Zum Inhalt springen

Kampf gegen Insiderhandel Finma-Direktor: «Einer der gravierendsten Fälle»

Legende: Audio Dreht sich Finma-Direktor Mark Branson im Kreis? abspielen.
30 min, aus Samstagsrundschau vom 24.06.2017.

Gestern ist bekannt geworden, dass Hans Ziegler, ein schweizweit bekannter Firmensanierer wegen Insiderhandels 1,4 Millionen Franken zurückzahlen muss. Ihm auf die Schliche gekommen ist die Finanzmarktaufsicht Finma.

In der Samstagsrundschau von Radio SRF erklärte Mark Branson, wie die Finma Ziegler auf die Spur gekommen ist: «Durch unsere eigene Datenanalyse haben wir verdächtige Muster gesehen. Dann sind wir dem nachgegangen, bis wir alles auf dem Tisch hatten.» Man habe in diesem Fall die Hinweise selber gesehen und dann Handelsdaten von den Börsen bestellt und dann darin geforscht.

Beim anderen Fall, der gestern sanktioniert wurde, ein Fall von Marktmanipulation, kamen die ersten Hinweise von der Börse selber, so Branson.

Ein einzigartiger Fall

Die Gesetzeslage, um solche Fälle aufzudecken, sei seit 2013 viel besser geworden. «Was sich auch stark entwickelt hat, sind die technologischen Möglichkeiten, massenweise Handelsdaten auszuwerten, um solche Fälle ausfindig zu machen. Wir haben immer bessere Möglichkeiten, Handelsmuster und verdächtige Zusammenhänge zu analysieren. Dadurch fliegen immer mehr Fälle auf.»

Der gestern aufgedeckte Fall sei einzigartig. «Es ist sicher der erste Fall, wo wir so gegen eine Privatperson vorgehen müssen, gegen jemanden, der ausserhalb einer Bank oder eines Effektenhändlers agiert hat. Es ist sicher ein Fall, wo eine Vertrauensposition während mehrerer Jahre im grossen Stil missbraucht wurde. Ich denke, es ist bis jetzt einer der gravierendsten Fälle von Insiderhandel, die wir gesehen habe.»

Schlecht für Stabilität des Finanzplatzes

Insiderwissen für die persönliche Bereicherung zu nutzen, sei aus zwei Gründen problematisch, sagte Branson weiter. Zum einen schade dies jenen Anlegern, die dieses Wissen nicht hätten. Fast noch wichtiger sei zum anderen das Vertrauen in den Markt, so Branson.

«Wenn alle glauben, dass die Insider permanent dabei sind, die Kurse zu manipulieren, dann steigt man nicht mal ein.» Und das sei schlecht für die Stabilität des Finanzplatzes. «Wir sind verantwortlich für einen sauberen Finanz- und Aktienmarkt», so Branson. «Unserer Verantwortung ist, Fehlverhalten zu finden und zu sanktionieren und dann hoffentlich auch eine präventive Wirkung zu haben.»

Im Gespräch liess Mark Branson auch durchblicken, dass es nun an der Zeit sei, die strenge Regulierung der kleinen Banken zu überprüfen.

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Jakob Frauchiger (Jakob Frauchiger, Hilterfingen)
    Um an der Börse Geld zu verdienen ist Insider-Information der einzige Weg. Das "dumme Geld" der "Zufallsanleger" dient lediglich zur Verstärkung. Die grössten Kapitalisten können eine Investitionswelle anstossen. Dieser folgen viele kleine "dumme" Anleger und verstärken die Welle. Auf dieser Welle surft das Grosskapital. Und bevor die Welle bricht, beispielsweise 2008, sind die besten Surfer mit steuerfreien Gewinnen bereits trocken am Ufer. So einfach ist das.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Die Loyalität, die Frage der Besetzung einer CH-Behörde (FINMA) mit einem Briten und EX-UBSler scheint mir politisch ebenso fraglich; wie die längst fällige Untersuchung der Lieferung von Steuerdaten an die USA durch FINMA-Insider, welche auf Herrn Branson hinweisen. Wurde da ein Bock zum Gärtner gemacht? Sicher Recht hat Branson jedoch in der Aussage: Dass die strengen Regulierungen kleinen Banken unnötige hohe Kosten verursachen und diese Regulierungen zu überprüfen sind.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Ochsner (Hans Ochsner)
    Für die Stabilität und Attraktivität des Finanzplatzes ist dieser Fall m.E. ebenso schlecht wie diese Profilierung von Branson. Dieser Fall gehört von der Justiz beurteilt und Branson soll sich gefälligst in Zurückhaltung üben. Zumindest so lange kein Urteil vorliegt. Ueberhaupt: Es wäre an der Zeit einen Schweizer an die Spitze der Finma zu setzen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen