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Hohe Fleischqualität Schweizer Schweine sind ein Exportschlager

Die Konsumenten essen immer weniger Schweinefleisch. Dabei sind Schweizer Schweine bei Züchtern im Ausland sehr begehrt.

Legende: Audio Sperma von Schweizer Schweinen ist begehrt abspielen. Laufzeit 04:11 Minuten.
04:11 min, aus Echo der Zeit vom 07.12.2018.

Alois Bucher, Labormitarbeiter der Prüfstation in Sempach, püriert Schweinefleisch und legt es auf die Messstation. Mit Infrarot wird das Fleisch durchleuchtet, der Computer zeigt Messwerte an. Besonderes Augenmerk gilt dem Fettanteil.

Schweinefleischprobe
Legende: Es sieht aus wie hellrosa Eis, ist aber rohes Fleisch. SRF/Denise Schmutz

Auf dem Bildschirm steht zwei Prozent. «Das ist, was der Konsument will.» Fett sei Geschmacksträger und sehr wichtig. Früher legten die Fleischzüchter den Fokus auf möglichst wenig Fett, der Anteil lag bei etwa 0,5 Prozent. Doch so wurde das Fleisch zu zäh.

Schweizer Schweine sind begehrt

Heute setzt die Suisag von allem auf den «intramuskulären Fettgehalt». Geschäftsführer Matteo Aepli erklärt an einem rohen Stück Fleisch, was damit gemeint ist: «Wir sehen diese feine Marmorierung bei den Steaks. Das führt zu einem optimalen Geschmack.»

Seit rund 50 Jahren tüftelten sie am Fettgehalt des Fleisches, sagt Suisag-Chef, einer Tochterfirma des Verbandes der Schweizer Scheweineproduzenten Suisseporc. Der Fettgehalt und die Erkenntnisse der übrigen Messungen im Labor fliessen ständig ins Zuchtprogramm ein.

Jene Tiere mit den besten Werten werden für die Züchtung weiterverwendet. Also jene, die etwa besonders zartes Fleisch mit dem besten Fettanteil geliefert haben. Doch nicht geschlachtete, auch lebende Tiere werden genau untersucht.

Aepli zeigt die rund 20 Eber im Stall nebenan. Ihr Gesundheitszustand werde ständig bewertet. «Die besten Eber werden einmal im Monat ausselektiert und kommen auf unsere Station. Dort wird das Sperma der Tiere gewonnen. Das kommt dann wieder in die Zucht rein.»

Aepli bei seinen Schweinen im Stall.
Legende: Aepli bei seinen Schweinen im Stall. SRF/Denise Schmutz

Das Sperma dieser besten Tiere wird nicht nur für die Zucht in der Schweiz verwendet, sondern auch ins Ausland verkauft. Vor allem in die EU und seit letztem Jahr auch nach Russland. Die ausländischen Züchter schätzten am Schweizer Erbgut nicht nur die bessere Qualität des Fleisches, sondern auch, dass die Tiere gegen gewisse Schweinekrankheiten resistent sind.

Hinzu kommt, dass die Mutterschweine, welche Ferkel gebären sollen, wenig Angst vor Menschen haben und meistens alle Jungtiere mit der eigenen Milch durchfüttern können.

Werden die Exporte zum Bumerang?

Schweizer Erbgut im Ausland, das freut in der Branche nicht alle. Gewisse Schweinezüchter befürchten, dass hervorragendes ausländisches Schweinefleisch in Zukunft auf den Schweizer Markt kommen und das Schweizer Schweinefleisch konkurrenzieren könnte.

Aepli winkt ab. Ins Ausland exportiert würden vor allem Rassen für die Produktion von Mutterschweinen. Der Export von Rassen mit Fokus auf Fleischqualität mache nur knapp 10 Prozent des gesamten Umsatzes mit Exportprodukten aus.

«Wir haben ein paar Partner in Nischen. Das kommunizieren wir auch in der Schweiz.» Es handle sich um regionale Labels, denen es nicht darum gehe, grosse Mengen an Fleisch zu produzieren oder sogar zu exportieren. «Zudem haben wir das Zepter in der Hand und können den Export wieder abstellen.»

Export soll angekurbelt werden

Überhaupt mache dieser erst etwa vier Prozent des Umsatzes aus. Denn während die Suisag in der Schweiz Marktführerin sei, sei der Wettbewerb weltweit sehr gross. «Wir messen uns mit riesigen Unternehmen – in Europa, aber auch in Südamerika oder in Russland.»

Dennoch versuche die Suisag international noch stärker zu wachsen. Vor allem weil es in der Schweiz Jahr für Jahr weniger Schweineproduzenten gebe, sagt Aepli: «Die Exporte in die EU, aber auch in andere Länder helfen uns, das Schweizer Zuchtprogramm zu finanzieren, weiterzuentwickeln und wettbewerbsfähig zu halten.»

Deshalb wolle die Suisag nicht darauf verzichten. In Zukunft dürfte also noch deutlich mehr Sperma von Schweizer Schweinen ins Ausland verkauft werden.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Anita Rusterholz (Anita Rusterholz)
    Dass weniger Schweinefleisch in der Schweiz gegessen wird hat sicher einen wahren Grund. In der Schweiz findet schon lange ein Umdenken statt. Schweine zusammengepfercht in ihren Abteilen, ohne frische Luft, ohne je Tageslicht gesehen zu haben - nein, da vergeht einem der Appetit. Allen Tieren soll es gut gehen. Glückliche Schweine in intakter Natur gibt es immer weniger. Wiese und Wald wäre der richtige Lebensraum für diese herzigen und intelligenten Tiere.
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  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    Das darf nicht sein. Wir haben Gewässer und Luftverschmutzung durch Gülle, damit die Fleischproduzenten Profit machen können. Und dann tischen sie uns die Lüge auf, es gehe um unsere Versorgungssicherheit. Sie sollen für die Verschmutzung zur Kasse gebeten werden und noch besser, schleunigst damit aufhören.
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  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Und wer gleich 2 Fliegen auf einen Schlag ernähren will der sollte Wälder pflegen auf dem die schönsten Eichen und der beste Schweineschinken zugleich wächst. Die Eicheln sind das beste Schweinefutter. Da verkauft man zuerst die Schweine und dann das Holz. Man nennt das auch Hutewald... Und die Umwelt hat auch noch Freude. Reguliert den Wasserhaushalt und den Hunger, es gibt immer Lösungen. www.hutewald-basdorf.de/
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    1. Antwort von Charles Halbeisen (ch)
      Schweinemast belastet das Grundwasser. Besonders in Hitzeperioden ohne Regen ist das Trinkwasser gefährdet. Da gibt es Null Spielraum für Fleischexport.
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    2. Antwort von Anita Rusterholz (Anita Rusterholz)
      Guter Hinweis. Hutewälder gab es vor der menschlichen Ansiedlung. Und die wenigen, die es noch gibt, stehen unter Naturschutz. Der Mensch könnte den Tieren Gestohlenes zurückgeben, indem er schönste Landschaften - anstelle Zersiedelung - durch Eichenhaine, Laubbäume ersetzt. Nicht Profitdenken, Desinteresse und Dummheit sorgen für eine intakte Natur. Sorgen wir für den bitter nötigsten Lebensraum aller Tiere, leider ohne die, die bereits ausgestorben sind. Abholzung und Gifte zerstören die Welt.
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