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Krankenversicherung kneift Wenn die Zusatzversicherung nicht mehr zahlt

Legende: Video Helsana: Zusatzversicherung zahlt nicht mehr abspielen. Laufzeit 5:28 Minuten.
Aus ECO vom 05.02.2018.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Immer mehr Menschen nutzen Therapieangebote der Komplementär- und Alternativmedizin.
  • Wer als Patient dabei nicht sämtliche Kosten selber tragen will, braucht eine Zusatzversicherung.
  • Die Helsana bietet eine Kostenübernahme von 75 Prozent an.
  • Doch seit einem guten Jahr streicht Helsana einzelne Therapeuten von der Liste, beispielsweise Osteopathen. Begründung: Sie seien zu teuer.

Damit erhalten betroffene Kunden keine Rückvergütung mehr, sprich sie bezahlen die gesamten Kosten aus eigener Tasche. So ergeht es jetzt den Patienten von Michael Stadler. Er ist einer von knapp 100 Osteopathen, welche Helsana von ihrer Therapeutenliste gestrichen hat.

«Helsana hat ganz konkret Zahlen kommuniziert, das heisst, man muss seine Tarife anpassen, wenn man auf der Helsana-Liste bleiben wollte», so Michael Stadler.

Michael Stadler
Legende: Michael Stadler: «Man muss seine Tarife anpassen, wenn man auf der Helsana-Liste bleiben will.» SRF

Anpassen heisst in diesem Fall: Der Krankenversicherer hat von ihm verlangt, seinen Behandlungstarif von 150 auf 130 Franken zu senken. Das Vorstandsmitglied des Schweizerischen Verbandes der Osteopathen wollte sich dem Preisdiktat nicht fügen.

Besonders betroffen seien viele Osteopathen, welche in grösseren Ballungsräumen praktizieren: «Naturgemäss gibt es Preisunterschiede, was gewisse Regionen betrifft, Stadt zu Land etwa». Dies habe Helsana nicht berücksichtigt.

Angst vor Qualitätseinbussen

Um heute als Osteopath anerkannt zu werden, braucht es laut Michael Stalder ein fünfjähriges Studium auf Masterstufe. «Das heisst, die Hürde Osteopath zu werden ist relativ hoch» sagt er im «ECO»-Interview.

Der Verband befürchtet eine Qualitätseinbusse bei den Behandlungen, da etliche qualifizierte Osteopathen von der Helsana aus der Therapeuten-Liste gestrichen wurden.

Erika Ziltener von der Patientenstelle Zürich.
Legende: Erika Ziltener, Patientenstelle Zürich: «Qualität und Sicherheit der Patienten gefährdet.» SRF

Dies sieht auch Erika Ziltener von der Patientenstelle Zürich so. «Wenn ein Berufsverband wie die Osteopathen eine Bewilligung haben für ihre Tätigkeit, dann heisst das, dass sie die Weiterbildung, die Ausbildung, und die Infrastruktur haben, um Patienten qualitativ hochstehend zu behandeln.»

Erika Ziltener sieht gar die Patientensicherheit gefährdet: «Wenn nun eine Versicherung sagt, wir akzeptieren dies nicht, wir nehmen günstigere, dann ist genau diese Qualität und die Sicherheit der Patienten und Patientinnen gefährdet.»

Krankenvesicherer Helsana
Legende: Krankenvesicherer Helsana: Vorgehen sei rechtens. SRF

Helsana ihrerseits erklärt, ihr Vorgehen sei rechtens. Sie schreibt: «Die getroffenen Massnahmen (…) sind vollkommen gerechtfertigt in Bezug auf die überhöhten Tarife einer Minderheit der Therapeuten. Diese Massnahmen beeinträchtigen die Patientensicherheit in keiner Weise.»

Angst vor wirtschaftlichen Folgen

Betroffen sind nicht nur Osteopathen. Auch Naturheilpraktiker, Kunsttherapeuten, Shiatsu-Therapeuten, Kinesiologen, – diverse Komplementär-Therapeuten erhielten Schreiben von Helsana mit der Aufforderung, die Tarife zu senken.

Rudolf Happle ist Geschäftsführer der Organisation der Arbeitswelt Alternativmedizin Schweiz. Der Dachverband vertritt unter anderen Fachbereiche wie Homöopathie und Traditionelle Chinesische Medizin.

Rudolf Happle
Legende: Rudolf Happle: «Ein Therapeut ist in der Regel selbständig tätig und damit auch ein Unternehmer.» SRF

Rudolf Happle weiss von etlichen Therapeuten, welche auf die Forderungen der Helsana eingegangen sind - aus Angst vor wirtschaftlichen Folgen. «Ein Therapeut ist in der Regel selbständig tätig und ist damit auch ein Unternehmer», so Rudolf Happle. Er müsse seine Praxis einrichten und seinen Unterhalt verdienen.

Das Vorgehen seitens Helsana kann sich Rudolf Happle nur folgendermassen erklären: «Helsana verkauft ihren Kunden ein Produkt, bei dem 75 Prozent der Leistungen vergütet werden.

Das heisst, je höher der Stundensatz eines Therapeuten ist, umso mehr muss Helsana vergüten.» Viele andere Krankenversicherer rechnen im Bereich der Komplementär- und Alternativmedizin anders ab: Sie erstatten beispielsweise pro Jahr eine maximale Kostenvergütung. Oder eine Pauschale für eine Behandlungsstunde. So weiss der Patient von Beginn weg, was es selber zahlen muss.

Weniger Auswahl in Alternativmedizin.
Legende: Wird der Therapeut von der Liste gestrichen, geht das zu Lasten der Helsana-Kunden. SRF

Helsana zeigt sich an einer solchen Methode nicht interessiert. Sie hält fest: «Wir vergüten keine Kostenpauschale pro Sitzung und/oder ein maximales Kostendach pro Jahr. Wir übernehmen die Kosten für medizinisch indizierte Behandlungen bei von uns anerkannten Therapeuten bzw. Therapiemethoden zu 75 Prozent.»

Doch wird der Therapeut von der Liste gestrichen, geht das zu Lasten der Helsana-Kunden. Sie müssen die Therapeuten ihrer Wahl dann zu 100 Prozent selber bezahlen.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Der Menschen-Ausbeutungsfluch mit den Kranken-Versicherungen - und wann handeln die teuren Zuständigen im "Gesundheits-Un-Wesen" der Schweiz: BAG, Gesundheitsdirektoren (?), Prralament/Politik, Bundesrat und stoppen endlich diesen "Wahnsinn"??
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  • Kommentar von Alain Terrieur (Imhof)
    DEMOKRATIE = DAS VOLK ZAHLT !!!
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  • Kommentar von Christoph Heierli (help)
    Hätte man vor 50 Jahren die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen,würde man heute die Gesundheitskosten auch im vernünftigen Rahmen abwickeln. Politiker reden dauernd davon das der Markt es schon richte.Dies ist ein Irrglaube und hat nie gestimmt. Irgend jemand wird sich bei ungenügender Kontrolle immer finanziell(auf Kosten anderer)Gesund stossen.Dieser Rahmen muss vom Staat her korrigiert und verbessert werden. Dabei dürfen alle gewinnorientierten Markt- Beteiligte nicht einbezogen werden.
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