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Legende: Video SBB: Der diskrete Immobiliengigant abspielen. Laufzeit 06:53 Minuten.
Aus ECO vom 25.02.2019.
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Kampf um Bahnhof-Shopping «Die SBB betreibt extreme Gewinnmaximierung»

Die SBB verdient mit Läden an Bahnhöfen 180 Millionen. Händlervertreter reden von Wettbewerbsverzerrung.

Der Traum jedes Gewerbetreibenden: Nirgends gibt es mehr Laufkundschaft als an Bahnhöfen. Eine Million Menschen, Link öffnet in einem neuen Fenster verkehren täglich an den Pendel-Hauptadern in Zürich und Bern.

Monopolvorwurf an die SBB

Doch Detailhändler kritisieren die Geschäftspraxis der Vermieterin der Ladenflächen, der SBB: «Sie kann unabhängig von Anderen ihre Preise festlegen», sagt Dagmar Jenni, Geschäftsführerin der Swiss Retail Federation.

Sie vertritt 35 Detailhändler, wie Valora, Manor, Aldi, Lidl und Spar. Der SBB wirft sie eine Monopolstellung vor: «Es gibt ja keinen anderen Anbieter, der an Bahnhöfen Ladenflächen hat», sagt Jenni.

Legende: Video Dagmar Jenni, Detailhandelsverband: «Die SBB betreibt extreme Gewinnmaximierung». abspielen. Laufzeit 00:38 Minuten.
Aus ECO vom 25.02.2019.

Zudem profitiere das Geschäft am Bahnhof von speziellen Ladenöffnungszeiten. Die Läden sind zum Teil bis um 22 Uhr geöffnet und auch am Sonntag: «Die SBB betreibt extreme Gewinnmaximierung», findet Jenni. Für Detailhändler bedeute das: «Entweder du bezahlst den Preis, oder du erhältst den Standort nicht.»

Zu hohe Mieten?

Wie hoch die Ladenmieten an Bahnhöfen tatsächlich sind, darüber schweigt die SBB. Die Swiss Retail Federation geht von bis zu 4500 Franken pro Quadratmeter im Jahr aus.

Ladenmieten in Bahnhöfen könnten sich nur grosse Unternehmen leisten, kritisiert Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Gewerbeverbands und FDP-Nationalrat. «KMU haben gar keine Chance, an diesen interessanten Lagen ihr Geschäft aufzumachen.»

Legende: Video Hans-Ulrich Bigler, Gewerbeverband: «KMU haben keine Chance, an den interessanten Passantenlagen ein Geschäft zu eröffnen». abspielen. Laufzeit 00:19 Minuten.
Aus ECO vom 25.02.2019.

Die SBB wehrt sich gegen den Vorwurf der Gewinnmaximierung. Der Finanzchef von SBB Immobilien, Franz Steiger: «Wir wollen eine möglichst gute Aufenthaltsqualität für unsere Bahnreisenden.» Steiger betont, dass auch ein «schöner Anteil von lokal verankerten KMU» an Bahnhöfen vertreten seien.

Legende: Video Franz Steiger, SBB Immobilien: «Wir möchten eine möglichst gute Aufenthaltsqualität für unsere Bahnreisenden schaffen.» abspielen. Laufzeit 00:17 Minuten.
Aus ECO vom 25.02.2019.

Teuer, aber profitabel für die Grossverteiler

Ein Viertel der Ladenflächen in Bahnhöfen werden von Migros und Coop belegt. Coop-Chef Joos Sutter: «Der Bahnhof ist ein klarer Hotspot im Gesamtkontext des Detailhandels, der in den letzten Jahren unter Druck war.»

«Die Bahnhofsmieten gehören zu den höchsten, die wir für Verkaufsflächen bezahlen», schreibt die Migros auf Anfrage. «Dank der hohen Kundenfrequenz und den Öffnungszeiten ist der Betrieb profitabel».

Legende: Video Coop-Chef Joos Sutter: «Der Bahnhof ist ein klarer Hotspot.» abspielen. Laufzeit 00:39 Minuten.
Aus ECO vom 25.02.2019.

Mächtige «SBB Immobilien»

Die Division «SBB Immobilien» hat sich zur zweitgrössten Immobilienfirma der Schweiz entwickelt – hinter Swiss Life. Die Mieteinnahmen an Bahnhöfen betrugen 2017 rund 180 Millionen Franken.

«SBB Immobilien» betreibt neben den Bahnhöfen auch Gewerbe, Büro und Wohnliegenschaften. Die gesamten Mieteinnahmen belaufen sich auf 487 Millionen Franken.

Legende: Video SBB Immobilien - die Struktur eines mächtigen Players abspielen. Laufzeit 00:46 Minuten.
Aus ECO vom 25.02.2019.

Mieteinnahmen sanieren die Pensionkasse

Mit den Einnahmen finanziert die SBB ihre Infrastruktur und auch die eigene Pensionskasse, die eine negative Anlagerendite erzielt. «Im Jahr 2017 hat SBB Immobilien eine Ausgleichzahlung zur Sanierung und Stabilisierung der Pensionskasse von 274.6 Millionen Franken geleistet», schreibt die SBB auf Anfrage.

Wenn das Immobilien-Geschäft mehr Erträge einbringe als der eigentliche Zweck, nämlich öffentlicher Verkehr, sei das in Frage zu stellen, meint Hans-Ulrich Bigler. «Wenn auch noch die Bedürfnisse der Pensionskasse hinzu kommen, stellt sich die Frage: Was ist der Anspruch der Öffentlichkeit an die SBB?»

Legende: Video Kritiker + SBB Immobilien zur Sanierung der SBB-Pensionskasse mit Mieteinnahmen abspielen. Laufzeit 00:40 Minuten.
Aus ECO vom 25.02.2019.

Der Finanzchef von SBB Immobilien Franz Steiger sagt dazu: «Die Ausgleichszahlungen und der Gewinn der Division Immobilien helfen, die Last für Steuerzahler zu reduzieren und kommen auch dem Bahngast zugute».

Kampf um Kioskflächen: Valora gegen Migros & Coop

Im Moment vergibt die SBB die Kiosk- und Convenience-Läden in Bahnhöfen neu. Die meisten der 265 Läden betreibt heute die Valora, nämlich rund 230. Vermehrt drängen Coop und Migros in den Convenience-Bereich. Die SBB entscheidet in einem nicht-öffentlichen Bieterverfahren, wer die Flächen erhält. Valora gibt sich gegenüber «ECO» zuversichtlich, dass sie die Standorte wieder zugesprochen bekommt – wegen ihres «einzigartigen Know-Hows im kleinflächigen Retailgeschäft an Hochfrequenzlagen». Valora habe «erneuerte und neue Verkaufsformate» entwickelt. Dazu gehöre eine stärkere Ausrichtung auf «Food und Frische», sowie ein kassenloser Laden, der im Frühjahr eröffne. Die SBB will die Resultate der Vergabe Mitte des Jahres bekanntgeben.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Heinz Gerber  (rosenzeit)
    Warum erreicht die SBB-Pensionskasse negative Anlagerenditen? 2017 war ein Bombenjahr mit Aktien und bei geschickter Anlage sind auch die anderen Jahre kein Sanierungsfall. Verspricht die PK zu hohe Leistungen, die nicht ausfinanziert sind?
    Da müsste man genauer hinsehen - und froh sein, dass sie durch hohe Mieteinnahmen Defizite ausgleichen können.
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  • Kommentar von Peter Singer  (P.S.)
    Ist doch gut wenn die SBB mit Immobilien Gewinn macht. Das Unternehmen ist im Staatsbesitz und so kommt der Gewinn letztlich der Allgemeinheit zugute. Die SBB besitzt Grundstücke an lukrativster Lage, es wäre unsinnig, diese Grundstücke nicht gewinnbringend zu nutzen.
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  • Kommentar von David Rothen  (EinGrünerundmehr)
    Auch Anderorts nutzt die SBB ihre Monopolstellung: die Billetpreise werden jedes Jahr fleissig erhöht, während die Leistungen abgebaut werden. Dafür werden die Chefs reich.
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    1. Antwort von Felix Kübler  (Chübelwage)
      Wie kommen sie zur Behauptung, dass die Leistungen abgebaut werden? In den letzten Jahren wurden bei jedem Fahrplanwechsel mehr Züge angeboten und mehr Leute transportiert, dazu kommen Bahnhofs- und Streckenerweiterungen, kürzere Verbindungen etc. Natürlich gibt es auch Reduktionen im einen oder andern Bereich, aber im gesamten läuft ein massiver Leistungsausbau.
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    2. Antwort von Charles Dupond  (Egalite)
      Die horrenden Milliardenverdichtungsstressmehrkosten mit Ausbau und mehr Unterhalt, werden nur zum Teil vom Steuerzahler subventioniert. Der Rest wird mit Billetpreis- und Abonnementsverteuerungen eingehoben....
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    3. Antwort von Beni Fuchs  (Beni Fuchs)
      Zum Beispiel, wenn auf einer doch nicht allzu kurzen Strecke wie Schaffhausen- Zürich, sämtliche WC's der ganze Zugskomposition geschlossen werden, um sich die Reinigungskosten zu sparen. für Leute mit schwacher Blase ein Horrorszenario.
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