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Digitale Justiz verändert Rechtsbranche
Aus Rendez-vous vom 11.08.2021.
abspielen. Laufzeit 03:51 Minuten.
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Legal Tech Der digitale Anwalt – bestechende Vision mit Grenzen

Die Digitalisierung wird in der Rechtsbranche immer wichtiger. Ersetzen kann sie das persönliche Augenmass aber nicht.

Fragen zum Arbeitszeugnis, zum Inkasso oder zu Schadenersatz, wenn der Ferienflug nicht abhebt: Dafür muss man heutzutage nicht mehr zum Anwalt gehen. Diese Fragen können auch Apps und Online-Tools beantworten. Die Digitalisierung hat auch die Rechtsbranche verändert. Die grössten Auswirkungen aber hat die Digitalisierung für die Anwälte selbst. Ihr Selbstbild und ihre Geschäftsmodelle stehen auf dem Prüfstand.

Die Rückabwicklung eines gestrichenen Ferienflugs sei ein typisches Beispiel, bei dem eine App die Arbeit einer Juristin übernehmen könne, erklärt Matthias Miescher, Vizepräsident des schweizerischen Anwaltsverbands: «Es betrifft in der Regel niedrige Streitwerte, wo es sich in der Regel für den Einzelnen nicht lohnt, einen Anwalt zu konsultieren.»

Online-Tools und Apps seien deswegen aber keine Konkurrenz für Anwälte: «Die Maschine hat gewisse Fähigkeiten, die sie besser kann als ein Mensch. Das sind aber eigentlich die Zudiener-Arbeiten.»

Die Maschine hat gewisse Fähigkeiten, die sie besser kann als ein Mensch. Das sind aber eigentlich die Zudiener-Arbeiten.
Autor: Matthias Miescher Vizepräsident, Schweizerischer Anwaltsverband SAV

Und diese Zudiener-Arbeiten nützen wiederum auch den Anwältinnen und Anwälten: Sie können dank dieser Tools zum Beispiel schneller Dokumente wie Gerichtsurteile durchforsten, prüfen und dann beurteilen.

Die grösste Veränderung bringt die Digitalisierung laut Miescher darum für die Anwälte selbst: «Es kommt mir so vor, wie wenn man jeden Tag mit dem Auto von A nach B fährt und eines Morgens heisst es, jetzt fliegen Sie mit dem Helikopter.»

Anwaltskanzleien werden durch die Digitalisierung effizienter. Juristen müssen etwa nicht mehr Stapeln von Akten sichten, weil bei elektronisch abgelegten Dokumenten eine Suchmaschine übernimmt. Kanzleien arbeiten laut Miescher oftmals teamorientierter, weil sie die technischen Möglichkeiten haben. Der Anwalt werde vermehrt auch zum Projektmanager.

Neue Herausforderungen – neue Geschäftsmodelle

Und das bringe neue Anforderungen mit sich, sagt auch Bruno Mascello von der Universität St. Gallen. Anwälte müssen intern und extern gut kommunizieren können, beraten, präsentieren und verhandeln: «Es ist ein bunter Blumenstrauss solcher Kompetenzen und Fähigkeiten, die man zusätzlich zu Rechtswissen und Rechtsexpertise dazu bauen muss, um beim Gegenüber richtig wirken und ankommen zu können.»

Es ist ein bunter Blumenstrauss solcher Kompetenzen und Fähigkeiten, die man zusätzlich zu Rechtswissen und Rechtsexpertise bauen muss.
Autor: Bruno Mascello Akad. Direktor, School of Management, Technology and Law, Uni SG

Die Anwältin als Beraterin, Coach und Rechtsexpertin, die dank Digitalisierung schneller vorankommt – das könnte zu ganz neuen Geschäftsmodellen führen.

Mascello sagt dazu: «Auf einer nächsten Stufe könnte man sich überlegen, wie etwa das Geschäftsmodell von Kanzleien geändert werden könnte. Muss es wirklich immer nur auf Stundenbasis und massgeschneidert sein? Oder kann man mit der Unterstützung der Technologie neue Produkte und neue Services entwickeln?»

Klare Grenzen der Digitalisierung

Ob neue Geschäfts- und Abrechnungsmodelle die Rechtsberatung günstiger machen, bleibt allerdings offen.

Zugleich warnen Anwälte vor zu viel Digitalisierung: Denn Algorithmen könnten nur einzelne, einfache Aufgaben übernehmen. Für komplexere Fälle brauche es das Augenmass des Anwalts und eine schützende Hand auf sensible Daten.

Rendez-vous, 11.08.2021, 12:30 Uhr

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    Nächstes Digitalstadium? Der digitale Richter? Urteilsspruch innerhalb 30 Sekunden, Appellation 60 Sekunden später?
  • Kommentar von Urs Ziegler  (Urs Ziegler)
    Die Technologie für einen "digitalen Anwalt" wäre längst vorhanden. Es ist in erster Linie eine Frage der Kosten. Wer soll hier aber 3-5 Mio Sfr. investieren, mit erheblichen Risiken darüber hinaus. Für dieses Geld kann man ein Team von Juristen anstellen. Der Skaleneffekt für die Schweiz zur Abbildung eines CH-kompatiblen Rechtsberatungssystem ist hier kaum vorhanden. Einzig der Bund könnte ein Interesse daran haben als DL für die Bürger, aber der Bund und Informatik ist kein Dreamteam.
  • Kommentar von Willi Fetzer  ((:-))
    Ist doch immer wieder schön wie Theorien schöngeredet werden! Leider ist das dann in der Praxis immer ganz anders! Und billiger wirds auch nie !