Zum Inhalt springen

Header

Video
ETH schickt Forscher als Fachkräfte zu Lonza
Aus ECO vom 07.06.2021.
abspielen
Inhalt

Leiharbeitende für Lonza Wenn ETH-Forscher für die Impfstoffproduktion alles liegen lassen

Ein ETH-Professor schickt zwei Dutzend Studierende und Doktoranden nach Visp. Aber zuerst müssen sie noch trainieren.

Anne Lüscher und Niki Kobert machen sich nichts vor: Es wird eine strenge Zeit im Wallis, verbunden mit viel Verantwortung. «Wenn dort etwas nicht richtig funktioniert, sind vielleicht 1.5 Millionen Impfdosen kaputt, und gewisse Verträge können nicht mehr erfüllt werden», sagt Kobert an einem seiner letzten Tage im Labor in Zürich. Er ist Laborleiter und Dozent am ETH-Institut für Chemie und Bioingenieurwissenschaften.

Lüscher ist Doktorandin mit Erfahrung im Impfstoff-Bereich. Beide werden das nächste halbe Jahr in Visp verbringen. ETH-Forschende mit laufenden Verträgen, die alles stehen und liegen lassen, um Impfstoffe zu produzieren? Der Bund hatte sich Ende April in die Diskussion um den Fachkräftemangel bei Lonza eingeschaltet und in der Verwaltung, bundesnahen Betrieben und den eidgenössischen Hochschulen nach Fachpersonal gesucht.

Der Professor, der alles aufgleist

Ende April hatte Professor Wendelin Stark am besagten Institut dafür sein Team zusammengerufen: «Es gibt derzeit nichts Relevanteres, als Impfstoffe herzustellen. Also lehnte ich mich aus dem Fenster und sagte: ‹Wir machen das, und ich sorge dafür, dass nichts zu Eurem Schaden ist, sondern Euch etwas bringt›».

Es gibt derzeit nichts Relevanteres, als Impfstoffe herzustellen.
Autor: Wendelin StarkProfessor ETH Zürich

Zwei Tage später fuhr Stark mit rund 30 Personen nach Visp, wo sie mit offenen Armen empfangen wurden. Denn Lonza braucht dringend Personal. Mindestens 1200 neue Jobs werden alleine dieses Jahr in Visp geschaffen, davon 200, um die Impfstoff-Produktion für Moderna zu verdoppeln.

Lonza sucht Fachkräfte

Dafür fragte Renzo Cicillini, Standortleiter in Visp, Firmen und Organisationen für die befristete Anstellung von Fachkräfte an: «Einerseits gibt es Unternehmen, die gerne helfen. Andererseits sind manche auch froh, wenn sie Mitarbeitende vorübergehend oder längerfristig abgeben können.»

Derzeit liegen einige Dossiers auf seinem Tisch, darunter 30 vom Labor Spiez und Agroscope, und 50 von der ETH Zürich und Lausanne. Angaben zu Privatunternehmen kann er keine machen.

Die ETH-Forschenden haben im Juni in einem Hotel in Brig Zimmer bezogen. Stark hatte darauf gepocht, dass Lonza die Unterkünfte organisiert und die Fachleute gleich viel verdienen wie bestehende Mitarbeitende.

Es gibt unendlich viele Gründe, dass so etwas nicht zustande kommt.
Autor: Niki KobertDozent und Laborleiter an der ETH Zürich

Es sei sehr wichtig, dass an den richtigen Stellen Menschen sind, die das Ganze anreissen und sich gegen Widerstände durchzusetzen, sagt Kobert. «Sonst gibt es unendlich viele Gründe, dass so etwas nicht zustande kommt.»

Training mit Computerbrillen

Bevor die neuen Fachkräfte in der Produktion mitarbeiten können, müssen sie trainieren. Mit Computerbrillen werden sie mittels Virtual Reality ins Labor versetzt, üben Handgriffe und verinnerlichen so Bewegungsabläufe.

Qualität und Sicherheit sind Zwillingsschwestern, die sind nicht verhandelbar.
Autor: Renzo CicilliniStandortleiter Lonza Visp

Dieses Training verringere die Fehlerquote um bis zu 80 Prozent, sagt Cicillini: «In der Pharmaproduktion sind Qualität und Sicherheit Zwillingsschwestern, die sind gar nicht verhandelbar.»

Nach sechs Monaten ist Schluss

Bis die Forschenden operativ sind, werden in der Schweiz wohl die meisten geimpft sein. Aber die Zeit dränge, es gebe noch Milliarden Menschen, die auf eine Impfung warten, sagt Stark. «Wenn es keine Gebäude oder Rohmaterialien gibt, ist das eines. Aber wenn es nur daran liegt, dass man zu wenig Leute hat, dann muss man so schnell wie möglich vorwärtsmachen – denn diese Leute gibt es irgendwo.»

Kobert und Lüscher werden Ende Jahr an die ETH zurückkehren; um eine strenge und vermutlich einmalige Erfahrung reicher.

ECO, 07.06.2021, 22:25 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

10 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von markus ellenberger  (ELAL)
    Und wer zahlt am Schluss der Steuerzahler
    1. Antwort von Stefan Bormann  (Bormann)
      Und selbst wenn es so wäre (was ich bezweifle), Herr Ellenberger. Ist doch ideal, dass Fachleute in Ausbildung in solchen Fällen, dank innovativer Ideen, Erfahrungen sammeln. Haben Sie ein Argument, das dagegen spricht? Ich bezahle meine Steuern gerne für sowas
    2. Antwort von Michael Chanton  (Mchanton)
      Als teilnehmender Student kann ich Herr Bormanns Kommentar nur bestätigen. Es ist eine super Erfahrung und der Lohn wird von Lonza und nicht vom Steuerzahler bezahlt…
  • Kommentar von Ursula Stöckli  (Lac Léman-Fan)
    Wer bezahlt den Lohn dieser Bundesangestellten, die für die Lonza arbeiten werden? Wir Steuerzahler oder die Lonza? Und die Unterkünfte usw.?
    1. Antwort von vonschallen adolf  (Avonschallen)
      Frau Stöckli
      Die Lonza. Keine Sorgen. Sie kostet das nichts. Unterkunft inklusive.
    2. Antwort von Ruedi Möckli  (rm)
      Hauptsache kritisieren obwohl man sich ganz offensichtlich selbst nicht einmal die Zeit nahm den Beitrag anzuschauen.
  • Kommentar von Jérôme Perret  (JPerret)
    @SRF: wenn auf dem Bild (Videostill) eine Frau zu sehen ist, wirkt die Legende 'ETH schickt Forscher als Fachkräfte zu Lonza' ziemlich antiquiert; jetzt wo der Duden das generische Maskulinum abgeschafft hat (siehe dazu SRF-News)
    1. Antwort von Annette Umberg  (AnnUmberg)
      Können Sie mir bitte eine Alternative zu diesen Ausdrucken bringen? Immerhin kommt in der Überschrift das weibliche Wort Fachkraft und das männliche Wort Forscher vor. Müssen wir nun unseren Sprachgebrauch komplett auf sächlich umstellen, damit alle zufrieden sind? Mich dünkt das ganze verkompliziert einfach alles!