Zum Inhalt springen

Wirtschaft Korruptionsfall Panalpina: «Wir waren zu wenig vorbereitet»

Als Chefin des Logistik-Konzerns musste Monika Ribar sich mit einem Schmiergeld-Fall in Nigeria beschäftigen – und ihn lösen. In «ECO» sagt sie, was das für sie hiess: Vollzeit Arbeit mit Juristen, Hunderte Millionen an Kosten und das Potenzial, den gesamten Konzern zu gefährden.

Legende: Video Monika Ribar zum Korruptionsfall bei Panalpina 2007 abspielen. Laufzeit 3:56 Minuten.
Aus ECO vom 04.05.2015.

«Ich war im Urlaub mit meinem Mann und habe nach dem Essen gesehen, dass ich einen Anruf von unserem Chefjuristen hatte. Ich habe gesagt: ‹Das ist kein gutes Zeichen›.» So beschreibt Monika Ribar im «ECO»-Studio den Moment, in dem sie vom Korruptionsfall das Unternehmens erfahren hat, an dessen Spitze sie stand.
Von 2006 bis 2013 war Ribar CEO des Logistik-Konzerns Panalpina. Das Basler Unternehmen ist global tätig und beschäftigt mehr als 16'000 Mitarbeiter.

Schmiergelder für nigerianische Zollbeamte

In ihrem zweiten Amtsjahr wurde bekannt, dass nigerianische Zollbeamte über Jahre Schmiergeld erhalten hatten. Der Basler Konzern erledigte für Ölfirmen auch Zollformalitäten. Ob nur Panalpina-Kunden oder auch Panalpina-Mitarbeiter fehlbar gewesen waren, ist unklar. Die Vorwüfe wurden 2010 gegen eine Busse fallengelassen.

Die ersten Handlungen Monika Ribars: Sie lieferte dem US-Justizdepartment DOJ, das aktiv geworden war, Informationen. «Und auf der anderen Seiten arbeiteten wir mit dem einzigen Instrument, das wir damals hatten: mit der internen Revision.» Auf 300 Mio. Franken beziffert das Unternehmen die Kosten für die Bearbeitung dieses Falls.

Gefährdung für gesamtes Unternehmen

Monika Ribar hat eine zeitlang alle anderen Aufgaben als CEO abgegeben und sich ausschliesslich auf den Fall konzentriert. Dies sei eine bewusste Entscheidung gewesen. So sei nicht die gesamte Konzernleitung damit beschäftigt gewesen.

Auf Reto Lipps Nachfrage, ob dieser Fall die Existenz des gesamten Unternehmens hätte gefährden können, sagt sie: «Ja, auf jeden Fall.» Und: «Damals waren wir sicherlich nicht genügend vorbereitet.» Heute verfüge Panalpina über ein eigenes System zur Korruptions-Sensibilisierung.

Zero Tolerance

Grosse Konzerne betreiben heute in der Regel Compliance-Abteilungen. Diese rapportieren an die obersten Führungsebenen. Für Monika Ribar gibt es im Bereich Schmiergeld und Bestechung nur eine Lösung: «Zero tolerance. Das heisst: Es darf niemand so etwas tun. Es darf niemand bezahlen.» Dies müsse in der Compliance-Abteilung bis ganz nach oben gehen, um dem Mitarbeiter den Rücken zu stärken - «auch wenn man Gefahr läuft, dass man das Geschäft verliert.»

«Am Ende ist das Unternehmen, die Geschäftsleitung, der Verwaltungsrat dafür verantwortlich, ein System zu bauen, das solche Themen abgedeckt sind», sagt Monika Ribar. In allen Verwaltungsräten, in denen die 55-Jährige heute sitzt, sei die Sensibilisierung auf Korruption ein Thema. Namentlich sind das SBB, Swiss, Lufthansa, Logitech und Sika.

Compliance

Eine Compliance-Abteilung hat die Aufgabe, die Einhaltung von Verhaltensmassregeln, Gesetzen und Richtlinien in Unternehmen sicherzustellen.

1 Kommentar

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Panalpina hat jahrelang die Zollformalitäten sehr vieler internationaler aber auch grossen nationalen Firmen in Nigeria "miterledigt". Dadurch hatte diese Firma fast einen uneingeschränkten Einblick über die Importe in dieses Land und nutzte diese Stellung zur Absicherung der lukrativen Transportgeschäfte aus der westlichen Hemisphäre. Als die Sache dann durch die amerik. Justiz untersucht wurde, habe ich bei mir gedacht: Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen