Zum Inhalt springen
Inhalt

Kampf für bessere Bedingungen Trotz Pilotenstreik bei Ryanair bleibt das Chaos aus

Legende: Video Streik bei Ryanair abspielen. Laufzeit 01:13 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 10.08.2018.
  • Seit den frühen Morgenstunden streiken in fünf Ländern die Piloten des irischen Billigflieger Ryanair.
  • Tausende Kunden des irischen Billigfliegers Ryanair werden damit nicht an ihr gewünschtes Ziel kommen.
  • Trotzdem bleibt das Chaos aus, weil die Airline die rund 55'000 betroffenen Passagiere frühzeitig informiert hat.
Pilot mit Schild um den Hals läuft an einem Plakat vorbei. Darauf steht: Ryanair on Strike. Ryanair must change.
Legende: Die Piloten kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen. Streikaktion am Flughafen Charleroi in Belgien. Reuters

Mitten in der Urlaubszeit haben die Piloten in mehreren europäischen Ländern ihre Streikaktionen abgestimmt. Das Unternehmen hat daraufhin von 2400 geplanten Flügen rund 400 vorsorglich gestrichen.

Schwerpunkt ist Deutschland, wo wegen des auf 24 Stunden beschränkten Streiks der Vereinigung Cockpit (VC) 250 Flüge abgesagt wurden.

Grösster Streik in der Geschichte Ryanairs

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Die abgestimmte Aktion ist der bislang grösste Pilotenstreik in der Geschichte der grössten Billig-Airline Europas, die erst seit Ende 2017 Gewerkschaften anerkennt. Vor zwei Wochen hatten zudem Flugbegleiter in Portugal, Spanien und Belgien über zwei Tage zusammen rund 600 Flüge mit knapp 100'000 betroffenen Passagieren ausfallen lassen.

Unter den europäischen Piloten haben bisher einzig die Iren an vier einzelnen Tagen die Arbeit niedergelegt. Ryanair hatte daraufhin den Abzug von sechs Jets samt 300 Arbeitsplätzen nach Polen angekündigt.

Ryanair hat alleine dort an elf Flughäfen Jets stationiert. An Standorten wie Frankfurt und Berlin blieben am Morgen sämtliche Flugzeuge am Boden, und an den Schaltern herrschte gähnende Leere. Im Laufe des Tages landeten die ersten Ryanair-Maschinen aus nicht bestreikten Ländern und hoben auch wieder mit neuen Passagieren zu weiteren Zielen ab.

Leih-Piloten streikten nicht

Auch in Schweden, Irland, Belgien und den Niederlanden legten die Piloten ihre Arbeit nieder. Das Unternehmen teilte mit, dass trotz der Streiks europaweit rund 2000 Flüge stattfinden sollten – rund 85 Prozent des ursprünglichen Flugplans. Die österreichische Ryanair-Beteiligung Laudamotion strich 20 Flüge, weil die von Ryanair ausgeliehenen Flugzeuge und Besatzungen fehlten.

In den Niederlanden war Ryanair am Vorabend mit dem Versuch gescheitert, den Streik per Gerichtsbeschluss stoppen zu lassen. Flugausfälle habe es dort aber nicht gegeben, teilte das Unternehmen mit. Nach Informationen der Pilotengewerkschaften wurden in den niederländischen Jets sogenannte Managementpiloten und nicht streikberechtigte Leih-Piloten aus Belgien eingesetzt.

Ryanair entschuldigt sich via Twitter bei seinen Kunden und kritisiert seine streikenden Angestellten.

Weitere Streiks nicht ausgeschlossen

Europaweit sind rund 55'000 Passagiere betroffen, davon gut 42'000 in Deutschland. Sie konnten umbuchen oder sich ihre Tickets erstatten lassen. Weitere Entschädigungen lehnt Ryanair ab.

Dafür streiken die Piloten

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Erst nach massiven Druck hat Ryanair im Dezember erstmals in seiner mehr als 30-jährigen Geschichte Gewerkschaften anerkannt. Doch die Verhandlungen über den erstmaligen Abschluss von Tarifverträgen laufen schleppend. Die Gewerkschaften und Ryanair beschuldigen sich gegenseitig, die seit rund sechs Monaten laufenden Verhandlungen zu blockieren.

Die Vereinigung Cockpit (VC) will bei der irischen Gesellschaft erstmals ein System aus Vergütungs- und Manteltarifvertrag etablieren und zieht dafür andere Fluggesellschaften als Muster heran. In den Vorschlägen sind zahlreiche Details etwa zu Dienstzeiten, Versetzungen oder Fixanteilen des Gehalts enthalten. Ryanair verweist auf vergleichsweise hohe Endgehälter ihrer Kapitäne und Copiloten.

Das Unternehmen will keine Vereinbarungen treffen, die sein Niedrigkostenkonzept in Frage stellen würden.

Die VC zeigte sich am Freitag zufrieden mit dem Verlauf des Arbeitskampfes. Eine Verlängerung bis nach Samstagmorgen 02.59 Uhr sei nicht geplant, sagte Sprecher Janis Schmitt.

Weitere Streiks in der Urlaubszeit hat die VC nicht ausgeschlossen, sie will sie aber mit einer Frist von 24 Stunden vorher ankündigen. Ingolf Schumacher, Vorsitzer Tarifpolitik der VC kündigte in Frankfurt einen «langwierigen Arbeitskampf» an.

Legende: Video «Es wird ein langwieriger Arbeitskampf werden» abspielen. Laufzeit 00:35 Minuten.
Aus News-Clip vom 10.08.2018.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans Leuenberger (hansle)
    Airlines, die zu wenig verdienen, um ihre Angestellten angemessen entlöhnen zu können, sollten von der Bildfläche verschwinden. Es gibt eh zu viele Billigfluggesellschaften. Weniger fliegen wäre mindestens eine Möglichkeit, etwas für ein besseres Klima zu tun.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Samuel Müller (Samuel Müller)
    Unglaublich wie Streikende am Ast sägen können, auf dem sie sitzen. Der Mangel an Piloten in der ganzen Branche gibt ihnen die Gewissheit, dass sie nicht rausgeschmissen werden. Streik ist nie eine akzeptable Lösung. Alle haben ihren Arbeitsvertrag akzeptiert und auch die Möglichkeit wieder zu gehen. Streik ist Vertragsbruch und sollte bestraft werden können.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Max Blatter (maxblatter)
    Jeder, der oder die einem ehrenwerten Beruf nachgeht, sollte davon komfortabel leben können. Dafür(!) darf man notfalls auch streiken. Ich vermute aber, dass diese Forderung für die Ryanair-Pilotinnen und -Piloten bei weitem erfüllt ist: Sie wollen sich wohl nicht nur "Komfort", sondern "Luxus" leisten. Dafür habe ich kein Verständnis! Sollte eine Fluggesellschaft namens "Brutto" höhere Löhne zahlen als Ryanair, würde ich den Streikenden gerne wütend zurufen: "Dann geht doch zu Brutto!!"
    Ablehnen den Kommentar ablehnen