Kahlschlag bei GE Alstom: Bis zu 1300 Angestellte müssen gehen

Nach der Übernahme durch General Electric (GE) werden bei Alstom Schweiz bis zu 1300 Stellen abgebaut. Geschlossen würden Schweizer Standorte aber nicht. Die Angestellten reagieren geschockt, die Gewerkschaften kritisieren die Schweizer Politik.

Die Übernahme von Alstom durch General Electric (GE) hat Folgen für die Belegschaft in der Schweiz: Der neue Eigentümer streicht bis zu 1300 Stellen. An den Aargauer Standorten beschäftigt Alstom noch rund 5500 Mitarbeiter.

Schweizer Standorte nicht geschlossen

Die Stellen fallen bei Alstom Schweiz in Baden, Turgi, Dättwil, Birr und Oberentfelden weg. GE will die Produktion von Gasturbinen an ihren Standorten in der Schweiz aufgeben und neu im französischen Belfort konzentrieren. Eine Schliessung von Schweizer Standorten sei aber nicht vorgesehen, teilt der Konzern mit. Baden bleibt zuständig für die Wartung der Turbinen

Noëmi Ackermann zum Stellenabbau

0:44 min, aus Tagesschau am Mittag vom 13.1.2016

Laut SRF-Korrespondentin Noëmi Ackermann reagierten die Angestellten geschockt auf den geplanten Stellenabbau. Damit hätten sie nicht gerechnet - es habe doch ursprünglich anders getönt.

Gesamthaft will GE in Europa in den kommenden zwei Jahren 6500 Stellen abbauen und damit 3 Milliarden Dollar einsparen, wie der Konzern schon früher bekannt gab. In Frankreich, dem Firmensitz von Alstom, werden fast 800 Arbeitsplätze gestrichen, in Deutschland sind es 1700.

Dass es die Schweiz so stark trifft, dafür gibt es laut SRF-Wirtschaftsredaktor Martin Stucki verschiedene Erklärungen.

«  Der Hauptgrund für den grossen Stellenabbau von General Electric in der Schweiz ist, dass die Schweiz ein teurer Produktionsstandort ist »

Martin Stucki
SRF-Wirtschaftsredaktor

Martin Stucki zum Industriestandort Schweiz

1:32 min, aus Tagesschau am Mittag vom 13.1.2016

General Electric habe in Baden einen ihrer grössten Standorte. Hauptgrund aber sei, dass die Schweiz ein teurer Standort ist. Und nicht zuletzt sei es in der Schweiz auch einfacher, Stellen abzubauen.

Gewerkschaften sind entsetzt

Die Gewerkschaft Syna reagiert entsetzt: Dass es einen Stellenabbau gibt, dass sei zwar schon länger klar, sagt Thomas Amsler, Syna-Regionalverantwortlicher. Denn von der Übernahme von General Electric wisse man ja schon länger. Nur hätten die Verhandlungen immer hinter geschlossenen Türen stattgefunden, weswegen dieser Entscheid nun doch sehr überraschend komme.

«  Dass es jetzt so schnell so weit ist und so viele Stellen betroffen sind, das macht uns zu schaffen. »

Thomas Amsler
Syna-Regionalverantwortlicher

Der Schweizer Werkplatz erleide einen weiteren Tiefschlag, den der durch die Frankenstärke arg gebeutelte Industriesektor nur schwer verdauen werde. Die Aufgabe der Produktion sei unnötig, schreibt Syna in einem Communiqué. Das Beispiel der italienischen Ansaldo Energia zeige, dass es auch Unternehmen gebe, die an eine Zukunft der Industrieproduktion in der Schweiz glaubten.

Wirtschaftlichen Druck für den massiven Abbau gebe es auch nicht, hält die Gewerkschaft weiter fest. Analysten rechneten damit, dass das Jahr 2016 ein absolutes Rekordjahr für GE werde.

Auch die Gewerkschaft Angestellte Schweiz kritisiert den Stellenabbau. Dieser sei «ein Schlag ins Gesicht aller Angestellten. The american style of management ist definitiv auf dem Werkplatz Schweiz angekommen «, so Christof Burkard, stellvertretender Geschäftsführer der Angestellten Schweiz.
Der Energiebereich von GE zählt insgesamt 65‘000 Mitarbeiter in 120 Ländern. In Europa sind es 48'000.