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Mehr Lohn dank Fairtrade-Weihnachtssternen
Aus Rendez-vous vom 23.12.2019.
abspielen. Laufzeit 04:37 Minuten.
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Langer Weg zum gerechten Lohn «Faire» Weihnachtssterne aus Uganda – ein kleiner Anfang

Fairtrade ist gut, doch existenzsichernde Löhne schafft es kaum. Das zeigt der Blick auf eine Blumenfarm in Ostafrika.

Weihnachtssterne gehören in der Vorweihnachtszeit zu den beliebtesten Zimmerpflanzen. Ihr Anfang liegt meist in Afrika, wo die Stecklinge gezogen werden. Weihnachtssterne gibt es seit einigen Jahren auch als Fairtrade, Coop etwa hat sein Sortiment entsprechend umgestellt.

Dank den höheren Preisen sollen sich Arbeiter auf dem Feld ein besseres Leben leisten können. Das jedenfalls ist das Ziel. Doch was heisst «besseres Leben»?

Fairtrade und «Living wages»

Der Holländer Olav Boenders betreibt in Uganda die Blumenfarm Wagagai und hat einen Traum: Er möchte seinen rund 2500 Angestellten Löhne zahlen, die weit über dem Durchschnitt liegen, sogenannte «Living wages». Das sind Löhne, die über den üblichen Fairtrade-Löhnen liegen. Monatslöhne, die etwas Reserve einkalkulieren. Um etwas zu sparen oder um sich ein Haus zu kaufen.

In Zahlen hiesse das für Wagagai, das Angestellte pro Monat umgerechnet etwa 150 Franken verdienen müssten. Das ist doppelt so viel wie unter den aktuellen Fairtrade-Bedingungen und etwa fünfmal so viel wie in Uganda durchschnittlich auf den Feldern bezahlt wird.

Profitabel trotz Fairtrade, ist das machbar

Auf dem Papier sei das eine einfache Rechnung, sagt Boenders. Den meisten Leuten, denen er von seinem Traum erzähle, stellten ihm denn auch die einfache Frage, warum er das nicht einfach bezahle. Die Antwort: «Auch das Geschäft mit den Fairtrade-Pflanzen muss profitabel sein. Wenn ich einfach draufzahlen würde, wäre im morgen bankrott.»

Wenn ich einfach draufzahlen würde, wäre im morgen bankrott.
Autor: Olav BoendersBlumenfarm Wagagai, Kampala, Uganda

Mehr aus der eigenen Tasche bezahlen geht also nicht. Boenders hat aber einen Verbündeten gefunden. Einen Importeur, der pro Steckling knapp das Doppelte bezahlt. Mit dem zusätzlichen Geld kann er den untersten Einkommensklassen schon mal einen zusätzlichen Lohn bezahlen.

Nur ein kleiner Bruchteil ist Fairtrade

Damit alle Arbeiterinnen und Arbeiter profitieren, müsste Boenders aber viel mehr Stecklinge verkaufen. Bisher tragen nämlich nur zwei Prozent der Stecklinge das Label Fairtrade. Alle anderen werden ohne die Fairtrade-Prämien exportiert.

Wie aber den Absatz steigern bei Produkten, die teurer sind als andere? Darüber zerbricht sich momentan auch Melanie Dürr von der Fairtrade-Stiftung Max Havelaar den Kopf. «Das Projekt für Lohnverbesserungen ist ganz zentral für Fairtrade. Wir möchten die Löhne hin zu Living wages verbessern.»

Wir möchten die Löhne hin zu «Living wages» verbessern.
Autor: Melanie DürrStiftung Max Havelaar, Abteilung Pflanzen

Im Wege stehen da unter anderem die Mindestlöhne in Uganda, die weit unter den Fairtrade-Löhnen liegen. Die Anreize für die günstige Produktion sind zu gross. Boenders hofft darum, dass die Billigkonkurrenz umdenkt – ein frommer Wunsch, wie er selbst eingesteht.

Ausweitung auf andere Produktegruppen

Doch Verbesserungen erhofft er sich Boenders auch durch die Zusammenarbeit mit Zertifizierungsstellen wie Max Havelaar. Denn dort werden die Erkenntnisse aus Uganda gesammelt und auch auf andere Produktegruppen übertragen.

Was sich bei welchen Produkten ändern müsse und wo wer wie viel am Preis schrauben könnte, sei noch nicht klar, sagt Dürr: «Da braucht es noch einige Analysen, was der fehlende Betrag ist und wo wir den wie dazuschlagen können.»

Das letzte Wort haben...

Entscheiden über den Preis muss aber letztlich der Handel respektive die Konsumentenschaft. Und so hofft Boenders, dass seine Botschaft gehört wird. Und das nicht nur vor Weihnachten. Denn Weihnachtssterne gibt es auch dann, wenn die feierliche Stimmung längst aus den Wohnzimmern verschwunden ist.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Die Schweiz, negiert noch immer (2020) die Gleichberechtigung in der Arbeitswelt lohnmässig von Frau und Mann!? Was kümmert da die gleiche Gesellschaft, Ausbeutung von Natur - Tier und Mensch weltweit! Hauptsache "ICH" kriege/habe alles, was "ICH" will.
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    1. Antwort von Stefan Trasser  (chiggifan)
      @begulide: Da kommt ein Bericht von einem Land, in dem 90% ohne Strom und sauberes Wasser leben, wo von Gleichberechtigung noch keine Rede sein kann, wo viele Menschen noch an einfachen Krankheiten wie Malaria sterben. Es geht darum, wie jemand diesen Menschen ernsthaft zu helfen versucht. Und was meinen Sie dazu? Sie jammern über ein paar Lohnprozente, die je nachdem welche Faktoren berücksichtigt werden, sowieso aus der Statistik verschwinden.
      Schweizer Feminsmus, gratuliere. Egoismus pur
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    2. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Trasser, das ist nicht Ihr Ernst. Dass wir in unserem Kontinuum denken, ist völlig normal. Ichkann doch in Uganda nichts bewirken, will ich ehrlich gesagt auch nicht. Zudem hilft es den Frauen in Uganda auch nicht, wenn ich auf meine Rechte aus Gleichberechtigung verzichte. Bitte Bedürfnispyramide von Maslow studieren, danach massregeln. Ihr Kommentar, Ihre Denkweise, ist völlig daneben. Völlig.
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    3. Antwort von Samuel Müller  (Samuel Müller)
      Herr Trasser hat absolut recht. „Fairness“ ist enorm relativ. Es gibt zunehmend Leute die davon träumen, dass auf der ganzen Welt Wohlstand herrscht. Aber der lange (unmögliche) Weg dahin würde die Welt noch viel schneller zerstören. Das humanitäre Dilemma. Die Zivilisation hebt uns ab von der Natur und wir wollen zurück zur Natur? Nicht zu vergessen: Die Natur ist brutal und gerecht, der Starke überlebt der Schwache wird gefressen. Mutter Natur ist keineswegs humanitär. Also wohin?
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  • Kommentar von Eva Werle  (Eva Werle)
    da ist die politik gefragt. sie muss regulierend eingreifen und faire mindestlöhne festsetzen. und die frage ist: was versteht der unternehmer unter "rentabel"? ich nehme an, das geschäft wirft für ihn mehr als die 150 franken ab, oder? man kann entweder an den gewinnmargen schrauben oder den verbraucher zur kasse bitten oder an beiden seiten ansetzen. aber faire löhnen müssen pflicht werden. da ist der öko-aspekt noch nicht berücksichtigt.
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    1. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Sie meinen die lokale Politik.Also diejenige in Uganda. Etwas anderes wäre der gesetzeswidrige, unethische Eingriff in die innerstaatliche Angelegenheit eines Staates. Es ist nicht unsere Verantwortung, hierfür gerade zu stehen. Zumindest nicht als Schweizer Zivilgesellschaft.
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    2. Antwort von Eva Werle  (Eva Werle)
      es sei denn, es handelt sich um schweizer firmen.... stichwort konzernverantwortungsinitiative
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  • Kommentar von Ursula Jost  (Uschi)
    Von wegen Fairtrade, dass ich nicht lache.
    Ich habe eigene Erfahrungen mit sogenannten fairen Handel machen können.
    Der Kunde wird zur Kasse gebeten, die Produzenten erhalten minimalste Entlohnung.
    Es weiss nur meist niemand und die Kunden erwarten zu Recht für ihr gutes Geld, dass die Produkte fair bezahlt wurden.
    Leider ist es nur eine moderne Masche um sich die Taschen zu füllen!
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