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Corona beschäftigt Med-Tech-Firmen
Aus ECO vom 16.03.2020.
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Geschäft mit Coronavirus Schweizer Firma baut dringend benötigte Beatmungsgeräte

Hamilton Medical produziert auf Hochtouren Beatmungsgeräte für Intensivstationen. Für Überstunden braucht es keine Überzeugungsarbeit.

Die meisten Länder hätten zu wenige Beatmungsgeräte, sagt Andreas Wieland, Verwaltungsratspräsident von Hamilton Schweiz. Niemand habe damit gerechnet, dass sich das Coronavirus so stark ausbreitet.

Hamilton produziert Beatmungsgeräte für Intensivstationen in Spitälern und dazugehöriges Verbrauchsmaterial – im Moment auf Hochtouren.

Die Nachfrage sei viermal höher als sonst. «Wir sind nun extrem gefordert», so Wieland.

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«Wir sind extrem gefordert.» Hamilton-Chef Andreas Wieland
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Besonders in Italien fehlt es an Beatmungsgeräten. Hamilton liefert nun 350 Stück. Ein Gerät, wie es zurzeit benötigt wird, kostet rund 45'000 Franken.

Auch aus den USA hat Hamilton gerade einen 10-Millionen-Auftrag erhalten – vom US-Militär, das Beatmungsgeräte exklusiv beim Unternehmen kaufe.

Noch seien Lieferungen über die Grenze möglich, sagt Jens Hallek, Geschäftsführer von Hamilton Medical, doch «die Logistik ist eine Herausforderung».

Mehrarbeit brauchte keine Überzeugungsarbeit

Die 350 Angestellten im Werk in Ems leisten zurzeit Überstunden, und sie arbeiten auch samstags.

Um das Personal vor dem Coronavirus zuschützen, wurde ein Zwei-Schicht-Betrieb eingeführt. Die Hälfte der Büroangestellten macht Home-Office oder hilft in der Produktion aus.

«Es braucht keine Überzeugungsarbeit, unsere Leute zur Mehrarbeit zu bewegen», sagt Jens Hallek. «Beatmungsgeräte werden überall dringend benötigt. Wir können hier einen Beitrag leisten.»

Produktionsmitarbeiterin Tina Frischknecht bestätigt dies: «Es ist momentan wichtig, dass wir mit unseren Produkten anderen Menschen helfen.»

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«Es ist wichtig, dass wir anderen Menschen helfen.» Tina Frischknecht, Produktion Hamilton Medical
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Preiserhöhungen schlecht fürs Image

Einige Händler nützen die Notsituation aus, sagt Jens Hallek: «Wir haben Hinweise von der Welt-Gesundheitsorganisation bekommen, dass sich die Preise für Beatmungsgeräte in einigen Märkten verdoppelt haben.»

Hamilton verteure seine Preise für Beatmungsgeräte nicht und überwacht auch die Preise der internationalen Vertriebspartner.

«Preiserhöhungen würden unserer Reputation schaden», so Hallek. «Wir wollen dorthin liefern können, wo die Geräte am meisten gebraucht werden.»

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«Preiserhöhungen schaden unserer Reputation.» Jens Hallek, Geschäftsführer Hamilton Medical
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Hamsterkäufe an Bauteilen

Dass Hamilton so viel produzieren kann, ist nicht selbstverständlich. Das Unternehmen hat sich rechtzeitig mit Bauteilen eingedeckt.

Man habe schon im Dezember die Situation in China beobachtet. Als sich das Virus dort auszubreiten begann, habe das Unternehmen massenweise Teile von dort bestellt.

«Wir haben richtig gehamstert», so Wieland. Sein Glück sei gewesen, dass er noch vor der Autoindustrie bestellt habe, die zum Teil die selben Chips wie Hamiltons High-Tech-Geräte benötige. «Wenn die einmal bestellen, bleibt für uns nicht mehr viel übrig.»

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«Wir haben Bauteile gehamstert.» Andreas Wieland, Geschäftsführer Hamilton
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Lieferkette ungewiss

Doch auch Hamilton kann nicht unbegrenzt produzieren. Noch rund drei Monate, sagt Andreas Wieland, «danach trocknet unsere Supply Chain aus».

Er rechne aber damit, dass sich die Situation bis im Mai oder Juni beruhigt. Chinesische Zulieferer begännen schon jetzt langsam wieder zu produzieren.

Und Wieland denkt schon einen Schritt weiter: «Wenn die Verkehrswege wieder aufgehen, gibt es einen Run auf Schiffe und Flugzeuge. Dann ist es wichtig, dass man Transportkapazitäten hat».

Bis dahin wird es aber wohl noch etwas dauern.

Produktion für Virentests

Hamilton mischt auch im Geschäft der Virentests mit - auch bei den Tests, für die der Pharmakonzern Roche kürzlich die Zulassung erhalten hat. Hamilton produziert dafür sogenannte «Tips», mit denen die Flüssigkeiten dosiert werden, sowie Roboter, welche die Tests und deren Auswertung automatisieren.

Hamilton habe die Produktion für Geräte und Spitzen massiv gesteigert, so Geschäftsführer Andreas Wieland gegenüber SRF. Man rechne mit einem 20 Prozent höheren Auftragsvolumen. Hamilton liefere seine Produkte für Virentests nicht nur an Roche, sondern auch an Firmen wie Segen oder Qiagen.

ECO, 16.3.2020

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Richard Limahcer  (Limi)
    Beatmungsgeräte sind eine gute Sache. Hingegen ist es besser, wenn die Krankheit nicht soweit fortschreitet. Bei einer Infizierung ist es ein Wettlauf des Immunsystems mit dem Virus. Nach der Virendetektion beginnt das Immunsystem mit der Produktion der Antikörper. Je vitaler das Immunsystem, umso schneller kann es die Virenproduktion übertrumpfen und besiegen. Darum ist es wichtig, dass von allen notwendigen Bausteinen genügend vorhanden sind.
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  • Kommentar von Mustafa Ghanem  (ZollikerGHM)
    Sollte die aktuelle Notlage die Firma nicht dazu verpflichten so viele Beatmungsgeräte für das Schweizer Gesundheitssystem zu reservieren wie in den nächsten schwierigen Wochen benötigt werden? Die Schweiz hat sogar weniger Intensivbetten (pro 100K Einw.) als Italien. CH hat etwas weniger als 1000, Deutschland hat 28000!
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    1. Antwort von Dom Sigrist  (Gohtsno)
      Es gibt da noch die unschärfe wie die Intensivstationskapazität in einem Land verteilt ist, aber ITA: 11'800 Einw. / CH: 8'600 / DE: 2'400 Einwohner auf 1 Intensivstationsplatz. 2000 (x3!) Plätze mit Beatmungsgeräten müssten wir hier aufbauen um überhaupt auf die DE Quote zu kommen. Aktuell ist bei 20'000 und 5% Intensivverlaufsanteil Fullhouse. Der VRP gibt den Bedarf in einem interview mit swiss.info zu. Würde aber bei einem Exportstop "auf die Barrikade gehen".
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    2. Antwort von Norbert Zehner  (ZeN)
      Vor 3 Wochen noch bei SRF zu lesen: St.Galler Regierung hält an notwendiger Spitalschliessungsstrategie fest. Sicher beraten durch ganzen Reihe hochbezahlter,, sich Türklinke gebenden "Gesundheits-Ökonomen" und anderen Stratgie-optimierenden Beratern. Verantwortlich ist natürlich niemand, Politiker schieben auf Berater ab, Berater auf Politiker. Wer sich heute noch wundert, dass Bevölkerung jegliches Vertrauen in Politik rasant am Verlieren ist, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.
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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Jetzt plötzlich wird von der schweizer Wirtschaft verlangt, dass alles Mögliche im Land produziert wird. Haben wir kalten Krieg? Vor wenigen Tagen wurde man als vorgestriger Hinterwäldler bezeichnet wenn man sich eher kritisch gegen das Auslagern an billigere Produktionsstandorte, oder für eine Beibehaltung paraleller Informationsstrukturen etc. aussprach.
    D Stoppt Lieferung mit Schutzmasken an die CH und die USA hat Liefervorrang. Grosse Töne gegen USA first und nun liebr swiss first.
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    1. Antwort von Samuel Müller  (Samuel Müller)
      Das ist mit Sicherheit ein positiver Effekt, wenn er denn anhalten wird. Politik: Pflichtlager bei nicht verderblichen Produkten oder ein Bestand an Rohstoffen und Maschinen zur Herstellung bei notwendigen verderblichen Produkten wie z.B. Medikamenten.
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