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Legende: Audio Gar nicht fliegen ist besser abspielen. Laufzeit 03:38 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 16.07.2019.
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Fliegen und CO2-kompensieren? «Der Flugverkehr wird massiv subventioniert»

Seit den Klimazielen von Paris löst der CO2-Ausstoss der Flugzeuge bei umweltbewussten Menschen zunehmend ein schlechtes Gewissen aus. Das zeigen die Zahlen der Stiftung «Myclimate». Die CO2-Kompensationen sind im letzten halben Jahr geradezu explodiert, es wurden 400 Prozent mehr Kompensations-Buchungen getätigt. Doch das genüge nicht, sagt Nadine Berthel von der Stiftung Umverkehr. Gar nicht fliegen wäre ökologischer.

Nadine Berthel

Nadine Berthel

Vorstandsmitglied von Umverkehr Schweiz

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Berthel ist im Vorstand der verkehrspolitischen Umweltorganisation Umverkehr Schweiz und Geschäftsführerin der Grünen im Kanton Zürich.

SRF News: Was bringen CO2-Kompensationen?

Nadine Berthel: Die Kompensationen bringen herzlich wenig. Das Wort Kompensation suggeriert, dass die Emissionen ausgeglichen werden würden.

Das eigentliche Ziel müsste sein, dass tatsächlich weniger geflogen wird und um das zu erreichen, müsste der Flugverkehr seine vollen Kosten tragen.

Das ist aber nicht der Fall, denn die Projekte bringen häufig nicht die erwünschte Wirkung. Besser wäre es, wenn viel weniger geflogen würde.

Aber trotzdem, solche Kompensationen sind doch besser als nichts?

Das sind sie vielleicht schon. Aber wenn sie dazu führen, dass jemand quasi sein Gewissen reinwäscht und dann trotzdem fliegt, dann haben wir ziemlich wenig erreicht. Denn das erklärte Ziel von Paris ist, dass wir bis 2050 null CO2 Emissionen haben. Da bringen Kompensationen herzlich wenig. Was es tatsächlich bräuchte, wären mehr Anreize, damit die Menschen weniger fliegen.

Geflogen wird so oder so. Ist es nicht besser, wenn das CO2 wenigstens in einem Projekt kompensiert wird?

Ja, aber wie gesagt, diese Kompensation bringt in der Regel halt wenig. Das eigentliche Ziel müsste sein, dass tatsächlich weniger geflogen wird und um das zu erreichen, müsste der Flugverkehr seine vollen Kosten tragen. Denn wenn wir im Flugverkehr Kostenwahrheit hätten, würde weniger geflogen.

Kein CO2 mehr auszustossen heisst, keine fossilen Energieträger mehr zu verbrennen.

Gleichzeitig würden natürlich Massnahmen etwas bringen, die andere Verkehrsmittel wie zum Beispiel den Zug attraktiver machen würden. Zumindest innereuropäische Strecken wären mit dem Zug gut zu bewältigen.

Sind Kompensationszahlungen dennoch das einzige Mittel, weil viele Leute nicht bereit sind, auf das Fliegen zu verzichten?

Naja, es sind immer noch sehr wenige Leute, die diese Kompensationszahlungen leisten. Im Endeffekt bringt das nur etwas, wenn es dazu führt, dass Leute weniger fliegen. Die Projekte erzielen häufig nicht die erwünschte Wirkung. Wenn wir das Klima retten wollen, dann müssen wir einfach nach null CO2-Ausstoss streben. Kein CO2 mehr auszustossen heisst, keine fossilen Energieträger zu verbrennen.

Die Schweizer Politik ringt um eine obligatorische Flugticket-Abgabe. Was halten Sie davon?

Das wäre meiner Meinung nach eine sehr gute Idee. Fliegen darf nicht länger subventioniert werden. Wichtig ist allerdings, dass die Abgabe genügend hoch ist. Heute ist es so, dass der Flugverkehr massiv subventioniert ist. Die Flugtickets sind befreit von der Mehrwertsteuer. Die Fluggesellschaften sind nicht verpflichtet, Mineralölsteuer auf Kerosin zu leisten. Mit einer Flugticket-Abgabe würden die CO2-Folgeschäden kompensiert werden. Das wäre immerhin ein Anfang.

Sie sagen, CO2 Kompensationen auf Flugtickets verschieben nur Geld, aber reduzieren keine Flüge?

Ja genau. Es ist zwar besser, einen Flug zu kompensieren als ohne Kompensation zu fliegen, aber viel besser wäre es, das Geld in ein Zugticket zu investieren und auf den Flug zu verzichten.

Das Gespräch führte Claudia Weber.

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81 Kommentare

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  • Kommentar von b. glaset  (glaset)
    Seit Greta reden alle von Kompensation. Schon kommt eine Grüne, die das in Abrede stellt. Bingo: das heisst auf Neudeutsch Steuererhöhungen auf Treibstoff
    Nun vor 30-40 Jahren sagten Grüne der Sprit muss CHF 2.00 kosten, dann wird weniger gefahren. Vergesst diesen tollen Satz, auch wenn er CHF 3.00 oder 5.00 kostet.
    Ausser dass es assozial wäre, wird trotzdem gefahren. Spätestens Ende Jahr stehen alle beim Chef und verlangen mehr Gehalt, weil es ist ja so teuer in der Schweiz.
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  • Kommentar von Sam Peschutter  (samster)
    Eine Flugreise von Basel nach Berlin in einem vollbesetzten Airbus A320(186 Pax) verbraucht pro Passagier 18kg Kerosin. Pro Kg Kerosin werden rund 3.1497 Kg CO2 produziert.
    Pro Person auf diesem Flug Berlin beläuft sich die CO2 Belastung also auf 56.69Kg.
    Wen ich die Zahlen von Auto und Zug anschaue, steht das Flugzeug nicht so schlimm da wie immer propagiert wird...
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  • Kommentar von Peter Matter  (Peschä)
    Alles gut und recht, doch diese nicht weit reichenden Gedanken über das Klima in der sehr,sehr,sehr kleinen Schweiz, überraschen mich immer wieder. Wer ein bisschen in der Welt herumgekommen ist, mit welchem Transportmittel sei dahingestellt, der weiss, der Flugverkehr macht den Braten nicht fetter. Die Klimasünden in vielen Entwicklungsländern und die Energieproduktion in sogenannten Erstweltländern geben weit mehr zu denken. Den Flugverkehr so anzuprangern ist der falsche Weg!
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