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Staatlich empfohlene Weiterbildung
Aus Rendez-vous vom 28.10.2019.
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Integration statt Sozialhilfe Zürich finanziert Weiterbildungen für Geringqualifizierte

Geringqualifizierte landen oft auf dem Sozialamt. Zürich will ihnen neu eine Weiterbildung bezahlen – um Geld zu sparen.

Der Handlungsbedarf sei hoch, sagt der Stadtzürcher Sozialvorsteher Raphael Golta. In den letzten 30 Jahren habe sich nicht nur in Zürich, sondern in der ganzen Schweiz gezeigt, dass Leute mit geringen Qualifikationen besonders hohe Hürden im Arbeitsmarkt hätten.

Golta sagt, dass Geringqualifizierte häufiger arbeitslos würden. «Sie stellen einen grossen Teil der Sozialhilfebezüger in der Stadt Zürich. Sie verdienen relativ tiefe Löhne, selbst im wirtschaftlich starken Zürich. Und sie profitieren in ihrem Leben kaum von Weiterbildungen.»

Früherkennung für Geringqualifizierte

Genau hier will die Stadt Zürich mit ihrem neuen Projekt ansetzen. Sie will eng mit Schulen, Sozialämtern und Arbeitgebern zusammenarbeiten, um die Geringqualifizierten rascher zu erkennen.

Das können junge Leute sein, die keinen Berufsabschluss haben, Angestellte, die wegen ihrer geringen Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt besonders gefährdet sind und Leute, die Sozialhilfe beziehen und wenig Chancen auf eine neue Stelle haben.

Menschen, deren Existenz gefährdet ist, werden nicht als Erstes selber Geld in die Hand nehmen um sich weiter zu qualifizieren.
Autor: Raphael GoltaSozialvorsteher der Stadt Zürich

Hier gelte es, individuelle Weiterbildungslösungen zu finden, so Golta. Er denkt an Lösungen, die die Stadt Zürich über Stipendien bezahlt. Wenn bekannt sei, was eine sinnvolle Massnahme wäre, dann müsse Zürich auch bereit sein, diese via Stipendium mitzufinanzieren.

«Gerade Menschen, die einen tiefen Lohn haben, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind und deren Existenz gefährdet ist, werden nicht als Erstes selber Geld in die Hand nehmen um sich weiter zu qualifizieren. Das ist auch eine Aufgabe des Staates.»

Die Stadt Zürich will in einer ersten Phase einen Betrag von gut fünf Millionen Franken dafür in die Hand nehmen. Dass der Staat mit Stipendien Weiterbildungen finanziert, ist ein neuer Ansatz im Schweizer Stipendienwesen.

Christoph Eymann, Präsident der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (Skos), bezeichnet das Stadtzürcher Engagement als vorbildlich. «Das Projekt bekämpft die Ursachen. Man schaut, ob Leute innerhalb ihrer Berufstätigkeit eine Weiterbildung brauchen, um die notwendige Qualifikation zu erwerben. Das ist beispielhaft, das gibt es so noch nirgends.» Eymann hofft, dass nun weitere Städte einen solchen Ansatz übernehmen und Geringqualifizierte gezielt fördern.

Eine Million pro reintegrierter Person

Weniger reiche Städte und Gemeinden können sich das allerdings kaum leisten. Doch SP-Nationalrat Matthias Aebischer, Präsident des Schweizerischen Verbandes für Weiterbildung, findet, sie müssten es sich leisten um auf lange Sicht dann Geld zu sparen. «Jeder Sozialhilfebezüger, den man dank Weiterbildung mit 25 wieder in die Arbeitswelt integriert und der danach bis 65 arbeiten kann, spart der Gemeinde eine Million.»

Nun müsse aber auch der Bund seinen Beitrag dazu leisten, so Aebischer. Heute finanziert der Bund den gesamten Weiterbildungsbereich nämlich erst mit sieben Millionen Franken. Anfang nächsten Jahres legt Bildungsminister Guy Parmelin die Bundesratsbotschaft zur Förderung der Bildung vor.

Der Bund will sein Budget dafür erhöhen

Aebischer geht davon aus, der Bund darin eine deutliche Erhöhung der finanziellen Mittel für die Weiterbildung bekannt gibt. Die Rede ist von 40 Millionen Franken. Ein Teil davon soll helfen, dass gut 70’000 Geringqualifizierte in der Schweiz einen Weg aus der Sozialhilfe zurück ins Arbeitsleben finden.

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FOKUS: Sozialhilferisiko für über 46-Jährige hat stark zugenommen
Aus 10vor10 vom 22.10.2019.
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18 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Ich breche einen Tabu: viele Lehrbetriebe können keine qualitative Lehrlingsbetreuung bieten. Insb. die KV-Lehre ist in ihrer Inhalt überholt. Ohne WB gelten auch KV-Absolventen nach max. 10Jahren als niedrigqualifiziert. Zudem ist die Allgemeinbildung der KV-Absolventen ganz schlecht. Ohne zusätzlichen Kenntnisse können sie gar nicht vernetzt denken - die höchste Anforderung unserer Zeit! So kommen sie gegen die "Studierten" und Deutschen einfach nicht an. Höchste Zeit zur Reform der KV-Lehre.
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    1. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Ich frage mich, Frau Fitzi, warum in der Schule auf Primarstufe mehrere Sprachen gelernt werden, wo es doch mal ganz gut wäre, sich auf eine wirklich einzulassen. Die Basis sozusagen. Worauf dann solide aufgebaut werden darf. Kenntnisse, wie Sie richtig erwähnen, sind Zusammenwirken von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, wo alle 'Wesensglieder' eines Menschen ineinanderspielen. Diese erfordern eine Kultur des Zeitlassens und Ermöglichens. Zum guten Gelingen braucht es dazu Begeisterung.
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    2. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Sie sehen es aus der Warte von Leuten, die das Zeug dazu haben, eine anspruchsvolle Ausbildung absolvieren zu können. Hier geht es aber mehr um Leute mit geringeren Fähigkeiten, wo man sich überlegen muss, welches hierfür der optimale Weg für einen Beruf in unserer Zeit ist.
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    3. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Frau Kunz: In der Frage der Fremdsprachen auf Primarstufe bin ich völlig bei Ihnen. Zudem ist es ja so, dass ein wachsender Anteil von Kindergärtlern (w/m) selbst die offizielle Sprache der Schweiz als Fremdsprache erlernen muss - obwohl wir davon eine Auswahl haben. Wenn die Gesellschaft dies so gewollt hat, dann müsste das Bildungssystem dieser Tatsache Rechnung tragen. Plus die Sprachgewohnheiten der WhatsApp-Generation tragen auch nicht sonderlich zur Entwicklung der Landessprache bei...
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    4. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Herr Planta: Ob eine Person fähig ist, einen weiterführenden Bildungsgang zu absolvieren, gehört vorerst ermittelt. ich begegne sehr viele Schweizer, auch 50+, die eindeutig befähigt wären, nochmals etwas machen. Sie haben einfach das Selbstvertrauen nicht und sie wissen nicht, wie zu lernen. Das alles müsste das erwähnte Projekt abdecken, sonst verkommt das Angebot zu einer Alibiübung, wie es beim RAV oft zu beobachten ist. Das Projekt müssen Spezialisten in die Hand nehmen.
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    5. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Sorry für die Fehler in jedem Post, ich habe wohl zu schnell meine Gedanken übermitteln wollen. Aber verständlich ist es, finde ich. :)
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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Es gibt zwei wirksame Ansatzpunkte, um das Problem geringqualifizierter Menschen anzugehen, der eine ist jener, den man hier aufzeigt, nämlich Geringqualifizierte zu bilden. Dieser Ansatz ist relativ teuer und nicht sehr effizient. Besser wäre es durch ein gutes Schulsystem schlechte Qualifikationen zu vermeiden und gleichzeitig den Zustrom Geringqualifizierter möglichst zu unterbinden. Diese bringen nämlich weder der Gesellschaft noch der Wirtschaft etwas!
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  • Kommentar von markus von Felten  (mvf)
    Aristoteles sagte "Was man lernen muss, um es zu tun, lernt man, indem man es tut." Ein Ansatz, der noch heute im Learning by doing grosse Wirkung hat. Ich als Hochbauzeichner habe das auch gedacht. Nun aber, ab einem bestimmten Alter, bei mir war es mit 58, bist du plötzlich einfach weg vom Fenster warum? Trotz Weiterbildung war es unmöglich wieder eine Stelle zu finden. War es jetzt das?oder geht das Leben weiter? Der Inländervorrang funktioniert einfach nicht.Als Nachtportier im 4**** Hotel??
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