Zum Inhalt springen
Inhalt

Wirtschaft Japan rutscht überraschend in die Rezession ab

Schlechter Tag für «Abenomics»: Die Wirtschaftspolitik von Japans Regierungschef Shinzo Abe verläuft nicht wie gewünscht. Im nunmehr zweiten Quartal in Folge ist die Wirtschaft des Landes geschrumpft. Japans Wirtschaft ist überraschend in die Rezession gerutscht.

Legende: Video Rezession in Japan abspielen. Laufzeit 00:52 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 17.11.2014.

Wie die japanische Regierung auf vorläufiger Basis bekanntgab, sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen Juli und September um eine hochgerechnete Jahresrate von 1,6 Prozent.

Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer per 1. April von 5 auf 8 Prozent hatte der Wirtschaft bereits im ersten Quartal einen so schweren Dämpfer zugefügt, dass die Wirtschaft um 7,3 Prozent eingebrochen war. Schrumpft eine Wirtschaft wie nun im Falle Japans in zwei Quartalen in Folge, sprechen Volkswirte von einer Rezession.

«Die sparsamen Japaner hatten vor der Erhöhung der Mehrwertsteuer grosse Anschaffungen wie Häuser oder Autos getätigt, um diese Steuer zu sparen», erklärt Journalist Martin Fritz gegenüber SRF. Nach dem April wurden deshalb weniger grosse Anschaffungen getätigt.» Die Mehreinnahmen aus der Steuererhöhung dienten der Finanzierung der Renten und den Sozialausgaben für die alternde Bevölkerung.

Neuwahlen noch im Dezember?

Die meisten Ökonomen zeigen sich überrascht und hatten mit einem Wachstum von gut zwei Prozent gerechnet. Im Vergleich zum vorangegangen Quartal verringerte sich die wirtschaftliche Leistung des Landes um 0,4 Prozent. Die Börse gab in Reaktion auf die unerwartet schlechten Konjunkturdaten deutlich nach.

Damit gilt es nun als wahrscheinlich, dass Regierungschef Shinzo Abe eine ursprünglich für das kommende Jahr geplante weitere Anhebung der Verbrauchssteuer auf zehn Prozent verschieben wird.

Abe kommt erst heute Montag von einer Auslandsreise zurück. Er hatte dieser Tage laut Medien angedeutet, noch im Dezember Neuwahlen anzusetzen. «Das japanische Stimmvolk sollte so darüber abstimmen können, ob die Steuererhöhung verschoben wird oder nicht» so Fritz. Eine Entscheidung wird frühestens für morgen Dienstag gerechnet.

Privater Konsum lahmt

Der Minister für Wirtschafts- und Fiskalpolitik, Akira Amari, begründete die schlechten Wirtschaftsdaten vor allem damit, dass sich die private Nachfrage nicht so erholt habe wie erwartet.

Der private Verbrauch, der in der drittgrössten Volkswirtschaft der Welt zu rund 60 Prozent zum BIP beiträgt, erhöhte sich im zweiten Quartal nur geringfügig um real 0,4 Prozent. Im Vorquartal war der private Konsum noch stark um 5,0 Prozent zurückgegangen. Experten waren von einem Zuwachs um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal ausgegangen.

Yen verliert gegenüber dem Dollar

Investoren reagierten zur Eröffnung der Börsensitzung verschreckt auf die Zahlen: Der Nikkei-Aktienindex in Tokio sank um eineinhalb Prozent. Der Yen fiel im Vergleich zum Dollar auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von S. Sugano, Therwil
    Nicht nur in Japan, auch in der Schweiz ist seit der erhoehung der MwSt. diverse Geschaefte zu grunde gegangen und die Leute sind nicht mehr so Kauffreudig. Auch ich und meine Famile, gehen kaum noch Auswerz essen oder gehen in Shopping Centern. Wir bestellen im Internet teils auch ueber Internationale Haendler und Achten was fuer hier Kaufen. So sieht die Realitaet aus bei einer erhoehung einer MwSt. Welt weit. Weniger MwSt. mehr Kaufkraft, da braucht man kein BWL Stutdieren.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    So überraschen ist der Rutsch in eine Rezession nicht. Jede Gesellschaft mit einer Geburtenquote von weniger als 2.1 führt zu einer Überalterung und erfährt somit m.E. früher oder später eine Rezession. Mit der Finanzierung der Altersfinanzierung via Steuern hat Japa zwar einen besseren Weg gewählt als unsere 2. und 3. Säule, aber mit der MWSt. anstelle einer Gewinn- oder Einkommenssteuer haben sie gerade einen Rezessionsförderer ins Laufen gebracht. Schade für Japan.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Haener, Büsserach
    Überraschend.?! Keine Pflanze, kein Tier, kein Mensch wächst unendlich, alles in der Natur wächst nur bis zu einer optimalen Grösse, ist dies den so schwer zu verstehen.?! Dieser Pseudo-Wettbewerb, basierend auf einer Pseudo-Wissenschaft und die damit verbundene Unbelehrbarkeit und Ignoranz ist langsam aber sicher unerträglich. Kooperation heisst das Wort.., möglicherweise muss man auch noch jedem einzelnen dieser Ignoranten die Bedeutung dieses Wortes erklären.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Simon Müller, Frauenfeld
      Genau. Der Leser soll sich vorstellen, sechs Freunde spielen Monopoli und ein Mitspieler übernimmt die Bank. Die Bank leiht allen fünf Spielern das Startkapital und verlangt jedes Mal, wenn ein Spieler über Start geht, 5% des verliehenen Geldes an Zinsen anstatt Geld zu geben. In der nächsten Runde wieder 5% plus 5% der 5% wegen dem Zinseszins. Wie lange würden sie dieses Spiel spielen? Plakativ funktioniert so unser System für 99% der Bevölkerung.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen