In Miami wird wieder gebaut

Die USA erholen sich von der Immobilienkrise. Die Preise für Häuser und Wohnungen steigen sogar wieder. Auch in der Innenstadt von Miami. Doch wie nachhaltig ist der Boom?

Eine Baustelle in Miami, Hochhäuser im Hintergrund, ein Baukran. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das lateinamerikanische Geld fliesst: In Downtown Miami, wie hier an der Brickell Avenue, wird gebaut. Reuters

«Miami wächst sehr, sehr schnell!», sagt Fernando Figueredo, Mediensprecher der Stadtverwaltung von Miami im US-Bundesstaat Florida. Und tatsächlich: Wohin man auch schaut, Downtown Miami – die Innenstadt – ist übersät mit Baukränen und Baustellen. Zwischen den Hochhäusern wird gehämmert, gebaggert und gebohrt.

Die Immobilienkrise war zwar auch im Zentrum von Miami spürbar. Aber anders als in gewissen Vororten der Stadt und anderen Gegenden Floridas dauerte die Krise hier nur kurz. Rund 30'000 Eigentumswohnungen fanden 2008/2009 keine Käufer. Schon drei Jahre später waren diese Wohnungen weg, verkauft. Seither wird wieder gebaut.

Viele Wohnblöcke wirken unbewohnt

Carlos Gimenes ist Miamis Bürgermeister. Er will von einer neuen Spekulationsblase nichts wissen. Man habe dazugelernt, behauptet er: Heute müsse man mindestens die Hälfte der Kaufsumme selber bezahlen. Ein Bankkredit allein reiche nicht mehr.

Viel hat sich in den letzten Jahren verändert: In der Stadt gibt es mehr Cafés, mehr Restaurants, mehr Leben. Doch wenn es Nacht wird in Miami, gehen nur in wenigen der vielen Apartments die Lichter an. Das fällt auch einigen Passanten auf.

Nur vereinzelt sehe er Licht in den riesigen Wohnblöcken, sagt ein Mann aus Boston. Er wundere sich, was da los sei. Höchstens ein Viertel der Wohnungen seien bewohnt, schätzt eine Touristin aus Kanada. Und ihr Gatte fügt an: «Ziemlich leer sieht das aus.»

Sichere Anlageobjekte für reiche Latinos

Tadd Schwartz vom Miami Stadtmarketing sagt, der Eindruck täusche. Die Eigentumswohnungen seien bewohnt – und vor allem seien sie bezahlt. Oft von ausländischen Investoren. Reiche Leute aus ganz Lateinamerika kauften die Eigentumswohnungen in den Hochhäusern, weil sie die Kultur und das Wetter in Miami anziehe. Aber auch, um Fluchtgelder zu investieren.

Einen Teil des Vermögens in Miamis Immobilien zu parkieren ist eine Anlagestrategie, die für die Reichen aus politisch instabilen Ländern Lateinamerikas Sinn macht. Es ist in der Regel legal, solange das Fluchtgeld in den Heimatstaaten versteuert wird. Nur: Ob dies bei den Wohnungskäufern immer der Fall ist, weiss niemand.

Zeiten der grossen Drogenbosse sind passé

Die US-Behörden haben den Datenaustausch mit den ausländischen Steuerbehörden zwar verbessert, aber nicht mit allen Ländern Lateinamerikas funktioniert er reibungslos. Und dann ist da auch noch die Frage, wie sauber das Geld ist. Tadd Schwartz ist überzeugt: «Die Siebziger- und Achtzigerjahre, als die Kokain-Cowboys Miami unsicher machten, sind vorbei.» Heute gilt: Hauptsache, das Geld ist da.

Und das, sagt Schwartz, mache den Immobilienmarkt stabil. Derzeit suchen die Baukonsortien vor allem in Asien Investoren. Damit der Boom auch dann anhält, wenn die Käufer aus Brasilien, Venezuela oder Argentinien einmal ausbleiben sollten.