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In den Kitas brodelt es
Aus Rendez-vous vom 23.03.2020.
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Kitas in der Corona-Krise Kinderbetreuungsstätten sind systemrelevant

Wenn die Kinderkrippen geschlossen sind, kommen keine Elternbeiträge rein. Das stellt die Institutionen vor existenzielle Probleme.

Besonders verzweifelt sind die Kita-Verantwortlichen in jenen Kantonen, welche den Betrieb der Kindertagesstätten eingestellt haben. In rund einem Viertel der Kantone ist das der Fall, etwa im Kanton Basel-Stadt. Dort hat die Regierung die Eltern informiert, sie müssten ihre Kita-Beiträge nicht weiterbezahlen.

Kitas hängen im luftleeren Raum

Die Kita-Leitungen fühlen sich vor den Kopf gestossen. Rosa Pilgermann führt mit ihrem Mann die Kita Baselini mit rund 40 Plätzen und 10 Angestellten. Sie sagt: «Von einem Tag auf den anderen war für mich klar, dass wir die Kita schliessen können. Wir sind fassungslos, dass es so gekommen ist.»

Alle Kitas sind verpflichtet, ein Notangebot für Eltern ohne andere Betreuungsmöglichkeit zur Verfügung zu stellen. In ihrer Verzweiflung appellieren sie an die Eltern, ihre Beiträge trotzdem weiterzuzahlen. Auch grosse Organisationen wie zum Beispiel Familycare Basel mit 170 Angestellten und 315 Betreuungsplätzen tun dies.

Kinder brauchen Nähe

Die Kitas in der Schweiz sind zurzeit praktisch leer. Nur noch ein paar Kinder brauchen dieser Tage Betreuung. Dabei seien die Vorgaben des Bundes kaum einzuhalten, sagt Petra Keller. Sie leitet in Biel die städtische Kita Zukunftsstrasse mit 35 Angestellten und 72 Plätzen. «Mit kleinen Kindern sind die Massnahmen des Bundes ein Problem. Die Kleinen brauchen Körperkontakt.»

Umso mehr müssten die Betreuenden Hände waschen, Abstand wahren und Dinge desinfizieren.

Kitas erwirtschaften keinen Gewinn

Am Freitag hat der Bundesrat sein Wirtschaftspaket vorgestellt. Dabei will er Unternehmen rasch Kredite ermöglichen.

Es kann nicht sein, dass wir uns verschulden müssen, wenn der Kanton entscheidet, dass die Vertragsnehmer nicht mehr bezahlen müssen
Autor: Rosa PilgermannLeiterin der Kita Baselini, Basel

Doch Pilgermann aus Basel winkt ab: «Wir wollen keinen Kredit aufnehmen. Es kann nicht sein, dass wir uns verschulden müssen, wenn der Kanton entscheidet, dass die Vertragsnehmer nicht mehr bezahlen müssen.»

Diese Haltung beobachtet Natascha Wey von der Gewerkschaft Vpod auch andernorts. Selbst in normalen Zeiten hätten die Kitas keinen Spielraum, deshalb brauche es Geld à fonds perdu: «Die Kitas haben sehr enge Personalschlüssel und sind auch finanziell oft sehr eng aufgestellt. Es gibt keine Möglichkeit, Gewinne zu erwirtschaften und Kredite zurückzuzahlen.»

Bezahlen ohne Leistung?

Der Dachverband der Kitas empfiehlt, dass die Beiträge weiterbezahlt werden. Die Verunsicherung bei Eltern sei gross, stellt Prisca Mattanza beim Dachverband Kibesuisse fest. Die Vorgaben, wer seine Kinder noch in die Kita bringen darf, seien kantonal verschieden. Klar aber sei: «Wenn Elternbeiträge wegfallen sollten, braucht es andere Lösungen. Die Kantone und die öffentliche Hand sind in der Verantwortung.»

Am vergangenen Freitag sagte auch die Präsidentin der Erziehungsdirektoren-Konferenz, Silvia Steiner, gegenüber SRF, es brauche eine Lösung, denn «es geht um die Existenz dieser Institutionen.»

Kitas sind für die Gesellschaft tragend

Auf eine rasche Klärung hoffen auch die Angestellten und Leitenden der vielen Kitas, die in den letzten Jahren unter anderem mit Bundesgeldern entstehen konnten. Die Baselini-Leiterin sagt es so: «Es braucht noch mehr Bewusstsein dafür, dass eine Kita eine Bildungsinstitution ist und dass da nicht einfach Kinder aufbewahrt werden.»

Unter Corona-Eindruck wird es möglich: Es ist breiten Kreisen bewusst geworden, dass es die Kitas für eine funktionierende Gesellschaft braucht. Sie sind sogenannt systemrelevant.

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Coronavirus und Kinderbetreuung
Aus 10vor10 vom 18.03.2020.
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3 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Fischer  (Peter Fischer)
    Unsere Kinder sind in einer Tagesfamilie. Soll hier die Regel mit 5 Personen gelten? Normalerweise dürfen 5 Kinder da sein, jetzt sind die eigenen Kinder auch zu Hause, was die Kapazität auf 2 Kinder reduziert. Diese Plätze sind belegt, da deren Eltern bei Grossverteilern arbeiten. Sind die Kinder zu Hause, können wir nicht im Home Office arbeiten. Dazu sollen wir noch für nicht bezogene Leistungen bezahlen. Solche Angebote müssen ebenfalls vom Bund gestützt werden, diese sind systemrelevant.
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  • Kommentar von Margarete Fieguth  (musigdösli)
    Und die Spielgruppen?! Was ist mit denen?
    Mal davon abgesehen, dass wir kaum einen Elternbeitrag verlangen können, der einen angemessenen Lohn ermöglich, fallen jetzt auch hier Einnahmen weg und die Löhne sind nicht mehr gesichert. Ein Kredit liegt absolut nicht drin - wie sollen wir den denn zurückzahlen!
    Leider werden wir bei allem immer vergessen ...
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  • Kommentar von Eva Werle  (Eva Werle)
    Pflege, Kinderbetreuung, Lebensmittelversorgung - alles systemrelevant und zum grössten Teil von Frauen geleistet - zum kleinen Geld. Wie kann systemrelevante Arbeit so billig sein?
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