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Knickt Google vor China ein? «Google muss die Bedenken ernst nehmen»

Der Suchmaschinen-Gigant sei auf seine hochtalentierten Spezialisten angewiesen, sagt SRF-Digitalexperte Peter Buchmann.

Legende: Audio Google will nach China zurück – eine Einschätzung abspielen. Laufzeit 03:15 Minuten.
03:15 min, aus SRF 4 News aktuell vom 17.08.2018.

Die Google-Angestellten wehren sich gegen eine allfällige Expansion nach China. Am Freitag überreichten sie der Konzernleitung einen Protestbrief. Zurzeit ist Google im grossen Markt China gesperrt. Nun spielt Google mit dem Gedanken, die Zensurvorgaben zu akzeptieren. Einschätzungen zum möglichen Kotau des Suchmaschinen-Giganten vor Peking von SRF-Digitalredaktor Peter Buchmann.

Peter Buchmann

Peter Buchmann

SRF-Digitalredaktor

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Peter Buchmann arbeitet seit 2013 bei der SRF-Digitalredaktion. Zuvor war er als Entwickler tätig. Buchmann blickt auf ein Studium der Japanologie, Sinologie und Informatik zurück.

SRF News: Was erhofft sich der Google-Konzern von einer Rückkehr nach China?

Peter Buchmann: China ist tatsächlich der grösste Markt, was die Zahl der Internetnutzer betrifft. Fast 800 Millionen Menschen haben Zugang zum Internet, mehr als die Zahl der Nutzer in den USA und Europa zusammen. Auch wenn die Kaufkraft der chinesischen Konsumenten nicht jener der Menschen im Westen entspricht, ist China ein attraktiver Markt. Und zwar auch für andere Internetkonzerne wie Facebook oder Twitter, die ebenfalls aus dem chinesischen Markt ausgesperrt sind.

China hat zensurierte Suchmaschinen wie beispielsweise Baidu. Welche Chancen hat Google überhaupt?

Das ist schwierig abzuschätzen. Google äussert sich offiziell nicht zu den Plänen. Einerseits hat Google tatsächlich harte Konkurrenz in China. Diese hat jahrelang davon profitiert, dass Google und andere westliche IT-Konzerne abwesend waren. Anderseits hat Google sehr grosse Erfahrung mit Suchmaschinen und verfügt weltweit über eine gigantische technische Infrastruktur. In einem Schreiben wies Google-CEO Sundar Pichai darauf hin, das Projekt noch in einer sehr frühen Phase und nicht wirklich spruchreif sei. Er spricht von einem Forschungsprojekt. Es ist gut denkbar, dass die Google-Führung genau solche Abwägungen auch vornimmt.

Haben die Google-Angestellten überhaupt eine Chance mit ihrem Protest?

Die Google-Mitarbeitenden protestieren nicht das erste Mal wegen moralischer und ethischer Bedenken. Im April äusserten sie sich kritisch zu einem Auftrag des Pentagons. Die Mitarbeiter wollten nicht an Software arbeiten, die für etwas gebraucht wird, bei dem sie nicht dahinterstehen können. Google muss die Bedenken ernst nehmen, denn das Unternehmen ist auf die hochtalentierten Spezialisten angewiesen. Vereinzelten Mitarbeitende kündigten wegen des Pentagon-Auftrags, worauf sich Google vom Projekt zurückgezog.

Das Unternehmen ist auf die hochtalentierten Spezialisten angewiesen.
Autor: Peter BuchmannSRF-Digitalredaktor

Google muss also versuchen, den Konflikt mit den Angestellten zu lösen. Das ist sicher keine leichte Aufgabe. Aber Google kämpft nun wirklich nicht ums Überleben und kann es sich leisten, auf gewisse Projekte zu verzichten.

Das Gespräch führte Joël Hafner.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Berner (Markus Berner)
    Ich finde es hervorragend und bemerkenswert, wenn sich Mitarbeiter einer Firma für moralische Grundsätze ihres Betriebes einsetzen. Denn letztlich sind es die Mitarbeiter, welche moralisch fragwürdige Tätigkeiten ihres Betriebes umsetzen, und diese Mitarbeiter müssen solche Tätigkeiten vor ihrem Gewissen verantworten. Manche Mitarbeiter von Banken (fördern von Steuerhinterziehung), Rüstungsunternehmen etc. sollten sich von den Google-Angestellten ein Beispiel nehmen.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Warum diese ganze Aufregung, die westliche Hemisphäre unter den GAFAMS tut so als hätte sie die Freiheit gepachtet, wo wir doch gerade diese "gratis und ach so bequeme" Internetdienste mit unserer Freiheit bezahlen? Also ist es eigentlich Hans was Heiri und einmal mehr nur die ewig künstliche kleine Empörung über Werte die wir für ein paar Peanuts freiwillig oft schon längst hergegeben haben und es nicht einmal merken, das sie uns nach und nach abhanden kommen und sind ....
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    1. Antwort von Martin Friedlin (martinfriedlin)
      Für die meisten Kommentare zu Artikeln auf diesem Portal, gäbe es in China eine Runde Gefängnis. Je nach Äusserung droht auch etwas Umerziehung. Oder Sippenhaft. Das ist schon ein anderes Kaliber, nicht?!
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    2. Antwort von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
      Herr Friedlin, glauben Sie nicht alles was die Propaganda gegen China so erzählt. Leute wie Sie und ich würden schlimmstenfalls erreichen, dass ihr online Profil gesperrt wird. Aber nicht mit so harmlosen Kommentaren die es durch Nettikette schaffen. Da wird viel übertrieben zu China.
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  • Kommentar von Samuel Müller (Samuel Müller)
    Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing.
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