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Werden Geschäftszahlen böse Überraschungen bringen?
Aus 10vor10 vom 04.05.2020.
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Keine normale Rezession Anleger verweigern sich der wirtschaftlichen Realität

Die Börsen steigen trotz Rezession und Arbeitslosigkeit. Anleger handelten nicht rational, so Ökonom Klaus Wellershoff.

  • Im März kam es an der Schweizer Börse zu einem Kurssturz. Der Schweizer Aktienindex SMI verlor innert eines Monats rund 30 Prozent.
  • Seither hat sich die Börse weitgehend erholt. Mit über 9400 Punkten entspricht der heutige Stand demjenigen vom Juni 2019.
  • Dies, obwohl noch immer grosse Unsicherheit darüber herrscht, welche wirtschaftlichen Auswirkungen die Coronakrise haben wird.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) rechnet im laufenden Jahr mit einem Rückgang des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) von 6.7 Prozent. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt vor der schlimmsten Rezession seit der grossen Depression in den 1930er-Jahren. Und auch in den USA sind bereits über 30 Millionen Menschen arbeitslos.

Derweil scheinen die Anleger optimistisch. Die Schweizer Börse hat einen Rekordmonat hinter sich: Seit dem Tiefstand von Mitte März hat sie 15 Prozent zugelegt.

Gründe für die Zuversicht

Ökonom Klaus Wellershoff sieht verschiedene Gründe, weshalb es an den Börsen wieder hochgeht. Vor allem die Antwort der Politik auf die aktuelle Krise habe Anleger beflügelt. Vom Bund wurden der Schweizer Wirtschaft Hilfen von bisher 42 Milliarden Franken zugesprochen – ein beispielloses Hilfspaket.

Hinzu kommen die Geldschwemmen der Zentralbanken. Nach der US-Notenbank hat auch die Europäische Zentralbank (EZB) Mitte März geldpolitische Sondermassnahmen beschlossen. Anleihen in Höhe von 750 Milliarden Euro sollen gekauft werden, um den ausserordentlichen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivitäten im Euroraum zu kompensieren.

Als weiteren Grund nennt Wellershoff den derzeitigen Anlagenotstand. Aufgrund der Negativzinsen hätten Anleger kaum Alternativen zu Aktien.

Zukunft bleibt unsicher

Trotz Gründen für die Zuversicht warnt der Experte. Viele Anleger wollten nicht wahrhaben, dass die Coronakrise der Wirtschaft langfristig schaden wird. Was durch die Krise ausgelöst wurde, sei keine normale Rezession. Die Börsenrally sei also in beträchtlichem Umfang irrational und eine Realitätsverweigerung.

Normalerweise halten sich Anleger vor allem an die Prognosen einzelner Firmen, in die sie investieren. Doch in dieser ausserordentlichen Lage ziehen die meisten Unternehmen ihre Prognosen für das laufende Geschäftsjahr zurück. Neue Prognosen machen die wenigsten, und falls doch, nur unter grösstem Vorbehalt.

Wie schwer es die einzelnen Unternehmen und die Wirtschaft als Ganzes treffen wird, weiss niemand. Genauso weiss niemand, ob sich das aktuelle Kursniveau an den Börsen halten wird.

«10vor10», 04.05.2020, 21:50 Uhr

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Stefan Gisler  (Stefan Gisler)
    Ich für mich hoffe dass die Börsen mal richtig in die Krise kommen. All diese Zocker die damit, ohne was zu tun und auf Kosten der Normalbürger Geld verdienen. Heutig falsche Anreize um zu Wohlstand zu kommen,falsches System das sicher mal kolabieren wird und künstlich am Leben gehalten wird...kranke Welt.
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  • Kommentar von Lily Mathys  (Alle vergeben)
    Naja, es sind 2 verschiedene Kreisläufe: der Güter(=Realwirtschaft)- und Finanzkreislauf. 2008 kollabierte der Finanzkreislauf, der dann auf die Realwirtschaft schlug. Auch das dauerte Monate u. Staat rettete. Jetzt setzt der Staat die Realwirtschaft still. Bis das in der Finanzwirtschaft aufschlägt, dauert es Monate (da Realwirtschaft stillsteht). Die Krise würde noch schlimmer Inkl. weiteren Arbeitslosen, wenn Finanzwirtschaft negativ.
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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Nur Vermutungen. Ich Vermute die FED hat gigantische Probleme in den Bilanzen. Sie sieht Probleme auf sich zukommen die wir noch nicht einmal erahnen. Hier können wir im Gegensatz zum Corona von wirklich davongaloppoernden Exponetialfunktionen sprechen Die Notenbanken sind nur allmächtig im Geld bereitstellen, nicht aber im Geld verteilen und Kredite erzeugen. Ja die Aktionäre sind viel zu optimistisch, allerdings fehlen eben auch die Alternativen. Vorerst kommt das Gegenteil von eine Inflation.
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