Zum Inhalt springen

Header

Inhalt

Leitzins auf Rekordtief Die Ungeduld mit der EZB wächst

Es ist ein unschöner Rekord. Einen derart rasanten Preisanstieg wie derzeit – mit 7.5 Prozent Jahresteuerung – gab es noch nie in Euroland. Trotzdem hält die Europäische Zentralbank still. EZB-Chefin Christine Lagarde bekräftige heute, noch wolle sie nicht an der Zinsschraube drehen. Damit strapaziert sie die Nerven all jener, die unter der Inflation leiden.

Konkret heisst das: Die Firmen haben weiter zu kämpfen mit erhöhten Kosten für Energie und Rohstoffe. Die Konsumentinnen und Konsumenten müssen immer tiefer in die Tasche greifen beim Einkaufen, ohne dass ihre Löhne mit den Preissteigerungen schritthalten könnten.

Audio
Schwierige Gratwanderung der Europäischen Zentralbank
aus Echo der Zeit vom 10.03.2022.
abspielen. Laufzeit 4 Minuten 19 Sekunden.

Ukraine-Krieg verschärft Dilemma der EZB

Um der grassierenden Teuerung entgegenzutreten, haben andere Notenbanken – etwa die amerikanische – längst reagiert. Aber die EZB sorgt sich offenbar mehr um das Wachstum und die wirtschaftliche Erholung nach der Coronakrise als um die Inflation. Und sie schaut gebannt darauf, wie sich der Angriff Russlands auf die Ukraine auswirkt.

Tatsächlich sind in Europa die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs ein viel grösserer Faktor als etwa in den USA. Vor allem darum, weil wichtige Euro-Länder – Deutschland und Italien zum Beispiel – weitaus abhängiger sind von russischem Gas und russischen Erdöllieferungen als andere.

Kommt dazu: Steigende Preise für Energie wirken sich auf zwei verschiedene Arten aus. Zum einen erhöhen sie den allgemeinen Inflations-Druck: Denn wenn Benzin, Gas und Heizöl teurer werden, dann steigen mit der Zeit auch die Transportkosten und am Ende gar die Mieten. Das heisst: Auch weitere Güter und Dienste werden teurer. Die Inflationsspirale dreht sich beschleunigt.

Rezession ist auch ein Szenario

Auf der anderen Seite nagen die Preissteigerungen an der Kaufkraft der Konsumentinnen und Konsumenten. Und je weniger Budget frei bleibt für den Konsum, desto mehr halten sich die Leute zurück mit dem Geldausgeben. Dies wiederum könnte allmählich das Wachstum ausbremsen.

Käme dann noch ein Stopp russischer Gaslieferungen nach Europa hinzu, könnte hier die Wirtschaft sogar in eine Rezession fallen. Und dann wäre womöglich der Konjunktureinbruch ein mindestens so grosses Problem für die Geldpolitik der EZB wie die Inflation.

Das macht die Lage für EZB-Chefin Christine Lagarde doppelt schwierig: Ihr droht, dass sie die Kontrolle über die Preissteigerungen in Euroland verliert, wenn sie zu lange mit Zinserhöhungen wartet. Und ihr droht ein Kollaps der Konjunktur, wenn sie zu forsch vorgeht.

Darum wartet sie ab und tut nichts. Im Wissen, dass auch das keine Lösung ist.

Jan Baumann

Jan Baumann

Wirtschaftsredaktor, SRF

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Jan Baumann ist seit 2013 Wirtschaftsredaktor bei SRF. Davor arbeitete er während rund zehn Jahren als Redaktor für die Zeitung «Finanz und Wirtschaft», unter anderem als USA-Korrespondent.

SRF 4 News, 14.04.2022, 15:00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

11 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community, wir wünschen einen schönen Abend und schliessen die Debatte an dieser Stelle! Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Dominic Müller  (Domi3)
    Tja, die Deutschen setzen auf russisches Gas, die Franzosen auf AKW. Gleich zwei Fehler in unserem nördlichen Nachbaarland: Erstens sollten wir keine Schurkenstaaten finanzieren. Zweitens sollte der Abbau fossiler Energien Priorität haben.
  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    Nicht nur die Löhne auch die Renten werden nicht steigen. Und die Nationalbank verlangt weiterhin Negativzinsen. Das schadet den Bewohnern der Schweiz. Die Zinsen müssen angehoben werden - nur die Hypothekarzinsen. Andernfalls werden einmal mehr die Sparer bestraft. Mit einem starken Franken hätten wir das beste Mittel gegen die importierte Inflation.