Zum Inhalt springen

Header

Video
Umfrage: Arbeitnehmende wollen mehr Homeoffice
Aus Tagesschau vom 26.05.2020.
abspielen
Inhalt

Homeoffice wegen Coronavirus Was der Arbeitgeber bezahlen muss – und was nicht

Fast ein Drittel der Beschäftigten arbeitet von zu Hause aus – verordnet vom Chef. Normalerweise darf er das nicht, doch in Zeiten der Coronakrise ist das anders. Der Arbeitgeber muss dafür sorgen, dass die Vorgaben des Bundesrats und des Bundesamts für Gesundheit (BAG) eingehalten werden.

Aber wer bezahlt für das Arbeitsmaterial? Wer für den Internetzugang oder den Computer? Und ist das private Arbeitszimmer steuerlich absetzbar? Die wichtigsten Fragen beantworten Isabelle Wildhaber, Professorin für Arbeitsrecht an der Universität St. Gallen und Pascal Hinny, Professor für Steuerrecht an der Universität Freiburg.

Muss ein Arbeitnehmer für Computer und Drucker aufkommen?

Isabelle Wildhaber: Wenn ein Arbeitnehmer freiwillig im Homeoffice arbeitet, muss sein Arbeitgeber ihn nicht entschädigen. Derzeit müssen die Arbeitgeber Homeoffice verordnen, weil die Gesundheitsvorsorge dies so verlangt. Im Grundsatz muss der Arbeitgeber dafür aufkommen. Gleichzeitig gilt in dieser aussergewöhnlichen Lage eine Treuepflicht der Arbeitnehmer. Das heisst, ein Arbeitgeber muss nicht für Laptop und Drucker aufkommen, wenn diese bereits zu Hause vorhanden sind.

Wie sieht es mit der Miete aus?

Isabelle Wildhaber: Wenn das Homeoffice im absoluten Interesse des Arbeitgebers ist, dann wäre es allenfalls denkbar, dass ein Teil der Miete übernommen werden kann. Ich denke nicht, dass der Arbeitgeber etwas an die Miete bezahlen muss, einfach so. Das dürfte nur in Ausnahmefällen gewährt werden. Im Regelfall wird ein Arbeitnehmer also nicht darauf pochen können, dass der Arbeitgeber die Mietkosten mitfinanziert.

Gibt es weitere rechtliche Fragen, die sich stellen?

Isabelle Wildhaber: Die Corona-Situation wirft nicht nur Entschädigungsfragen auf. Der Arbeitgeber muss die Arbeitszeit erfassen oder den Gesundheitsschutz kontrollieren. Ferner stellen sich sozialversicherungsrechtliche Fragen, zum Beispiel, wenn ein Arbeitnehmer zu Hause beim Gang auf die Toilette stürzen sollte. Es stellen sich hier viele Umsetzungsprobleme.

Kann das Arbeitszimmer von der Steuer abgezogen werden?

Pascal Hinny: Ein solcher Abzug ist nur möglich, wenn ein Arbeitnehmer darauf angewiesen ist, regelmässig einen wesentlichen Teil seiner Arbeit in eigenen Räumen zu verrichten, weil der Arbeitgeber nicht genügend Räume zur Verfügung stellt oder deren Benutzung (etwa aus gesundheitlichen Gründen) nicht zumutbar ist. Die Ausübung von Arbeit im Homeoffice auf freiwilliger Basis erlaubt in der Regel keinen Steuerabzug, da dies oft aus Annehmlichkeitsgründen und nicht aufgrund fehlender Infrastruktur oder Unzumutbarkeit am Arbeitsort gewählt wird.

Wie ist die Situation, wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer entschädigt?

Pascal Hinny: Berufsauslagen können vom Steuerpflichtigen nur dann als Abzug geltend gemacht werden, wenn sie nicht bereits vom Arbeitgeber getragen wurden. Die Pflicht zur Übernahme der Kosten durch den Arbeitgeber richtet sich nach den arbeitsrechtlichen Bestimmungen zum Auslagenersatz. Eine solche Verpflichtung besteht gemäss jüngster arbeitsrechtlicher Rechtsprechung jedoch nur dann, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer am Geschäftsort keinen geeigneten Arbeitsplatz zur Verfügung stellt.

Tagesschau, 26.05.2020, 19:30 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Was war eigentlich zuerst das Home oder das Office. Gerade Heutzutage gibt es schon alle Lösungen nur wir sehen sie all zu selten. https://youtu.be/1IKckpGFGxA
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Erich Deiss  (Erich Deiss)
    Und die wegfallenden Auslagen für den Arbeitsweg und das auswärtige Essen werden entsprechend gekürzt. Der Schrei nach mehr Abzügen könnte deshalb bald verstummen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Günter Wagner  (Gwa)
      Völlig richtig, Hauptsache man kann etwas bei der Steuer abziehen oder vom Arbeitgeber fordern...
      Die gesparten Kosten für den Arbeitsweg und Verpflegung sollten in solchen Fällen dann als zusätzliches Einkommen versteuert werden!
      Seid doch froh, dass ihr einen Arbeitsplatz im Homeoffice habt, anders als die Beschäftigten in vielen anderen Branchen, die entweder arbeitslos oder auf Kurzarbeit sind.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Lily Mathys  (Alle vergeben)
    Wenn der AG keinen Arbeitsplatz zur Verfügung stellt, ist er verpflichtet, 150CHF zu bezahlen als Ersatz für ein Zimmer laut BGer 4A_533/2018 Urteil, 23. April 2019. Ob das aufgrund einer behördlichen Anweisung gilt, weiss ich nicht. Denn die meisten hatten einen Platz vor Ort. Wenn nichts auf dem Lohnausweis (Entschädigung) steht, würde ich zumindest einen Abzug bei Steuern versuchen. Mehr als ablehnt kann er nicht werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen