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Finma rügt früheren Bär-Chef Boris Collardi in Geldwäsche-Fall
Aus Rendez-vous vom 21.01.2021.
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Geldwäscherei-Vorwurf Eine abschreckende Wirkung wird der Fall «Julius Bär» kaum haben

Für den früheren Bankchef Boris Collardi dürfte die Sache erledigt sein. Die Finanzmarktaufsicht Finma erteilt ihm zwar öffentlich eine schriftliche Rüge, weil die Privatbank Julius Bär unter seiner Leitung nicht genügend vorgekehrt hat, um Geldwäscherei-Fälle zu verhindern. Mehr aber nicht.

Systematische Mängel festgestellt

Dabei hatte die Finma systematische Mängel im Risikomanagement der Bank festgestellt. Und zwar im mutmasslichen Korruptionsfall rund um einen venezolanischen Erdölkonzern und in einem mutmasslichen Korruptionsfall rund um den Fussballverband Fifa: Trotz klarer Hinweise auf Geldwäscherei-Risiken habe die Bank wiederholt nicht oder nicht entschieden genug reagiert. Die Bank musste darauf auf Geheiss der Aufsichtsbehörde ihr Geldwäscherei-Abwehrdispositiv verstärken.

Doch wer ist persönlich verantwortlich dafür, dass das Geldwäscherei-Abwehrdispositiv offensichtlich versagt hat und Risiken nicht sorgfältig abgeklärt wurden? Um das herauszufinden, hat die Finma nun ein Verfahren gegen einen Manager eröffnet. Gegen wen, ist nicht bekannt.

Finma verneint direkte und kausale Verantwortung

Weitere Manager, darunter Ex-Chef Collardi, haben keine harten Konsequenzen zu tragen. Collardi war als oberster Chef verantwortlich für die Bank, die Firmenkultur und auch für die systematischen Mängel im Risikomanagement.

Aber die Finma kann eine harte Sanktion wie ein Berufsverbot nur dann aussprechen, wenn einer Person eine direkte, individuelle und kausale Verantwortung für schwere Vergehen gegen Aufsichtsrecht nachgewiesen werden kann. Das ist bei Collardi gemäss Finma nicht möglich.

Kaum abschreckende Wirkung

Fazit: Die Finma hat zwar nicht nur die Bank als Institution gerüffelt, sondern auch einzelne Manager persönlich ins Visier genommen. Sogar den obersten Chef Boris Collardi. Mit den Konsequenzen wird er aber gut leben können. Er reagierte heute denn auch befriedigt. Und die Privatbank Pictet, bei der er inzwischen Partner ist, stellte sich demonstrativ hinter ihren Spitzenbanker – trotz öffentlicher Rüge der Aufsichtsbehörde.

Ob das andere Bankmanager dazu bringt, künftig genau hinzuschauen und Geldwäscherei-Risiken konsequent anzugehen, wenn schöne Gewinne winken, darf bezweifelt werden. Eine abschreckende Wirkung dürfte der Fall «Julius Bär» jedenfalls kaum haben.

Iwan Lieberherr

Iwan Lieberherr

Wirtschaftsredaktor, SRF

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Iwan Lieberherr ist seit Ende 2010 Wirtschaftsredaktor bei Radio SRF. Davor war er Leiter des Wirtschaftsressorts der Nachrichtenagentur SDA.

Rendez-vous, 21.01.2021, 12:30 Uhr

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Kessler  (KLERUS)
    Wenn die ersten hinter Gitter wandern, ja dann wird eine Änderung eintreten! Aber so ist das Risiko für jene Brüder zu klein, Punkt! Mit freundlichen Grüßen
  • Kommentar von Koni Flütsch  (KOMANKO)
    War das anders zu erwarten? Die Finma scheint ihren Job ein weiteres Mal nicht machen zu können. Oder jemand hat kein Interesse daran, den VR entsprechend zur Verantwortung zu ziehen. Bedenklich, solche Geschichten in der CH-Bankenwelt. Ist ja nicht der erste Fall dieser Art und auch nicht der letzte. Das Resultat ist jedoch immer dasselbe. Alle kommen mit solcher Geschäfterei durch und die Finma scheint machtlos. Wo führt das noch hin?
  • Kommentar von Bruno Müller  (Krötenprinz)
    Eine Rüge der FINMA belastet einen Spitzenbanker mit Millionensalär etwa gleich wie eine Parkbusse vor einem Genfer Nobelrestaurant.