Zum Inhalt springen

Header

Audio
Corona hat bei Schweizer Crowdfunding-Plattformen zu einer starken Zunahme von Solidaritätsprojekten geführt
abspielen. Laufzeit 03:31 Minuten.
Inhalt

Geldsuche im Internet Ist der Crowdfunding-Boom vorbei?

Die US-Plattform Kickstarter muss Leute entlassen. Auch Schweizer Crowdfunder bekommen die Corona-Krise zu spüren.

In einem internen Memo, Link öffnet in einem neuen Fenster musste Kickstarter-CEO Aziz Hasan letzte Woche Entlassungen ankündigen. Der Grund: Die Zahl der bei Kickstarter eingereichten Projekte ist im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent zurückgegangen. Ein schwerer Schlag für die weltweit wohl bekannteste Crowdfunding-Plattform, die bei jedem erfolgreich finanzierten Projekt fünf Prozent der Projektsumme einstreicht. Zeichen für eine baldige Besserung der Lage gebe es keine, schreibt Hasan.

Wie sieht die Lage bei Schweizer Anbietern aus? «In den ersten fünf Jahren nach unserem Start 2012 war Crowdfunding ein enormer Wachstumsmarkt», stellt Céline Fallet fest, Geschäftsführerin der Schweizer Crowdfunding-Plattform Wemakeit. «Mittlerweile hat sich die Kurve abgeflacht – aber es ist immer noch ein Wachstum da.» Das gilt auch für andere Schweizer Plattformen wie etwa Crowdify, wo die Zahl der eingereichten Projekte laut Geschäftsführer Christian Klinner im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahr um gut 50 Prozent zugenommen hat.

Aber auch bei Schweizer Anbietern sorgt die Corona-Krise für einen Wandel: «Wir haben zwar nicht weniger Projekte, aber deutlich andere», sagt Céline Fallet. Gut zwei Drittel der aktuellen Projekte seien Solidaritätskampagnen, während klassische Wemakeit-Kampagnen derzeit Mühe hätten, finanziert zu werden. Auch bei Crowdify gebe es momentan mehr Solidaritätsprojekte, erklärt Christian Klinner. Und Fallet weiss, dass für solche Projekte mehr Unterstützerinnen und Unterstützer sowie höhere Projektsummen zusammenkämen. Der durchschnittliche Spendenbeitrag liege bei 150 Franken, zehn Franken mehr als sonst üblich.

Corona kann auch eine Chance sein

Neben dem klassischen Crowdfunding gibt es auch das sogenannte Crowdlending und Crowdinvesting. Solche Plattformen funktionieren eher wie ein herkömmliches Darlehen und bringen Geldgeber direkt mit Einzelpersonen oder KMU zusammen, die nach einem Kredit suchen. In solche Investitionen ist in den vergangenen Jahren in der Schweiz weit mehr Geld geflossen als in Kultur- oder Sozialprojekte.

Corona sorgt auch hier für einen Wandel: «Seit Mitte März gibt es weniger neue Aktionen», sagt Alwin Meyer, Gründer der Crowdlending-Plattform Swisspeers. In normalen Zeiten suchen bei ihm oft KMU nach Geld, um ihr Geschäft weiter auszubauen. Viele dieser Pläne würden im Moment auf Eis liegen – vor allem in Branchen, bei denen nicht klar ist, wie lange sie noch vom verordneten Lockdown betroffen sind.

Doch auch Alwin Meyer schaut zuversichtlich in Zukunft. Seit einer Woche nehme die Zahl der Projekte wieder zu. Und wie Céline Fallet und Christian Klinner glaubt auch er, dass die Corona-Krise für das Crowdfunding eine Chance sein könne: Weil dank den Solidaritätsprojekten neue Leute die Plattformen kennen lernen und vielleicht auch in der Zeit nach Corona Projekte auf diese Art unterstützen.

SRF 3, Dienstag 28. April 2020, 16:45 Uhr

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Ruedi Hammer  (Ruedi Hammer)
    Welcher Kreditnehmer holt sich denn heute noch ein verzinsliches Darlehen, wenn er den Coronakredit nahezu zinslos und ohne Prüfung erhält? Der angebliche Kreditgeber ist bei all diesen Lending- und Investing-Plattformen ökonomisch gesehen immer nur der Bürge der effektiv verleihenden/dahinterstehenden Bank! Es geht also einzig um die Abzocke von treudoofen Geldgebern!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Theo Koller  (einaeugiger)
    "Corona kann auch eine Chance sein" so etwas kann nur jemand schreiben, der die letzten Wochen im "Homeoffice" verbrachte und in der Sonne lag.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Roger Gasser  (allesrotscher)
      Wenn Sie es nicht als Chance sehen kōnnen sind Sie zu bedauern. Das Wort Chaos stand am Anfang, daraus sind die Worte Krise und Chance entstanden, je eines für die Pessimisten und für die Optimisten. Sie haben also schon gewählt?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen