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Wirtschaftsnahes US-Kabinett Josef Ackermann: Trump-Regierung könnte zum Vorbild werden

Für den Schweizer ist die US-Regierung ein Experiment. Er ist ein Bindeglied zwischen ihr und russischen Oligarchen.

Legende: Video Die USA und russische Oligarchen: Insider Josef Ackermann spricht abspielen. Laufzeit 12:49 Minuten.
Aus ECO vom 06.03.2017.

Wie eng ist die neue US-Regierung mit russischen Milliardären verflochten? Es tauchen immer neue Verbindungen auf. Etwa rund um die Person Wilbur Ross.

Das ist Wilbur Ross. Der 79-Jährige ist der neue Handelsminister der USA. Wilbur Ross' Geschäftsbeziehung mit US-Präsident Donald Trump reicht mehr als 25 Jahre zurück. 1990 bewahrte Wilbur Ross den Immobilien-Tycoon vor dem Bankrott eines Casinos, mit dem sich Donald Trump übernommen hatte. Man nennt ihn auch «King of Bankruptcy» – König des Bankrotts. 2014 schoss er zusammen mit weiteren Investoren eine Milliarde Euro in die Bank of Cyprus ein, in deren Verwaltungsrat er bis vergangene Woche sass.

Diese Rolle spielt Zypern. Die grösste Bank Zyperns stand während der Euro-Krise vor dem Kollaps und riss Zypern beinahe in den Abgrund. Die EU und der Internationale Währungsfonds sprangen mit 10 Milliarden Euro ein. Bereits 2012 hat Russland Zypern einen Milliarden-Kredit gewährt. Zypern ist bei Russen sehr beliebt, die Herkunft von Geld interessierte lange Zeit wenig, die Unternehmenssteuern gehören zu den tiefsten in Europa. Verschiedene russische Oligarchen spielen bei der Bank of Cyprus eine wichtige Rolle.

Diese russischen Oligarchen sind die Akteure.

  1. Dmitrj Rybolowljew: Er war 2010 mit 9,9 Prozent der grösste Einzelaktionär der Bank of Cyprus und hat eine direkte Verbindung zu Donald Trump: 2008 kaufte Dimitry Rybolovlev Trump eine Villa in Palm Beach in Florida für 95 Millionen US-Dollar ab. Donald Trump machte einen Gewinn: Er hatte die Villa für weniger als die Hälfte gekauft.
  2. Wladimir Strschalkowski: Er war bis 2015 Vize-Präsident der Bank of Cyprus und ist ein guter Bekannter des russischen Präsidenten Vladimir Putin. Wie dieser war er jahrelang beim sowjetischen Geheimdienst KGB.
  3. Viktor Vekselberg: Der Grossaktionär der Schweizer Industriekonzerne OC Oerlikon und Sulzer kennt den russischen Präsidenten ebenfalls sehr gut. Er baute seine Anteile an der Bank of Cyprus stetig aus, auf aktuell knapp 10 Prozent.
  4. Maksim Goldman: Er ist der aktuelle Vize-Präsident der Bank of Cyprus. Er arbeitet bei Viktor Vekselbergs Renova Management AG. Im Verwaltungsrat dieser Firma sitzt Josef Ackermann.

Josef Ackermann ist mittendrin. Der Schweizer und einstige Chef der Deutschen Bank sowie Präsident der Zurich-Versicherung ist der heutige Verwaltungsratspräsident der Bank of Cyprus und damit eine Verbindung zwischen Oligarchen, russischer Regierung und dem neuen US-Präsidenten. Der neue US-Handelsminister Wilbur Ross holte ihn auf diesen Posten. Im «ECO»-Interview pocht Josef Ackermann darauf, «absolut unabhängig» zu sein, weist aber die traditionell engen Beziehungen von Zypern zu Russland nicht von der Hand.

Er will Regierung und Unternehmer in Russland getrennt betrachtet wissen: «Natürlich haben wir alle in der Wirtschaft engste Kontakte zu Russland gepflegt. Und ich fände es auch schade, wenn man das aufgeben würde, denn irgendwann wollen wir das Haus von Europa noch zu Ende bauen, und da gehört Russland dazu.»

Dass gerade die neue US-Regierung Unternehmertum und Regierungstätigkeit vermengt, scheint Josef Ackermann weniger zu stören. Da Donald Trump aus der Wirtschaft komme, sei er vor allem bestrebt, Lösungen zu finden. Für ihn ist Donald Trump ein «Experiment». Man habe zum ersten Mal ein Kabinett zusammengestellt, das nicht nur aus Diplomaten und Politikern besteht, sondern auch aus erfolgreichen Wirtschaftsführern. «Wenn sie sich auch erfolgreich im politischen Geschehen behaupten können, wird das ein Modell sein, das andere Länder sicher übernehmen werden.»

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38 Kommentare

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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Dass die Administration Trump für jemanden als Vorbild gelten kann, der nichts anderes als Zahlen und die Wirtschaft im Kopf und im Sinn hat, überrascht weiter nicht. Vielmehr entlarvt es die einseitige und kurzfristige Denkweise, die alle Konsequenzen neben den Kontosaldi ausblendet. Solchen Leuten könnte ich nur unter der Prämisse "lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende" folgen. Wenn man aber in der Breite die Bereitschaft zu einem Umbau schafft, lässt sich beides vermeiden.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Trump und seine ideologischen "Freunde" könnten zum Vorbild werden: Hätten Sie gerne. Für noch skrupellosere Lohnsklaverei und Ausbeutung zum Nutzen ganz Weniger, die den Hals nie vollkriegen.
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  • Kommentar von Esther Siefert (E.S. (parteilos))
    "Josef Ackermann: Trump-Regierung könnte zum Vorbild werden" - grandiose Idee - noch mehr Geld-, Wirtschafts-, Lobbyisten- und Politik-Klüngel... Das gemeine "Fussvolk" spielt absolut keine Rolle mehr - es soll, bittesehr, für die Wirtschaft das Geld "herbei-arbeiten" (wer's nicht mehr schafft, wird geschasst) und dann im worst case noch für Politik und Militär als Kanonenfutter für Kriege herhalten - Tolle Perspektiven.
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