Zum Inhalt springen

Header

Audio
«Es ist ein anderer Fall als bei vorhergehenden Zöllen.»
Aus SRF 4 News aktuell vom 04.10.2019.
abspielen. Laufzeit 03:59 Minuten.
Inhalt

Handelsstreit EU-USA «Am Schluss gibt es nur Verlierer»

Die US-Regierung darf zusätzliche Zölle auf Importe aus der EU erheben. Dieses Recht hat ihr die Welthandelsorganisation WTO zugesprochen – wegen unerlaubter EU-Subventionen für den Flugzeughersteller Airbus. Für den Fall, dass die USA tatsächlich zu diesem Mittel greifen, hat die EU bereits mögliche Vergeltungsmassnahmen angekündigt. Das sei nicht der richtige Weg, sagt Martin Braml, Aussenhandelsexperte des Münchner ifo-Instituts.

Martin Braml

Martin Braml

Experte für internationalen Handel

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Martin Braml ist Aussenhandelsexperte am ifo Zentrum für Aussenwirtschaft in Münschen.

SRF News: Wird die EU mit Vergeltungsmassnahmen noch zuwarten?

Martin Braml: Das ist durchaus realistisch. Denn im vorliegenden Fall liegen die Dinge anders als bei den vorhergehenden Zöllen – etwa letztes Jahr bei jenen auf Stahl und Aluminium. Damals hatten die Amerikaner offensichtlich WTO-Recht gebrochen. Jetzt aber wurden die Zölle von der WTO autorisiert. Sie hat befunden, dass Europas Airbus-Subventionen illegal sind, deshalb sei den USA ein Schaden entstanden. Diesen dürfen die USA jetzt kompensieren. Es gibt also keinen Grund, wieso die EU jetzt zu Gegenzöllen greifen sollte.

Die EU beruft sich auf frühere WTO-Urteile, wonach sie Zölle hätte erheben dürfen, dies aber nicht getan hat...

Ja, aber da haben auch die USA noch weitere Möglichkeiten. Seit 20 Jahren streiten die EU und die USA im Rahmen der WTO über Themen wie hormonbehandeltes Rindfleisch, Bananen und anderes. Meist hat man darauf verzichtet, Zölle zu erheben. Denn solche sind in niemandes Interesse.

Was wäre das Worst-Case-Szenario?

Die USA haben angekündigt, dass sie Zölle auf europäische Autos einführen könnten, wenn bis November keine Einigung bei den Handelsgesprächen erzielt werden. Das wäre eine neue Qualität, eine Eskalation gar.

Die EU müsste auf die Verhängung von Autozöllen durch Washington reagieren.

Die Autoindustrie ist ein Herzstück der europäischen Industrie, die EU müsste solche Zölle ihrerseits mit Zöllen auf US-Produkten beantworten. Die EU sollte deshalb zuwarten bis Januar, dann wird das ausstehende Urteil der WTO zu ihrer Klage über unrechtmässige Subventionen von Boeing durch die USA erwartet. Dann wären die Gegenzölle der EU auf US-Produkte rechtmässig.

Könnten Autozölle zu einem weltweiten Wirtschaftseinbruch führen?

Da spielen viele Faktoren zusammen. So befinden sich die USA in einem zunehmenden Handelskrieg mit China, in der EU drohen Verwerfungen mit dem Austritt der Briten – und wenn dann noch Autozölle dazukommen, könnte das der Weltwirtschaft tatsächlich nachhaltig schaden.

Zölle, Vergeltungszölle – wer leidet unter dieser möglicherweise in Gang gesetzten Spirale stärker: die EU oder die USA?

Tendenziell hat die EU mehr zu verlieren, weil sie beim Güterhandel mit den USA einen deutlichen Exportüberschuss aufweist. Die USA können also mehr Produkte aus Europa mit Zöllen belegen, als das die Europäer mit amerikanischen Gütern können. Am Schluss aber würden in einem solchen Fall alle verlieren. Es wäre eine lose-lose-Situation.

Das Gespräch führte Denise Joder-Schmutz.

Sendebezug: SRF 4 News aktuell vom 4.10.2019

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

11 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Sascha Freitag  (SF)
    Wenn der Zustand so bleibt, oder noch verschärft wird, gibt es nur Gewinner. Dann können wir endlich wieder selbst produzieren und Verantwortung dafür übernehmen. Die Produktpreise würden steigen, aber das wäre der richtige Preis. Für unsere Arbeitsplätze, unsere Nachhaltigkeit, Firmen die hier Steuern zahlen, unsere Qualität...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hansruedi Elsener  (Haru)
    Gut so. Wann zeigen wir die Zähne? Kaum! Die EU unterwirft sich so oder so.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von S. Borel  (Vidocq)
    Natürlich bringt das nur Verlierer auf allen Seiten... das wissen auch Trump‘s Berater. Nur braucht Trump gerade jetzt seine „Show“... und die negativen Folgen für dem amerikanischen Konsumenten werden erst nach und nach spürbar sein. Und bis dahin wird Trump, falls er das Impeachment Verfahren übersteht, garantiert einen „Schuldigen“ ausserhalb der USA oder bei den Demokraten gefunden haben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen