Zum Inhalt springen

Header

Audio
Gewinne auf dem Buckel der Mieterinnen und Mieter?
Aus Echo der Zeit vom 26.02.2021.
abspielen. Laufzeit 04:07 Minuten.
Inhalt

Immobilienfirmen und Corona Sind die Immobilienkonzerne zu geizig mit ihrer Mieterschaft?

Trotz guten Gewinnen: Immobilienkonzerne gehen vor allem im zweiten Shutdown nicht zimperlich mit ihren Klienten um.

PSP Swiss Property spricht von einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2020 und will die Dividende erhöhen. Allreal meldet ein erfreuliches Jahresresultat trotz Corona. Und der grösste börsenkotierte Immobilienkonzern Swiss Prime Site SPS verzeichnet einen stabilen Gewinn von gut 600 Millionen Franken.

Und dies, obwohl alle grossen Immobilienunternehmen vor allem Büro- und Geschäftshäuser, Shoppingcenter Fitness-Center und Restaurants besitzen und vermieten. Ihre wichtigste Einnahmequelle neben den Büros sind also die Geschäftsmieten, die bei der vom Shutdown betroffenen Klientel anfallen.

Branche verzichtete auf ein bis vier Prozent

In der ersten Corona-Welle letzten Frühling senkte SPS in rund 500 Fällen die Mieten für Geschäftsräumlichkeiten um 13 Millionen Franken. Allreal erliess seinen Mietern 1.5 Millionen, PSP Swiss Property verzichtete laut Finanzchef Reto Grunder auf 4.6 Millionen Franken: «Es sind vor allem Hotels, Restaurants, Fitnesscenter und Barbetriebe, die einen Grossteil der 4.6 Millionen ausmachen.»

Die Mietzinserlasse waren für die Konzerne verkraftbar. Es waren ein bis vier Prozent der gesamten Mieteinnahmen. Sie wurden vor allem im ersten Shutdown gewährt.

Es wird blockiert und unter Androhung von Betreibung und Kündigungen die volle Miete verlangt.
Autor: Armin ZuckerVerband der Geschäftsmieter

Jetzt aber stapeln sich Beschwerden von Gastronomen und Ladenbesitzerinnen bei Rechtsanwalt Armin Zucker. Der Mietrechtsexperte ist Direktor des Verbandes der Schweizer Geschäftsmieter: «Im zweiten Shutdown gibt es eine ganz klare Tendenz: Die grossen Immobilienfirmen lehnen Herabsetzungsgesuche ab. Es wird blockiert und unter Androhung von Betreibung und Kündigungen die volle Miete verlangt.»

Härtefallgelder als Stolperstein?

Dies stimme nicht ganz, antwortet SPS-Chef René Zahnd: Sein Unternehmen habe in der zweiten Welle erneut 170 Gesuche für Mietzinserlasse bekommen und suche nun mit den Mietern Lösungen.

Wir sind ja auch nicht einfach ein Wohltäter.
Autor: René Zahnd:CEO Swiss Prime Site SPS

Allerdings könnten die Mieter jetzt – im Unterschied zur ersten Welle – von Härtefallgeldern profitieren. Also von staatlichen Beiträgen für die Unternehmen, die wegen Corona schliessen mussten oder grosse Umsatzeinbussen erlitten. Dazu sagt Zahnd: «Wir sind ja auch nicht einfach ein Wohltäter. Letztlich muss der Mieter auch mit uns zusammenarbeiten wollen und offenlegen, ob er Härtefallhilfen erhalten hat. Auf dieser Basis versuchen wir dann, eine Lösung zu finden.»

Die Härtefallgelder deckten nur einen Teil der Kosten der Geschäftsmieter, kontert Zucker. Besser sei die Lösung in den Städten Basel, Bern, Zürich und im Kanton Genf: Dort finanziert die öffentliche Hand ein Drittel der Mietzinserlasse, wenn sich Mieter und Vermieter freiwillig einigen.

Drittelslösung als Ausweg?

Swiss Prime Site biete Hand zu dieser Lösung, betont Zahnd von SPS. Konkurrent PSP Swiss Property lehnt Mieterlässe nach dem Drittelsmodell ab, wie die Medienstelle bestätigt.

Sehr zum Ärger von Zucker: «Da kämpfen die kleinen und mittleren Unternehmen ums Überleben, und die Grossimmobilienfirmen machen selbst im Krisenjahr noch Zugewinne und schütten höhere Dividenden aus.»

Doch ganz so schwarz-weiss ist es wohl doch nicht. Natürlich trifft es vorab die einzelnen Geschäfte, Hotels und Restaurants, wenn sie wegen der zu hohen Mietlasten aufgeben müssen. Aber auch die Immobilienbesitzer haben ein Interesse daran, dass ihre Mieterschaft weitermachen kann. Trotzdem scheinen sie diese recht hart anzufassen.

Echo der Zeit, 26.02.2021, 18:00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

52 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Paul Wagner  (päule)
    ähm, fängt SRF jetzt an, Kommentare zu löschen? Drum nochmal.
    Die Immobilienkonzerne/Vermieter sind die Kriegsgewinnler der Covid-Pandemie. Es ist unmoralisch in einer Krise sich nicht solidarisch zu zeigen und stattdessen die eigenen Gewinne maximieren zu wollen.
    Und dass die bürgerliche Allianz im Nationalrat das Geschäftsmieten-Gesetz bachab geschickt hat, ist der grosse Sündenfall des Parlaments in dieser Pandemie.
    Ich bitte alle Wähler, sich bei den nächsten Wahlen daran zu erinnern.
  • Kommentar von Hans Peter Bruppacher  (Hans Peter Bruppacher)
    Auch die SRG beziehungsweise SERAFE sollte nicht geizig mit den Gebührenzahlern sein. In Härtefällen sollte auch die reiche SRG die Gebühren erlassen. Gemäss www.srgssr.ch werden Löhne bis zu 530 000 Franken gezahlt. Die Politiker sollten die Gesetzte entsprechend anpassen.
  • Kommentar von markus ellenberger  (ELAL)
    Ist ja logisch das Investoren nicht auf ihr geld verzichten wollen.