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Kampf gegen Foodwaste Krumme Rüebli suchen Kundschaft

Vielerorts ist die Ernte sehr gut ausgefallen. Doch Gemüse mit Makeln wird noch immer nur bedingt gekauft. Neue Ideen sind gefragt.

Legende: Audio Entwicklungshilfe für krumme Rüebli abspielen. Laufzeit 05:46 Minuten.
05:46 min, aus Rendez-vous vom 12.11.2018.

Letzten Samstagmorgen, auf dem Areal der Stadtgärtnerei im Zürcher Kreis 9: Hunderte Frauen, Männer und Kinder drängen sich um Holzkisten mit Bio-Rüebli und -Kartoffeln. Man bedient sich und zahlt anschliessend an einer improvisierten Kasse. Die Kartoffeln sind gross, die Rüebli auch und sie haben teils lustige Formen.

Menschen stehen Schlange auf dem Märit
Legende: Schlange stehen für Gemüse mit äusserlichen Makeln. SRF/Klaus Ammann

«Liefert man an Grossverteiler, muss man immer etwas liefern können. Man produziert so in der Tendenz immer schon zu viel. Werden die Rüebli zu gross aufgrund eines guten Sommers, passen sie nicht mehr in die Norm und werden entsorgt», erklärt Martin Schiller vom Verein Grassrooted. Der junge Verein will dies verhindern – das Gemüse entweder so wie es ist zu einem günstigen Preis verkaufen oder wiederverwerten: «So, dass wir die verarbeiteten Produkte nicht importieren müssen.»

Ein Drittel aller Lebensmittel in der Schweiz wird ungenutzt weggeworfen, beim Gemüse ist der Anteil noch grösser. Dagegen will auch Crowdcontainer etwas unternehmen. Tobias Joos, der Gründer und Geschäftsleiter dieses Startups, arbeitet in einem Co-Working-Space in der Stadt Zürich. Seine Geschäftsidee hat er aber weit weg von hier im indischen Kerala gehabt: «Als ich über eine Mischplantage lief, auf der ein Kleinbauer auf nur einer Hektare 50 verschiedene Kulturen angebaut hat, darunter Pfeffer und Muskatnuss.»

Kleinbauern haben bei Grossverteilern Mühe

Allerdings habe der Kleinbauer Mühe mit der Vermarktung gehabt. Weil auch diese Gewürze oft nicht den Standards entsprechen, an welche Grossverteiler gewohnt sind. Die Farbe beispielsweise des Kurkuma-Gewürzes ist nicht immer gleich. Zudem sei bei Kleinbauern immer wieder etwas, aber nicht alles immer reif, was aus Sicht der Grossverteiler schwierig ist.

Joos hat deshalb die Idee entwickelt, Sammelbestellungen zu organisieren. Sammelbestellungen von Leuten, die ein ganz bestimmtes Produkt kaufen wollen. Unterdessen baut in Sizilien eine Kooperative auf einer Hektare alte Tomatensorten für Crowdcontainer an: «Diese Tomaten werden geerntet und vor Ort zu Passata verarbeitet. Wenn Saison ist, bieten wir sie über unseren Webshop an. Bestellen kann man nur solange, wie sie auch verfügbar ist.»

Krumme Rüebli aufgehängt mit Preis und Gewichtangaben
Legende: Das Bewusstsein für Foodwaste scheint zu wachsen. SRF/Klaus Ammann

Neben der Tomatenpassata aus Italien und den Gewürzen aus Kerala ist bei Crowdcontainer seit neustem auch Obst aus dem Oberaargau im Angebot – immer wieder aber nicht immer, sondern nur bis eine Bestellung verkauft ist. Dem Bauern gibt diese Art des Verkaufs Sicherheit. Er erhält einen fairen Lohn für sein Produkt und er wird auch Produkte los, die nicht den üblichen Normen entsprechen.

Grosse Anstrengungen sind nötig

Auch die Grossverteiler Migros und Coop haben das Problem erkannt. Man unternehme einiges, um zu verhindern, dass unförmige Rüebli und übergrosse Kartoffeln weggeworfen werden, sagt Migros-Mediensprecher Patrick Stoepper: «Sie werden zum Teil weiterverarbeitet. Krumme Karotten kommen in die Migros-Gastronomie oder aus Äpfeln wird Fruchtsaft gemacht.»

Gleichzeitig verkaufe die Migros einen wachsenden Teil nicht standardgemässem Gemüses unter der Billig-Linie M-Budget.
Das Bewusstsein für Foodwaste scheint zu wachsen. Um den Anteil Gemüse und Früchte, die ungenutzt liegen bleiben oder weggeworfen werden, merklich zu reduzieren, sind aber wohl noch grosse Anstrengungen nötig.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    «Rettet die Ernte vor dem Müll - CH» heisst eine Gruppe auf Facebook mit Verweis auf kantonale oder regionale Gruppen. Da werden Tonnen von Lebensmitteln angeboten, die sonst nicht verwertet würden. Oft, weil die Grossverteiler sie nicht nehmen, wegen minimaler Mängel, die keinen Einfluss auf Geschmack oder Gesundheit haben. Vieles wird zu Spottpreisen angeboten. Man tut sich und den AnbieterInnen was Gutes.
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser (jeani)
    Der Konsument hat es ja in der Hand die "genormte Ware" nicht zu kaufen! Auf dem Markt der Landfrauen gibt es das "Normengemüse" eben nicht!
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  • Kommentar von Simon Weber (Weberson)
    Ein wirklich grosses Problem ist, dass immer alles vorhanden sein muss. Es darf nie etwas im Angebot fehlen, ansonsten droht den Läden das Abhandenkommen von Kunden. Es muss ständig zu viel produziert und von weit her importiert werden, um Engpässe ausgleichen zu können. Schön, dass es Leute gibt, die etwas gegen Foodwaste tun. Leute denen es nicht um Profitmaximierung sondern eben um die Minimierung von Verlust unserer Ressourcen geht. Jeder kann da selbst etwas dafür tun.
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