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Legende: Audio Änderungen beim Axel-Springer-Verlag abspielen. Laufzeit 04:57 Minuten.
Aus Rendez-vous vom 16.08.2019.
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KKR kauft Springer-Anteile Das grösste Medienhaus Europas schwächelt

Das deutsche Medienhaus «Axel Springer» ist die Nummer eins in Europa. Zu Springer gehören Titel wie «Bild» oder «Die Welt». In der Schweiz ist «Springer» zusammen mit «Ringier»beim «Beobachter», der «Bilanz» oder der «Schweizer Illustrierten» engagiert.

Nun steigt der US-Investor KKR bei Springer ein. Die Beteiligungs-Gesellschaft hat mehr als einen Viertel des Aktienkapitals erworben. Der Einstieg löst Emotionen aus: «Wir befürchten einen Ausverkauf des Journalismus», sagt Tina Groll, Vorsitzende der deutschen Journalistinnen- und Journalisten Union.

Gordon Gekko als Vorbild

So wie damals als vor gut zehn Jahren KKR beim deutschen TV-Konzern Pro 7 Sat 1 einstieg: «Danach wurde eine erhebliche Anzahl von Stellen gestrichen, vor allem im journalistischen Bereich», erinnert sich Groll.

KKR investiert die 200 Milliarden Dollar seiner Kunden in verschiedenste Unternehmen weltweit mit dem Ziel, eine gute Rendite herauszuholen und dann die Anteile mit Gewinn weiterzuverkaufen. Henry Kravis, einer der Gründer von KKR, soll gar als Vorbild für Gordon Gekko gedient haben, den skrupellosen Finanzhai in Michael Douglas Film «Wall Street», sagen Kritiker.

Logos der Zeitungen von Axel Springer.
Legende: Axel Springer will die Digitalisierung weiter vorantreiben. Keystone

KKR komme als langfristiger Investor und nicht mit dem Ziel, innert kurzer Zeit möglichst viel Profit aus dem Unternehmen herauszuschlagen, sagt hingegen Springer Konzernchef Mathias Döpfner: «Kern der Partnerschaft ist es, die Wachstumsstrategie im publizistischen Bereich und im Bereich digitale Rubriken zu stärken, zu beschleunigen und weiterzuentwickeln.»

Die journalistischen Standbeine von Axel Springer sind längst nicht mehr so erfolgreich wie auch schon. Die Regionalzeitungen in Berlin und Hamburg wurden verkauft und auch bei den verbleibenden Titeln sinken die Leser- und Werbe-Einnahmen, sowohl bei der «Bild-Zeitung» wie auch bei der «Welt».

Nahaufnahme Mann mit Brille und Anzug.
Legende: Man könne nicht alles anbieten, müsse segmentieren und dem entsprechenden Publikum spezialisierte Angebote anbieten, so Medienwissenschaftler Otfried Jarren. Keystone

Anderseits investiert Springer seit Jahren massiv in digitale Angebote, in journalistische ebenso wie in kommerzielle Inserate- und Vermarktungs-Plattformen wie etwa die europaweite Jobbörse Stepstone oder das Immobilienportal Immowelt.

Digitalisierung als Chance

Dieses digitale Geschäft floriert, und hier will Springer nun mit frischem Geld aus den USA noch mehr investieren. Eine logische Entwicklung, so Medienwissenschaftler Otfried Jarren: «Digitale Angebote sind immer günstiger als die vorherigen und die Bereitschaft zu einem Abonnement gering.» Zudem sind die finanziellen Risiken in diesem Bereich gross.

Mit einem neuen Investor im Rücken hofft Springer diese Risiken besser tragen zu können. Denn die Digitalisierung bringe auch für journalistische Angebote Chancen, ergänzt Jarren: «Nicht jeder interessiert sich für eine Vertiefung der Umweltpolitik oder der Landwirtschaftspolitik.» Man könne nicht alles anbieten, müsse segmentieren und dem entsprechenden Publikum spezialisierte Angebote anbieten.

Keine Veränderungen bei Ringier

Solche massgeschneiderten Angebote lassen sich gewinnbringend vermarkten, doch zuerst einmal kostet es viel Geld, sie zu entwickeln. Es wird deshalb interessant zu sehen sein, ob Axel Springer nun zusammen mit KKR auch in diese journalistische Weiterentwicklung investiert.

Mit Interesse beobachtet man den Deal mit KKR auch in der Schweiz, wo das Medienhaus Ringier eng mit Axel Springer zusammenarbeitet. Auf Anfrage heisst es aber bei Ringier, es seien keine konkreten Auswirkungen zu erwarten. Ringier finanziere den Ausbau seines Digitalgeschäfts aus eigenen Mitteln.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
    Die Segmentierung der Leserschaft und das Schaffen spezialisierter Angebote gleichzeitig als "Chance für journalistische Angebote" zu bezeichnen ist m.E. eine Frechheit. Es befeuert die bereits existierenden Meinungsblasen und hat damit mit Journalismus nichts mehr zu tun. Es ist vielmehr eine kurzfristige ökonomische Chance, die die langfristige Wirkung auf die Gesellschaft aussen vor lässt. Was aber ist nun wichtiger?
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  • Kommentar von Samuel Müller  (Samuel Müller)
    Erstaunlich wie wenig die Medien in den Medien interessieren ...
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  • Kommentar von Luzius Brotbeck  (LuziBrot)
    Da wächst zusammen was zusammen gehört! Interessant wie unkritisch hier über die Beteiligung eines US-Konzerns am grössen europäischen Medienhaus berichtet wird. So werden anscheinend, keinerlei Bedenken über zunehmenden US-Einfluss auf unsere Medien berichtet. Wobei der transatlantische Axel-Springer z.T. schon US-/NATO-Propaganda bzw. PR auf den Leim geht.

    Man stelle sich vor, was hier los wäre, würde es sich nicht die USA, sondern China oder Russland an Axel-Springer beteiligen...
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    1. Antwort von Frank Henchler  (Die Wahrheit ist oft unbequem)
      In der Schweiz dasselbe in klein. Wieviele Verlage gehören zu Mr. Propaganda Blocher ?
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    2. Antwort von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
      @Henchler: Sie nennen nur ein Beispiel. Tamedia, AZ Medien und ähnliche Schwergewichte gehören in dieselbe Kategorie. Zudem gestehe ich heute ein, die Folgen der Kontrollübernahme der BaZ und verschiedener Regionalzeitungen durch CB falsch eingeschätzt zu haben. Als regelmässiger Konsument von Onlineartikeln der BaZ und der "BaZ Standpunkte" im srf sage ich heute, dass sich diese trotz Markus Somm als Chefredaktor deutlich geringer in Richtung SVP-Propaganda entwickelt haben als befürchtet.
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