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Kurs fällt Schwächt China im Handelskrieg seine Währung ab?

Legende: Audio Leidet China unter einer Kapitalflucht? abspielen. Laufzeit 03:41 Minuten.
03:41 min, aus Echo der Zeit vom 08.07.2018.

Seit Mitte Juni ist der Kurs der chinesischen Landeswährung Renminbi im Verhältnis zum Dollar um über vier Prozent gefallen. Analysten spekulieren bereits darüber, ob es sich um eine Retourkutsche der Chinesen im Handelsstreit mit den USA handeln könnte. Eine bewusste Abwertung also, um die chinesischen Exporte billiger zu machen – denn es ist kein Geheimnis, dass der chinesische Staat beim Kurs der eigenen Währung noch immer die Hände im Spiel hat.

Doch eine so starke Abwertung passe eigentlich nicht mehr zu Chinas Wirtschaftspolitik, sagt Christa Janjik-Marti, Ökonomin und Schwellenländer-Expertin bei Wellershoff und Partners. «Das ist eine hohe Abwertung, wenn man sich bewusst ist, dass die Chinesen die Währung nie um mehr als 0,2 oder 0,3 Prozent im Tag auf- oder abwerten lassen».

China setzt auf Konsumenten im eigenen Land

Die Zeiten sind also längst vorbei, als die chinesische Regierung das Export-Wachstum mit einer künstlich verbilligten Währung ankurbelte. Vor Jahren hat die Regierung den Kurs geändert: Seitdem soll die Wirtschaft nachhaltiger wachsen, weniger auf Exporte setzen, dafür mehr auf die Konsumenten im eigenen Land. Dass die Wirtschaft dadurch langsamer wächst, nimmt China in Kauf.

Darum spricht vieles dagegen, dass die Regierung jetzt plötzlich wieder massiv interveniert. Das würde den neuen Kurs komplett auf den Kopf stellen. Darum sagt der Ökonom und China-Kenner Horst Löchel von der Frankfurt School of Finance: «China hat kein Interesse an einer stark abwertenden Währung unabhängig von einem Handelskrieg mit den USA.»

China hat kein Interesse an einer stark abwertenden Währung unabhängig von einem Handelskrieg mit den USA.
Autor: Horst LöchelFrankfurt School of Finance

Der Kursrutsch lasse sich wohl eher auf die schwächelnde chinesische Wirtschaft zurückführen, meint Löchel. Dadurch seien viele Investoren verunsichert. Der eskalierende Handelsstreit vergrössere diese Unsicherheit noch. Und führe dazu, dass die Investoren ihr Geld in Sicherheit bringen. Klassische Kapitalflucht also – raus aus China und dem Renminbi, rein in den US-Dollar, der dank boomender US-Wirtschaft und steigenden Zinsen immer attraktiver wird. Ökonom Horst Löchel sagt dazu: «Die Zinsspanne geht einfach auf und wenn ich risikofrei in US-Dollar einen gewissen Betrag zurückbekomme und die Zinsen zwar ein bisschen höher sind als in China, aber mit deutlich höherem Risiko, dann gehen Investoren in die USA zurück». Das sei völlig klar, insbesondere bei ausländischen Investoren oder reichen Chinesen, die Wege fänden, ihr Geld ins Ausland zu schaffen – und damit vorbei an den chinesischen Kapitalkontrollen.

Kapitalflucht in die USA

Es ist eine ironische Fussnote, dass das Kapital aus China ausgerechnet Richtung USA fliesst, in Richtung des Aggressors. China ist also doppelt gebeutelt. Durch den Handelsstreit mit den USA und die Kapitalflucht. Das ist bitter für die zweitgrösste Wirtschaftsmacht der Welt, denn Chinas Wirtschaft ist auf ausländisches Kapital dringend angewiesen.

Ob der Kurs der chinesischen Landeswährung weiter sinkt, ist derweil schwer vorherzusagen. Dafür spreche, dass der Renminbi im Vergleich zu anderen Schwellenländer-Währungen immer noch zu teuer sei, sagt Christa Janjik-Marti. «Der Renminbi ist eine teure Währung. Da kann der Herr Trump noch so lange sagen, wie er will, dass China ein Währungsmanipulator ist». Der Wahrheit entspreche es trotzdem nicht.

Der Renminbi ist eine teure Währung. Da kann der Herr Trump noch so lange sagen, wie er will, dass China ein Währungsmanipulator ist.
Autor: Christa Janjik-MartiÖkonomin und Schwellenländer-Expertin bei Wellershoff und Partners

Horst Löchel will sich da hingegen nicht festlegen. «Wenn es normal läuft, glaube ich nicht, dass sich der Renminbi weiterhin stark abwertet – sofern meine These stimmt und China nicht hinter der Abwertung steckt, um die USA im Handelsstreit zu schwächen.» Fazit: Es gibt wohl einfach zu viele Unbekannte in diesen unsicheren Zeiten.

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