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Fusionen statt Investitionen Hat die Nullzinspolitik der EZB versagt?

Mehr Jobs und Wachstum ist das Ziel. Doch genau das Gegenteil ist passiert, wie eine Studie zeigt.

Legende: Audio «Agnieszka Gehringer: «Die EZB hat falsche Anreize geschafft»» abspielen. Laufzeit 2:58 Minuten.
2:58 min, aus Rendez-vous vom 28.06.2017.
  • Die Europäische Zentralbank pumpt seit 2014 billiges Geld in die Wirtschaft, um die Nachfrage nach Krediten und Hypotheken anzukurbeln und so das Wachstum zu beschleunigen.
  • Das sollte Unternehmen dazu bringen, mehr in Maschinen und Personal oder Ähnliches zu investieren, so das Kalkül der EZB.
  • Doch das ist nur teilweise eingetreten: Viele Unternehmen kaufen mit dem billigen Geld lieber Konkurrenten auf, statt in Maschinen und Personal zu investieren, wie Untersuchung zeigt.

«Im Kontext von niedrigen Zinsen finden Unternehmen durchaus Anreize, Fusionen und Übernahmen zu tätigen, anstatt reale Investitionen zu schaffen», sagt Agnieszka Gehringer.

Noch nie so viele Fusionen wie 2016

Die Professorin für Makroökonomie an der Universität Göttingen hat untersucht, wie sich die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) auf das Verhalten der Unternehmen auswirkt, indem sie Zahlungsströme auswertete.

Tatsächlich wurde 2016 die Rekordzahl an Fusionen aus dem Jahr 2007 überboten. Drei von vier Schweizer Grossunternehmen gaben in einer Umfrage an, sie planten eine Übernahme.

Welche Fusion der letzten Zeit vor allem auf das billige Geld zurückzuführen war, sei von aussen schwer zu beurteilen, denn die Unternehmen gäben das nie zu, sagt Gehringer. Viel lieber strichen sie die unternehmerischen Vorteile hervor.

Ich entscheide mich für eine Fusion oder Übernahme, weil sie mich weniger kostet.
Autor: Agnieszka GehringerProfessorin für Makroökonomie an der Universität Göttingen

Normalerweise steigt der Aktienkurs jenes Unternehmens, das übernommen wird, während jener des Käufers sinkt. Nicht so im letzten Jahr: Die Aktienwerte beider Unternehmen sind in der Regel gestiegen, was laut Gehringer zeigt: Auch die Investoren habe ihre helle Freude an Fusionen und Übernahmen.

Fusionen billiger als Gründungen

Dass die Unternehmen das billige Geld lieber in Zusammenschlüsse stecken, statt in reale Projekte, hat laut Agnieszka Gehringer mit falschen Anreizen zu tun. Beim Kauf einer Maschine oder der Gründung einer Produktionsstätte müsse nicht nur am Anfang viel investiert werden, sondern die ständige Anpassung der Prozesse kosteten viel Geld.

Die meisten Fusionen und Übernahmen scheitern, wie Untersuchungen belegen.
Autor: Agnieszka Gehringer

Bei Fusionen und Übernahmen aber sei bereits eine Struktur vorhanden, an der nur Kleinigkeiten verändert werden müssten. «Daher entscheide ich mich für eine Fusion oder Übernahme, weil sie mich weniger kostet.»

Stellenstreichungen sind programmiert

Übernahmen und Fusionen seien nicht per se schlecht, sagt Gehringer aber, «es gibt Untersuchungen, die belegen, dass die meisten Fusionen und Übernahmen scheitern.» Selbst in jenen Fällen, in denen die Fusion erfolgreich war, werden wegen Doppelspurigkeiten und Überschneidungen Stellen zuerst einmal gestrichen.

Es passiert also nicht immer das, was die EZB mit ihrer Tiefzinspolitik erreichen will – nämlich mehr Wachstum und mehr Jobs.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Diese Meldung ist nicht ganz überraschend. Wenn die EZB wirklich Wachstum und Jobs hätte generieren wollen, dann wären Massnamen nötig gewesen die einen Schutz für die gewünschte Wirkung gebracht hätten. Beispielsweise müsste die EZB die billigen Kredite an Bedingungen knüpfen und nicht einfach per se den Zinssatz so tief halten. Das widerspricht dem Usus? Meinetwegen. Aber das was die EZB die ganze Zeit tut widerspricht dem Usus ja auch.
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  • Kommentar von Benjamin Thiel (BThiel)
    Für gewöhnlich werden Betriebe dadurch wirtschaftlicher und geben einen Teil dessen an den Verbraucher über einen günstigeren Preis zurück.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Für gewöhlich erhoffen sich die Betriebe dadurch wirtschaftlicher zu werden und weil das nicht wie erwartet klappt versuchen sie selbiges via erhöhten Druck auf die Mitarbeiter zu erreichen.
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  • Kommentar von Verena Casagrande (Verena Casagrande)
    Konkurrenten kaufen und Personal abschaffen das ist billiges Geld.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      In den meisten Fällen trifft diese Aussage nicht zu, Fr. Casagrande. Da die Komplettierung der Fusion, z.B. mit gegen- oder einseitiger Anpassung der IT-Systeme, Servicestrukturen etc. oft viel mehr kostet als ursprünglich angenommen, und allenfalls nicht das gemeinsame Marktvolumen behalten wird (Kunden wandern ab zu Dritten) gibt es viele Situationen wo das vermeintlich billige Geld am Ende teuer ist.
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