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Langstrecke im Visier Verdrängungskampf am Himmel

In der Luft tobt ein gnadenloser Kampf um Preise und Marktanteile. Kurzstreckenflüge kosten heute teilweise nur noch wenige Franken. Nun soll sich auch für Langstreckenflüge das Billigkonzept durchsetzen.

Legende: Video Preiskampf der Airlines abspielen. Laufzeit 02:48 Minuten.
Aus 10vor10 vom 22.10.2018.

In der Luft tobt ein gnadenloser Kampf um Preise und Marktanteile. Allein in diesem Jahr sind in Europa fünf Fluggesellschaften Konkurs gegangen. Und jetzt kämpft selbst der erfolgreiche irische Low-Cost-Carrier Ryanair mit sinkenden Einnahmen. Das zeigen die am Montag kommunizierten Geschäftszahlen.

Auf der Kurzstrecke, so scheint es, ist der Markt gesättigt, die Zitrone ausgepresst; die Preise können kaum mehr sinken. Anders auf der Langstrecke: Da hat sich die konsequente Billig-Strategie noch nicht durchgesetzt. Das könnte sich bald ändern, nicht zuletzt dank neuen Flugzeugen.

Kleiner Flieger auf langer Strecke

Airbus zum Beispiel will die Reichweite seines Kleinraumflugzeuges A321 weiter erhöhen. Denn kleine Flugzeuge, die weite Strecken fliegen können, haben einen entscheidenden Vorteil: Sie sind schneller voll.

«Ein Billig-Anbieter hat meist kein weltweites Netzwerk, dass ihm die nötigen Passagiere bringt, um die grossen Langstrecken-Jets zu füllen», sagt Andreas Wittmer, Professor für Transport- und Netzwerkindustrien an der Hochschule St. Gallen.

Neun Stunden Billigflug

Auch die Flugzeit spielt eine Rolle. «Eine Low-Cost-Strategie funktioniert auf der Langstrecke bisher nur mit einer Flugzeit bis zu 9 Stunden. Weil das Flugzeug nur so innerhalb eines Tages hin und zurück fliegen kann», so Wittmer weiter. Denn sobald Maschine und Personal länger am Boden bleiben müssen, steigen die Betriebskosten.

In den USA funktioniert es, in Asien nicht

Neben Flugzeuggrösse und Streckenlänge ist der Wettbewerb in den Märkten entscheidend. «Die Strecken von Europa in den Mittleren Osten sind nicht lukrativ für Langstrecken-Billiganbieter», sagt Wittmer. Denn dort würden sich die grossen europäischen Airlines bereits einen harten Kampf mit den Giganten aus Asien und den Emiraten liefern.

Das zeigt sich an zwei Beispielen: Air Berlin hat sich auch auf der Asien-Langstrecke versucht. Sie ging vor einem Jahr Konkurs. Oder der norwegische Langstrecken-Low-Cost-Carrier Norwegian: Seit der Expansion nach Asien macht die Airline Verluste.

Tiefe Kosten auf der langen Strecke

Billigfliegerei auf der Langstrecke – bisher war das für die meisten Airlines ein Verlust-Geschäft. Nicht zuletzt deshalb, weil die Passagiere bei längeren Flugzeiten höhere Ansprüche an die Verpflegung und den Komfort stellen. Doch mit kleinen Flugzeugen und klarem Fokus auf lukrativen Strecken kann sich die Billigfliegerei durchaus auch auf der Langstrecke lohnen.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Gut (Walter Gut)
    Bei einer Billigairline einen Flug zu buchen, nein Danke. Die Flugpreise sollten generell weder teurer werden. Sehr viel wird auf Kosten des Personals gespart und die Jobs als Pilot oder Cabin Crew sind kein Traum mehr.
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  • Kommentar von Thomas Leu (tleu)
    Wenn die Fluggesellschaften die Klimakosten berappen müssten, hätte ich nichts gegen mehr Konkurrenz. Dann kostete der New York Roundtripp aber wieder mindesten CHF 800 - CHF 1000. Damit schlägt man den Shopping-Gewinn nicht mehr heraus, was dann automatisch zu einer Reduktion der Anzahl Flüge pro Einwohner führt und zu einem Umsatzplus bei den heimischen Detaillisten.
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  • Kommentar von Urs Heim (Ursus)
    Ist es nicht eine verkehrte Welt? Auf der einen Seite wird vom Welt-Klimarat eine erst gemeinte Klimawarnung nach der anderen publiziert und trotzdem lässt man solche Billiganbieter für Langstreckenflüge für Jedermann ohne jegliche Hürden ihr Konzept entwickeln und dann auch umsetzen. Als Ergebnis wird das Cityhopping durch das Coninentalhopping, sprich ein noch sorgenloserer Umgang mit dem „schnell mal irgendwo hinfliegen“ gefördert.-Aus meiner Sicht braucht es es e. griffige Kerosinsteuer.
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