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Legende: Video So schwer ist der Wiedereinstieg über 50 abspielen. Laufzeit 04:43 Minuten.
Aus 10vor10 vom 13.02.2019.
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Langzeit-Arbeitslosigkeit Wenn das Alter zur Einstellungshürde wird

Job verloren, beim RAV gemeldet, ausgesteuert: Der Weg zurück ins Berufsleben ist besonders für Ü50er schwierig.

Ein sonniger Tag in Arosa. Gregor Bühler, 63, ist für die Sicherheit am Skilift zuständig. Ein Job, den er zwar gerne macht, für den er aber überqualifiziert ist. Der gelernte Ingenieur und Betriebsökonom war während zehn Jahren selbständig als Projektleiter und Trouble-Shooter tätig. Plötzlich blieben die Aufträge jedoch aus.

Das war vor drei Jahren. Seither hält sich der Frühsechziger mit Übergangsjobs und Arbeitslosen-Versicherungsgeldern über Wasser. Die Aussteuerung ist dem Bündner bisher erspart geblieben.

Legende: Video Gregor Bühler: «Ich bin überqualifiziert für diese Arbeit, aber es ist besser als zu Hause herumzusitzen» abspielen. Laufzeit 00:27 Minuten.
Aus News-Clip vom 13.02.2019.

Nicht erspart geblieben ist diese der 56-jährigen Barbara Sollberger. Nach erfolgloser Vermittlung durch das regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) wurde die kaufmännische Angestellte ausgesteuert und rutschte in die Sozialhilfe. Ein Tiefpunkt in ihrem Leben, an dem sie auch mit Existenzängsten zu kämpfen hatte, so Sollberger.

Statistik ohne Ausgesteuerte

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  • Die Arbeitslosenquote liegt gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bei 2.8 Prozent.
  • Diese Zahl berücksichtigt jedoch nur Personen, die auch bei einem der regionalen Arbeitsvermittlungszentren gemeldet sind.
  • Mit der Aussteuerung fällt ein Grossteil von ihnen aus dieser Statistik raus.
  • Die umfassendere Quote, welche auch Ausgesteuerte berücksichtigt, wurde vom Bundesamt für Statistik veröffentlicht. Diese liegt jeweils deutlich über derjenigen vom Seco – im vierten Quartal 2018 bei 4.6 Prozent.

Handlungsbedarf bei den RAV

Für Arbeitssuchende über fünfzig gestaltet sich die Stellensuche oft besonders schwierig. Die regionale Verwurzelung der RAV kann da eine weitere Hürde darstellen. Georg Bühler ist im Kanton Graubünden gemeldet. Sein Profil ist aber eher in städtischen Gebieten wie Zürich, Basel oder Bern gesucht. «Ich kann nicht davon profitieren, wenn in Zürich eine Stelle gemeldet wird, für die ich geeignet wäre», sagt Bühler. Hier bedürfe es einer Öffnung der RAV.

Handlungsbedarf bei den RAV sieht auch Tino Senoner. Er ist Vizepräsident bei der Schweizerischen Stiftung für Arbeit und Weiterbildung (SSAW). Der Arbeitsmarktexperte stellt fest, dass die RAV ihre Weiterbildungs-Massnahmen nicht schnell genug an die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes anpassen würden. Heutzutage würden Kompetenzen gefordert, die vor ein bis zwei Jahren noch nicht gesucht gewesen seien, so Senoner.

Es sei zudem wichtig Transparenz zu schaffen, sagt der SSAW-Vizepräsident. Es gäbe in der Schweiz rund 100'000 Ausgesteuerte. Es sei wichtig zu wissen, wer diese Personen seien, damit man ihnen individuelle Wege aufzeigen könne.

Gesetzliche Fristen wichtiger als individuelle Fähigkeiten

Legende: Video Barbara Sollbeger: «Die RAV haben Probleme, Stellen zu vermitteln» abspielen. Laufzeit 00:37 Minuten.
Aus News-Clip vom 13.02.2019.

Ein Zukurzkommen der individuellen Lösungssuche hat auch Barbara Sollberger festgestellt. Der Fokus bei den RAV läge stark auf der Einhaltung staatlicher Vorgaben. Es werde minutiös darauf geachtet, dass die Anzahl vorgegebener Bewerbungen eingehalten und keine Frist verpasst würde. Dadurch geriete die Person mit ihren Fähigkeiten und ihrer Passgenauigkeit auf vorhandene Stellen in den Hintergrund.

Gian Reto Caduff vom Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit Graubünden, das auch für die Arbeitsvermittlung zuständig ist, hält dagegen, dass die gemeldeten Stellen in Zeiten geringer Arbeitslosigkeit rarer und die Vermittlung dementsprechend schwieriger sei. Er weist zudem auf begrenzte finanzielle Mittel hin und die Tatsache, dass die Möglichkeiten der RAV aufgrund gesetzlicher Vorgaben begrenzt seien.

Wiedereingliederung über Ausbildungspraktikum

Der Weg zurück ins Arbeitsleben ist trotz Sollbergers Befürchtungen geglückt. Ihre neue Stelle hat sie mit Hilfe der SSAW gefunden. Die gemeinnützige Stiftung setze dort an, wo die Zuständigkeit der RAV aufhöre und arbeite eng mit Unternehmen zusammen, erklärt Vizepräsident Senoner. Oft gelinge die Wiedereingliederung über ein Ausbildungspraktikum. Gregor Bühler ist weiterhin auf der Suche nach einer festen Stelle.

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76 Kommentare

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  • Kommentar von Severin Häberli  (Fitzberg)
    Als ich 30 jährig war, versuchte ich mich als Dachdecker zu bewerben. Die Antwort war, ich sei schon zu alt. Es würden lieber junge selektiert und für den Betrieb fit gemacht. Nun bin ich 40ig und es ist nicht leichter. Das nebenboulen in den Firmen, dass jeder sein Posten behält und Miete zahlen kann, setzt die Ma immer mehr unter Druck. Klar, bei den Meisten reicht das Geld nur für einen Monat und wer will schon aufs RAV? Alleine das Regelwerk über Rechte und Pflichten beim RAV hat 357 Seiten.
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  • Kommentar von Oskar Schneider  (Oski2)
    Gute Idee Stefan Mens (Tucanero) bin dafür leider ein kleiner haken, schreibt der ü50 zuviel weiss der zukünfige Chef er ist alt, schreibt man zuwenig dann hat der Bewerber gelogen.
    Spätestens beim Vorstellungs-Gespräch platzt die Blase.
    Grosse Firmen nutzen Komputer und die erkennen schon automatisch wie alt jemand ist, also Personal-Chef wird gar nicht erst belästigt.
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    1. Antwort von Stefan Mens  (Tucanero)
      Natürlich weiss der Personalchef das dann beim Vorstellungsgespräch, das ist ja auch i.O. Eine Firma soll ja wissen, wen sie einstellt, logisch! Aber beim Vorselektionieren werden so die Chancen für unpassendes Geschlecht und Alter verbessert.
      Bei Lebenslauf sollen keine Jahreszahlen angegeben werden, sondern nur Anzahl Jahre der Beschäftigung. Klar sieht man da, ob jemand eher älter ist oder nicht, aber die psychologische Schwelle von Ü50 ist nicht ersichtlich.
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  • Kommentar von Alex Moser  (AM)
    Vergesst das RAV - die sind einzig und alleine dazu da, Arbeitslose zu verwalten, aber ganz sicher nicht zum vermitteln! Doch um das Ü50-Problem bei den Arbeitslosen zu lösen, fehlt ganz einfach der politische Wille! Eine Flatrate beim BVG, anstelle der progressiven Beitragssätze, würde Wunder bewirken! Und wenn man noch einen "Rabatt" für Eltern einführen würde, wäre auch die Linke zufrieden. Aber eben, man will das Problem gar nicht lösen - lieber hat man billige Arbeitskräfte aus dem Ausland
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