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Petra Schmid, Arbeitspsychologin: «Bleiben Sie nicht im Pyjama»
Aus News-Clip vom 11.03.2020.
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Homeoffice wegen Coronavirus «Die unklare Perspektive kann Stress auslösen»

Petra Schmid, Expertin für Arbeitspsychologie an der ETH Zürich, zu Risiken und Nebenwirkungen von Homeoffice-Arbeit.

Immer mehr Unternehmen führen wegen der Ausbreitung des Coronavirus Homeoffice ein. Das Arbeiten zu Hause kann seine Tücken haben. Arbeitspsychologin Petra Schmid gibt Empfehlungen.

Petra Schmid

Petra Schmid

Professorin für Arbeitspsychologie

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Nach ihrem Lizentiat in Psychologie an der Universität Bern im Jahr 2006 promovierte Petra Schmid 2009 in Arbeitspsychologie am Institut für Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Neuenburg. Zurzeit ist sie Assistenzprofessorin an der ETH Zürich im Departement Management, Technologie und Ökonomie.

SRF News: Was löst es bei Mitarbeitenden aus, wenn sie statt im Büro mit ihren Kollegen auf einmal die Arbeit allein im Homeoffice verrichten müssen?

Petra Schmid: Wenn der Austausch mit den Arbeitskollegen fehlt, kann man sich isoliert und einsam fühlen. Und es fehlt eine wichtige Motivations- und Inspirationsquelle.

Und es ist noch unklar, wie lange die Ausnahmesituation anhält.

Die unklare Perspektive kann Stress auslösen. Wir haben es lieber, wenn wir wissen, wie sich eine Situation weiterentwickelt und was auf uns zukommt. Diese Ungewissheit kann die Arbeitsleistung beeinträchtigen.

Haben Sie Tipps und Tricks für Homeoffice-Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen?

Ich würde auf jeden Fall den Wecker zur selben Zeit stellen wie sonst auch. Nicht im Pyjama bleiben, sondern sich chic anziehen. Das kann helfen, in den Arbeitsmodus zu gelangen. Hilfreich ist zudem, eine To-do-Liste zu erstellen, damit man weiss, wie der Tag ablaufen soll und welche Ziele man hat. Entsprechend soll man die Liste auch abarbeiten.

Arbeiten die Leute im Büro effizienter oder ist die Ablenkungsgefahr im Homeoffice grösser?

Beides ist möglich. Es gibt Leute, die zu Hause besser arbeiten können, weil sie dann fokussierter sind und so richtig in ihre Arbeit eintauchen können. Andere werden Mühe haben, sich zu konzentrieren, weil das gewohnte Arbeitsumfeld fehlt.

Wie kann ein Unternehmen die Homeoffice-Arbeit der Mitarbeitenden unterstützen?

Es hilft, wenn das Unternehmen die Aufgaben, Ziele und Deadlines bestimmt. So wissen die Mitarbeitenden genau, was von ihnen erwartet wird. Zudem können die Firmen den Austausch unter den Mitarbeitenden mit Online-Meetings fördern, damit der Informationsfluss weiterhin gut funktioniert und offene Fragen geklärt werden können.

Viele Unternehmen kontrollieren die Anwesenheit und den Arbeitsfortschritt der Homeoffice-Mitarbeitenden per Software. Was ist davon zu halten?

Das kann für die Betroffenen ein Motivationskiller sein. Wenn sie sich kontrolliert fühlen, beeinflusst dies das Wohlbefinden negativ. Und sie hören mit der Arbeit auf, wenn das Soll erfüllt ist. Wenn die Kontrolle fehlt, wird eher gearbeitet, bis die Aufgabe erfüllt ist. Motivierte Leute leisten dann sogar eher mehr als sie eigentlich müssten.

Das Gespräch führte Matthias Pfander.

10 vor 10, 09.03.2020, 21.50 Uhr; srf/pfam

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Ringo Noki  (Rinok)
    Es sind weniger Leute im Zug unterwegs, aber mehr Huster. Wie kommen die dazu, sich einfach über die überall deutlich kommunizierten Massnahmen des Bundes hinweg und sich hustend in ein öffentliches Verkehrsmittel zu setzen, und dann erst noch ohne wenigstens die Hand vor dem Mund herauszuhusten, wenn jemand gegenüber sitzt, der über 60 ist und zur Arbeit fahren muss!? Wie lange kann das öffentliche Leben angesichts solcher mangelnder Disziplin und Respekt aufrecht erhalten bleiben?
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  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Ev. sollte man weniger Arbeitspsychologen mit TeamOffice befragen, sondern Homeworker, welche schon lange im Verbund mit der globalen Gemeinschaft Grossprojekte von zu Hause aus stemmen, ohne dafür Kerosin zu verbrauchen, die Strassen zu verstopfen, in Ballungsräumen Stress zu verursachen, aber nebenbei her Zeit für LokalSoziales und Familie aufbringen können, die andere beim Pendeln verplempern. HomeOffice kann viele Probleme ent- und den Blick aufs Wesentliche schärfen.
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    1. Antwort von Kari Raeschter  (K. Raeschter)
      Stimme da voll zu. Anstatt das Positive bei HomeOffeic im Hinblick auf die aktuelle Krisen-Situation hervorzuheben, schürt man noch Richtung Negatives. Aber es ist wieder einmal typisch für Theoretiker und Psychologen. Ich selber finde das HomeOffice sehr gut und vor allem ist man so auch viel flexibler bezüglich Privat/Geschäft.
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  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    Beim Lesen der Aussagen der Arbeitspsychologin Petra Schmid blieb mir nichts anderes, als den Kopf zu schütteln. Wer in Zeiten des Corona-Virus im Home-Office arbeiten kann, ist privilegiert - im Gegensatz zu all den Arbeitenden, die aufgrund ihres Jobs Tag für Tag das Risiko eingehen, hustende und niesende Kunden vis-à-vis zu haben oder über Gegenstände angesteckt zu werden. Und nun macht sich Petra Schmid tatsächlich Gedanken zum Stress, den die Home-Office-Privilegierten empfinden könnten ...
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    1. Antwort von Andreas Würtz  (Andhrass)
      Naja, genau dazu wurde sie ja interviewt...
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