben. «Jedes moderne elektronische Gerät würde in einem solchen Raum stören», sagt Kehrli. Ein Smartphone oder Laptop würde die Atmosphäre beeinträchtigen.

Grünes Bergtal mit Bach und markantem Berg in der Ferne mit Gletscher.
Legende: «Digital Detox» im Rosenlaui mit Wellhorn und Rosenlaui-Gletscher links davon. Imago

Im Hotel Rosenlaui gibt es keinen Fernseher, kein Radio, kein Wlan. Auch der Handyempfang funktioniert in den über hundertjährigen Gebäuden kaum. Und seit ein paar Jahren werden die Gäste gebeten, ihre digitalen Geräte in den öffentlich zugänglichen Räumen wie dem Salon und dem Speisesaal nicht zu benutzen.

Yvonne Stadelmann, die bereits zum zweiten Mal hier Ferien macht, freut sich über die Regelung. Es sei eine gute Erfahrung, ein, zwei Tage ohne Handy auskommen zu müssen.

Arbeiten und Ferienmachen nicht vermischen

Christine, die Mutter von Hotelier Kehrli, will im Wanderhotel klare Grenzen setzen. «Laptop» bedeute Arbeit, «Rosenlaui» Ferien, sagt sie. «Man sollte beides nicht vermischen – denn das eine stört das andere.»

Studie zum Schweizer Reiseverhalten

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Studie zum Schweizer Reiseverhalten

Das Modewort für künstliche Offlinezonen heisst «Digital Detox». Vier von fünf Schweizerinnen und Schweizern können sich eine mehrtägige digitale Entgiftung gut vorstellen, so das Resultat einer vom Reiseverband in Auftrag gegebenen Studie, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Die Umfrage zeigt auch:

  • Neun von zehn Schweizern verreisen mindestens einmal pro Jahr.
  • 63 Prozent der Befragten buchen ihren Aufenthalt selbständig per Internet.
  • 26 Prozent gehen zum Buchen einer Ferienreise immer noch ins Reisebüro.

Ausschlaggebend für Kehrli war eine Erfahrung im Speisesaal mit einem jungen Amerikaner. Seine Ehefrau, eine nervöse Dame, habe während des Essens ständig den Saal verlassen. Und jedesmal habe ihr Mann das Handy hervorgeholt, die Ohrstöpsel eingeführt und einen Film geschaut. Ob ein solches Verhalten in einen Speisesaal von 1771 passe, habe sie sich gefragt. Und: Stört das Verhalten nicht die anderen Gäste?

Hotel Rosenlaui.
Legende: Seit 1771 beherbergt das Hotel Rosenlaui Feriengäste. Imago

Sie habe den Mann schliesslich gebeten, das Handy wegzulegen – zum ersten Mal überhaupt. Seither kommuniziert Familie Kehrli die neue Hausregel so deutlich wie möglich. Auf der Homepage und bei telefonischen und schriftlichen Anfragen wird darauf hingewiesen, dass digitale Geräte nur auf den Zimmern und ausserhalb des Hotels verwendet werden können.

Das Handy in den Bach werfen?

Die Reaktionen seien mehrheitlich positiv, sagt Mutter Kehrli. Der Verzicht aufs Smartphone führe immer wieder zu unerwarteten Gesprächen zwischen den Gästen. Und überhaupt passe «Digital Detox» gut zu einem Wanderhotel.

Trotzdem bleibe das Thema für die meisten Gäste ein Nebenaspekt. «Wer mit diesen Geräten ein Problem hat, soll sie einfach abstellen – oder sie in den Bach vor dem Hotel werfen», empfiehlt Kehrli.

Auf der Hotelterrasse neben dem Bach wird inzwischen Aprikosenkuchen mit Schlagrahm serviert. Ein Tagesgast konsultiert sein Smartphone. Ein Kellner zündet eine Zigarette an. Denn die Hausregeln der Kehrlis gelten hier, in der freien Natur, nicht mehr.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Kann dies bestätigen. Meine Frau und ich waren für 2 Wochen in Schluchsee/Südschwarzwald in den Ferien: Herrlich, kein Internet, kein PC, kein Handy, kein nichts. Nur Erholen, Wandern, Schwimmen, Lesen und fein Essen. Einziger Negativpunkt: Konnte das ESAF in Zug nicht live mitverfolgen. Aber Chrigu Stucki ist trotzdem König geworden. Kicher!!
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  • Kommentar von W. Pip  (W. Pip)
    Das Handy in den Bach zu werfen, ist etwa genauso hirnlos wie die Lebenseinstellung, die dazu führt, dass man ein "digitales Detoxing" braucht... Hilfe. Wohin ich schaue nur noch Beknackte... :O)
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  • Kommentar von frank müller  (frankysrf)
    und wo ist dieser trend nun zu erkennen ? ein beschrieb eines einzelfalls, in dem der gastgeber sogar die gäste noch überzeugen muss, das handy oder pad nicht zu gebrauchen, weil das Thema für die meisten Gäste ein Nebenaspekt bleibe. ist das der trend ??
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