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Matteo Antonini: «Die meisten Temporären bekommen keine Festanstellung»
Aus News-Clip vom 01.12.2020.
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Kritik der Gewerkschaft Spart die Paketpost auf dem Buckel der Arbeitnehmenden?

Pakete, Pakete, Pakete: In den Paketsortierzentren der Post läuft so einiges. Doch die Kritik wird immer lauter.

Die Paketpost ist nicht erst seit Ausbruch der Corona-Pandemie gefragter denn je. Der Online-Handel nimmt stark zu, entsprechend steigt das Volumen in den Paketsortierzentren der Post.

Dort sortieren zurzeit rund 50 Prozent Temporärangestellte die Pakete. Das kritisiert die Gewerkschaft Syndicom. Statt mit mehr Festangestellten spare die Post auf dem Buckel der Temporärangestellten.

Rund die Hälfte sind Temporäre

Zwar hat die Post dieses Jahr 400 Vollzeitstellen geschaffen, aber zusätzlich hat die Post in diesem Jahr 1'500 Temporärarbeitskräfte eingesetzt. Laut Post waren diese zwischen zweieinhalb und fünf Monaten beschäftigt.

Post-Konzernchef Roberto Cirillo rechtfertigt den hohen Anteil Temporäre mit dem schwankenden Paketvolumen und sagt: «50 Prozent ist zu vergleichen mit der Tatsache, dass wir dieses Jahr mehr als 40 Prozent Spitzen haben.» Diese Spitzen würden sich über kurze Zeiten bilden. Dafür brauche es entsprechend viele Temporärarbeitskräfte.

Dieser Grund sei vorgeschoben, um Kosten zu sparen, und das Risiko von Krankheits- und Unfallausfällen auf die Angestellten abzuwälzen, kritisiert die Gewerkschaft Syndicom. Zwar gilt auch für Leiharbeiter, die über einen Personaldienstleister vermittelt werden, der GAV zumindest teilweise.

Damit lagere die Post alle Risiken allerdings auf den Personalverleiher und die Temporärarbeitskräfte aus. Diese würden zum Mindestlohn arbeiteten, sagt Matteo Antonini, der den Sektor Logistik bei der Gewerkschaft Syndicom leitet. Er begründet dies damit, dass das Wachstum bei den Festangestellten deutlich tiefer sei, als bei den Temporären.

Vergebliche Hoffnung auf Festanstellung

Dies habe zur Folge, dass die Temporärarbeitskräfte meistens keine Festanstellung erhalten, obwohl jeder Zweite darauf spekuliere. In diesem Jahr haben gerade einmal 87 Temporäre eine Festanstellung und 52 eine befristete Anstellung in den Sortierzentren erhalten.

Stossend empfindet die Gewerkschaft die Regelung, wonach eine Temporärarbeitskraft erst nach 12 Monaten mit einer Festanstellung rechnen kann. Es komme vor, dass an einem Job interessierte Menschen danach bis zu dreimal mit einem befristeten Halbjahresvertrag beschäftigt werden, bis es zu einer Festanstellung kommt. Dies soll sich mit dem neuen GAV, der ab 2021 in Kraft tritt, ändern.

Prekäre Arbeit stoppen, Menschen fest anstellen

Es sei an der Zeit, dass die Post aufhöre, auf dem Buckel der Arbeitnehmenden Personalkosten zu sparen, fordert die Gewerkschaft. Das Wachstum sei strukturell, und nicht nur phasenweise. Deshalb soll die Post mehr Arbeitskräfte fest anstellen und so ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen, sagt Matteo Antonini von der Gewerkschaft.

Die Post könne nur so planen, dass übers Jahr gesehen genügend Mitarbeitende bereit seien, sagt Post-Konzernchef Roberto Cirillo. Nur dank dieser Praxis rentiere die Paketpost: «Damit können wir überhaupt die Wirtschaftlichkeit und die längerfristige Nachhaltigkeit unserer Aktivität sicherstellen.»

Die Gewerkschaft fordert die Paketpost auf, mit allen Temporärarbeitskräften nach drei Monaten ein Gespräch zu führen, ob diese eine Chance auf eine Festanstellung haben.

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Prekäre Lage für Postangestellte
Aus 10 vor 10 vom 02.12.2020.
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10vor10, 02.12.2020, 21:50 Uhr

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Es gibt auch viele Temporärangestellte in anderen Arbeitsbereichen die jahrelang in dieser Anstellung arbeiten, obwohl Festanstellung versprochen ist es nie dazu gekommen. Solche Mitarbeiter werden ausgenutzt zum kleinen Lohn ohne jegliche Sicherheiten. Es braucht ein Gesetz, dass Festanstellung stattfinden muss nach 6-12 Monaten Anstellung. Auch die Temporäbüros sollten da mithelfen.
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  • Kommentar von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
    Die Gewerkschaften Taten gut daran, statt Veränderungen zu bekämpfen, Einfluss zu nehmen zum diese Veränderungen positiv zu beeinflussen oder sogar mit zu gestalten.
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  • Kommentar von Werner Aeschlimann  (wernz)
    Unser Unternehmen hat sich vor einem Jahr von den günstigen Paketdiensten verabschiedet hin zur Post. Sehr viele Schadenfälle, Arbeitsbedingungen usw. Liebe User, sie wissen schon wer wie viel für ein Paket bezahlen will? Wir haben aktuell und ganz neu, den manuellen Verarbeitungs Paketzuschlag eingeführt. Wer den bezahlt, erhält warhrscheinlich ein ganzes Paket. Die anderen sollen in China bestellen.
    Untenehmen u Konsumenten stehen in der Verantwortung, dann über die Post schimpfen.
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    1. Antwort von Javier López  (Javier López)
      Die Qualität der Privaten reicht heute nicht an derjenigen der Post. Bei Online Bestellungen achte ich auf die Schweizer Post als Lieferant.
      Jedoch verglichen mit der Servicequalität der PTT ist die Post von heute ein übriggebliebenes Häufchen Sand.
      Zwei Dinge meide ich: Den Post- und den SBB-Schalter. Grund: Lange Wartezeiten für Bagatellen. Es gibt bei beiden keinen Expresssschalter für Banales wie Briefmarken kaufen oder einfache Sendungen aufgeben. Beratung und Alltag gehören getrennt.
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