Zum Inhalt springen
Inhalt

Wirtschaft Heilungs-Chance Währungsaustritt

Pavel Kysilka ist Experte für Währungsaustritte. Unter seiner Federführung kamen Tschechien und die Slowakei einst zu eigenen Währungen. Träte Griechenland aus dem Euro aus, so wäre es ein Land unter Dutzenden mit dieser Erfahrung. Länder, von denen sich die meisten unmittelbar erholt haben.

Kirche in Prag.
Legende: Währung für Prag: Aus der tschechoslowakischen wurde 1993 die tschechische Krone. Keystone

«Ich war nervös, weil ich verantwortlich war. Und Verantwortung wiegt immer schwer.» So beschreibt Pavel Kysilka den Januar 1993 im Interview mit «ECO». Der heute 56-Jährige war Direktor der Tschechoslowakischen Nationalbank, als die Tschechen und die Slowaken beschlossen, aus der Tschechoslowakischen Krone auszusteigen und eigene Währungen einzuführen.

Ein immenses Unterfangen: Allein auf tschechischer Seite waren laut Kysilka 40‘000 Personen für die Abwicklung dieses Wechsels eingesetzt. Und: «Wir mussten sehr viele Unternehmen und Institutionen einladen: kommerzielle Banken, Poststellen, die Armee, die Polizei, das Finanzministerium, die Zentralbank – 10 bis 15 Institutionen waren involviert.»

Tabelle
Legende: Beispiele anderer Länder: BIP-Entwicklung im Jahr des Exits (PDF s. rechts). Oxford Economics

Um Bank Runs und Angriffe von Spekulanten zu verhindern, waren Schnelligkeit und der Überraschungseffekt die obersten Gebote. «Zuerst wurden die alten Kronen mit geheim vorbereiteten Stempeln entweder als slowakisch oder tschechisch markiert», erinnert sich Pavel Kysilka. «Dann kamen die neuen Geldscheine auf den Markt.»

Der Währungsausstieg glückte. Zwar schrumpfte die Wirtschaft der Slowakei und Tschechiens im Jahr der Währungsspaltung, sie legte dann aber zu.

Sofortiges Wachstum nach Exit

Dieser Exit ist einer von Dutzenden Währungsaustritten, die Länder seit 1945 vollzogen haben. Eine Studie von Oxford Economics spricht von rund 70 Staaten. Darunter sind viele asiatische und afrikanische Staaten, die in den 1950er- bis 1970er-Jahren ihre Unabhängigkeit erlangten und in der Folge eigene Währungen einführten, sowie Länder, die aus dem Ende der UdSSR hervorgingen. Die Untersuchung legt den Fokus auf das Wirtschaftswachstum dieser Staaten kurz vor dem Exit, im Jahr des Währungsaustrittes sowie in jenem danach.

Die Ergebnisse: In einigen Ländern führte der Abschied von der Währungsunion zu einem vorübergehenden Wirtschaftseinbruch von 20 Prozent und mehr – so in Bosnien oder in Kroatien, wo Kriege bedeutend zur Verschlechterung der Wirtschaftslage beitrugen. Zwei Drittel der Länder verzeichnete aber von Beginn an ein Wirtschaftswachstum. Im Fall von Katar, Singapur und Israel gar 10 Prozent und mehr. Im Mittel wuchs die Wirtschaft im Jahr des Austritts um 2,7 Prozent, im Jahr danach um 3,2 Prozent.

Legende: Video Pavel Kisilka zu einem möglichen «Grexit» abspielen. Laufzeit 01:11 Minuten.
Aus ECO vom 22.06.2015.

«Der einzige Weg»

Nach dem Währungsausstieg in seiner Heimat verantwortete Kysilka als Berater des Internationalen Währungsfonds den Ausstieg von fünf Ex-UdSSR-Staaten aus dem Rubel. Zu einem möglichen «Grexit» sagt er: «Wenn die Griechen nicht bereit sind für sehr schmerzhafte Massnahmen, dann ist eine eigene Währung der einzige Weg, um die schwache Performance und Probleme hinter sich zu lassen.»

Es reiche allerdings nicht aus, die nationale Währung abzuwerten. «Daneben braucht es eine harte Geld- und Fiskal- und Lohnpolitik. Dann kann ich mir vorstellen, dass Griechenland wieder zu Wachstum findet und floriert.»

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

12 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Ursula Morf, Thun
    Jede Wette, dass Griechenland weiter Steuergelder von anderen Staaten bekommt, um Schulden zurückzuzahlen. Wie es den griechischen Bürgern geht, interessiert die politische Kaste keinen Deut. Aus reinen Machtgründen und weil es so in der Agenda steht, wird Griechenland nie und nimmer aus den Fängen von EU und Euro entlassen werden. So sieht es aus auf dem armen alten Europäischen Kontinent im Jahre 2015.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Ich finde den Beitrag schlecht, da aus dem Zusammenhang gerissen. Das nachfolgende Interview mit Herrn Wellershoff fehlt leider. Mann kann die damalige Situation in der damaligen Tschechoslowakei nicht mit GR vergleichen. Bürokratie, Korruption, u. Unfähigkeit die Staatsstrukturen zu reformieren sind der Grund der Probleme - ähnlich wie in Argentinien. So lange hier nicht effektiv angesetzt wird, kann vom eigenen Volk kaum erwartet werden die Situation in den Griff zu bekommen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von D. Schmidel, St. Gallen
    Heilung braucht die EU in erster Linie. Der grösste Versager ist dabei der deutsche Finanzminister, der immer noch glaubt, mit strenger Mine Südstaaten erziehen zu können. Er ist billigstem jahrelangem EU-Populismus erlegen und dies bis zum bitteren Ende.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen