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Geschäftsmodell Zoo: Ohne Spenden kein Überleben
Aus ECO vom 17.08.2020.
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Kampf ums Überleben Ohne Spenden müssten die meisten Zoos aufgeben

Millionen Menschen besuchen Schweizer Zoos und Tierparks. Doch um wirtschaftlich zu überleben, genügen Eintrittsgelder nicht.

Schweizer Zoos und Tierparks sind Publikumsmagnete: Millionen Menschen besuchen sie jedes Jahr. Doch die Erlöse aus Eintritten reichen - dort, wo solche verlangt werden - in der Regel kaum für die Finanzierung des laufenden Betriebs, geschweige denn für Investitionen. «ECO» hat sich zwei Zoos und einen Tierpark näher angesehen.

Walter Zoo, Gossau (SG)

Gegründet 1961 befindet sich der Tierpark, der als gemeinnützige Aktiengesellschaft firmiert, mehrheitlich in Familienbesitz. Karin Federer, Zootierärztin und Zoodirektorin, ist bestrebt, die jährlichen Betriebskosten aus eigener Kraft zu decken.

Das gelang in den vergangenen Jahren recht gut. Der notwendige Umsatz (2019: 7 Millionen Franken) wird vor allem aus Eintritten und der Gastronomie generiert. Die Stadt Gossau subventioniert den Tierpark derzeit pro Jahr mit 150'000 Franken. Das sind lediglich zwei Prozent vom Umsatz.

Frau.
Legende: Sie ist Zootierärztin und Zoodirektorin: Karin Federer versucht, die jährlichen Betriebskosten aus eigener Kraft zu decken. SRF

Was Investitionen in neue Gehege oder die Besucherinfrastruktur betrifft, ist der Zoo vollständig von Sponsoren, Spenden und weiteren Drittmitteln abhängig. Diese fliessen ihm unter anderem regelmässig vom Gönnerverein mit rund 1800 Mitgliedern zu. Der Verein und eine Stiftung haben sich jüngst an der Finanzierung einer neuen Anlage für den roten Panda beteiligt. Baukosten: 500'000 Franken.

Einbussen wegen Corona

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Wegen Corona blieben alle Zoos während Wochen zwangsweise geschlossen. Mit finanziellen Folgen: Beim Walter Zoo in Gossau erwartet man für dieses Geschäftsjahr eine «rote Null».

Der Zoo Basel verbucht aktuell Mindereinnahmen von 3,5 Millionen Franken. Wie viel sich davon bis Ende Jahr noch kompensieren lässt, ist offen. Einen allfälligen Verlust muss das Unternehmen über die Reserven, genauer: das Eigenkapital, decken.

Beim Tierpark Goldau dürfte es bis Ende Jahr ein Minus von rund 750'000 Franken sein, die das KMU über sein Eigenkapital abfedern muss.

Zoo Basel

Der Basler Zolli (Gründungsjahr: 1874) ist der älteste Schweizer Zoo. Pro Jahr besuchen ihn eine Million Menschen. Die nicht-gewinnorientierte - und damit auch steuerbefreite - Aktiengesellschaft befindet sich im Eigentum von rund 1700 Aktionären.

Der Zoo Basel kann die Kosten für den laufenden Betrieb längst nicht mit Eintritten und weiteren Erlösen (Gastronomie, Zooshop) decken. Es resultiert pro Jahr jeweils ein strukturelles Defizit von mehreren Millionen Franken. Für Finanzchef Marc Riggenbach geht es deshalb vor allem darum, dieses nicht zu vergrössern.

Zebra-Mutter und Jungtier im Zoo Basel
Legende: Investitionen in Ausbauten der Gehege und der Besucher-Infrastruktur können die meisten Schweizer Zoos und Tierparks nicht aus eigener Kraft stemmen. Keystone

Allerdings schafft es der Zoo Basel, Spenden und finanzielle Zuwendungen von mehreren Millionen Franken zu sammeln. Regelmässig erbt der Basler Zolli sogar Nachlässe in Millionenhöhe.

Bislang geht die Rechnung auf - und es sind auch genügend Mittel da, um in neue Anlagen zu investieren. Zur Seite steht dem Unternehmen zudem ein grosser Freundeverein, der das Unternehmen sowohl finanziell als auch mit freiwilliger Arbeit unterstützt.

Natur- und Tierpark Goldau (SZ)

Der Tierpark Goldau (Gründungsjahr 1925) hat sich auf heimische und europäische Wildtiere spezialisiert. Träger für den laufenden Betrieb ist in diesem Fall ein Verein. Die langfristige finanzielle Sicherheit des KMU stellt die Stiftung Tierpark Goldau sicher. Der Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr betrug rund 12 Millionen Franken. Davon waren etwa 2 Millionen Spenden und eine 1 Million Beiträge der Vereinsmitglieder.

Eingang des Zolli. Davor Schild mit den Corona-Regeln.
Legende: Die Besucher dürfen – mit Einschränkungen – wieder kommen, doch der Zoo Basel verbucht hohe Mindereinnahmen, die bis Ende Jahr wohl nicht mehr kompensiert werden können. Keystone

Subventionen erhält Goldau keine. Über die Spenden finanziert der Tierpark wie Basel und der Walter Zoo seine Investitionen in die Anlagen und die Besucherinfrastruktur.

Fragmentierte Zoo-Branche

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Die Schweizer Zoo-Branche ist äusserst kleinteilig aufgestellt. Aggregierte Unternehmensdaten gibt es praktisch nicht. Die deutsche Internetseite «Zoo-AG» listet für die Schweiz derzeit 82 Betriebe auf – von wissenschaftlich geführten Zoos bis hin zu Haustierparks. Der Schweizer Tierschutz nimmt regelmässig etwa 40 Unternehmen unter die Lupe.

Davon ausgehend zeigt «ECO» für 2019 Besucherzahlen und Umsätze derjenigen Betriebe, die Eintritt verlangen (siehe Tabelle).

Schweizer Zoos: Besucherzahlen und Umsätze 2019

NameAnzahl Besucher 2019Umsatz 2019 (Mio. CHF) 
Zoo Zürich1'250'00033
Zoo Basel1'000'00027
Natur- und Tierpark Goldau411'00011.8
Connyland300'000k.A.
Tierpark Dählhölzli*290'0009.8
Walter Zoo270'0007
Papiliorama270'0006.2
Aquatis 240'000k.A.
Freilichtmuseum Ballenberg200'0003.1
Zoo Les Marécottes150'000k.A.
Zoo de Servion150'000k.A.
Sikypark90'0008.5
Tropiquarium (Servion)90'0001.0
La Garenne61'0001.7
Plättli-Zoo50'0000.5
Zoo al Maglio28'5000.4
Zoo Haselk.A.k.A.
John's kleine Farmk.A.k.A.
Juraparck.A.k.A.
Knies Kinderzook.A.k.A.
Parc Challendesk.A.k.A.
Toni's Zoo / Zoo Rööslik.A.k.A.
Tier- und Erlebnispark Seeteufelk.A.k.A.
Falconeria Locarnok.A.k.A.
* Kostenpflichtiger Zoo-Teil

Wohlwollen in der Öffentlichkeit

Schweizer Zoos und Tierparks haben in der Öffentlichkeit einen guten Ruf. Das hat eine repräsentative Umfrage des Instituts Forsa kürzlich gezeigt. Solange dies so bleibt, dürften auch die notwendigen Spenden an die Unternehmen fliessen.

Sollte die öffentliche Meinung einmal kehren, wird sich dieses Geschäftsmodell nicht mehr halten lassen. Die meisten Zoos dürften dann über kurz oder lang vom Markt verschwinden.

ECO-Zoo-Serie

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Den zweiten Teil der ECO-Zoo-Serie gibt es am Montag, den 24. August über den Basler Zolli. Am 31. August wird der dritte Teil ausgestrahlt, dann zum Natur- und Tierpark Goldau. Jeweils auf SRF 1 um 22.25 Uhr.

Eco, 17.8.2020, 22:25 Uhr

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Doris Slezak  (D.M.S.)
    @SRF
    Hier wurde nicht gut recherchiert: Der Tierpark Bern, bestehend aus Dählhölzli und BärenPark verzeichnete im Jahr 2019
    - im Dählhölzli: 1'190'000 Besucher (290'000 im eintrittspflichtigen Teil und 900'000 im eintrittsfreien Teil)
    - im BärenPark: 1'990'000 Besucher.
    Umsatz: 9'8 Mio Franken.
    siehe: https://www.bern.ch/themen/stadt-recht-und-politik/finanzen/rechnung-jahresbericht.
    Jahresbericht 2019 Band 2, Seiten 528 - 534 &
    https://www.tierpark-bern.ch/tierpark-bern/ueber-uns/
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      Guten Tag, vielen Dank für Ihren Hinweis. Die Liste, was Besucherzahlen und Umsätze betrifft, bezieht sich auf die Zoos und Tierparks, bei denen ein Eintritt gezahlt werden muss. Dieses Kriterium beschreiben wir in der entsprechenden Textbox im Online-Artikel. Im Fall von Dählhölzli, der ja eine «Abteilung» der Stadt Bern ist, sind es im eintrittspflichtigen Teil die genannten 300'000 (290'000) Besucher. Konsequenterweise müssten wir die Besucherzahlen des Bärenparks (Gratiseintritt) aus dieser Tabelle streichen und allenfalls eine erklärende Fussnote setzen. Wir haben diese Anpassung in der Tabelle vorgenommen. Freundliche Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Auch der Zolli BS wird von Spenden, Zuwendungen, Nachlässen am Leben erhalten. Ich fand es gut, dass das Ozeanum abgelehnt wurde, die jährlichen Auslagen wären zu hoch und den Bedürfnissen der Tiere wäre man nie gerecht geworden. Wie Michaela Schmid erwähnt, nehmen Zoos den Auftrag der Arterhaltung wahr, der schon mancher Art die (vorläufige) Ausrottung ersparte, Wiederansiedlungen ermöglichte wie zB die Przewalski-Pferde uvam. Umso erstaunlicher, dass ein Zoo wie BS ein solches Projekt plante.
  • Kommentar von Ueli Feuz  („Üeu“)
    Wird ja auch endlich Zeit, dass das Fossil Zoo jeglicher Art endlich verschwindet. Ein Relikt aus dem letzten und vorletzten Jahrhundert. Wir, wir Menschen halten uns immer noch für die Krone der Schöpfung und hätten das verdammte Recht, einige unserer gleichberechtigten Erdenbewohner zu „Lebenslang“ zu verurteilen und sie eben lebenslang zum Begaffen einzusperren :-(
    1. Antwort von Michaela Schmid  (Mitdenkerin)
      Wenn diese gleichberechtigten Erdenbewohner als Alternative ein Leben in freier Wildbahn hätten, würde ich Ihnen zustimmen.
      Tatsache ist aber, dass wir 'Kronen der Schöpfung' immer mehr andere Spezien verdrängen und ausrotten.
      Deshalb nehmen viele Zoos nebst dem "Begaffen" auch den Auftrag der Arterhaltung wahr, und der ist leider aktueller denn je.
    2. Antwort von marc rist  (mcrist)
      @UF: Dieses viel und wortreich kritisierte Eingesperrt sein hat nicht ausschliesslich Nachteile für das Tier. So befindet es sich beispielsweise in einem Zoo nicht mehr rund um die Uhr in Lebensgefahr. In freier Wildbahn ist genau das der Fall.
    3. Antwort von Verena Schär  (Nachdenklich)
      Ich sehe schon, sie waren schon lange nicht mehr in einem Zoo. Wir sind alle eingeschlossen auf unserem Planet und die Krone der Schöpfung rottet viele Tiere einfach aus.
      Zoos dienen zur Arterhaltung und Tiere werden unter den Zoos ausgetauscht. Selbst in Afrika sind die Wildtiere längst nicht mehr nur in freier Wildbahn. Sie können wandern solange die Spezies Mensch es zulässt. Afrika ist im Umbruch und die hohen Menschenzahlen werden die Tiere dezimieren und die Trophäenjäger machen den Rest.