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Baustellen an der Rheintalbahn sorgen für Unmut
Aus Rendez-vous vom 27.08.2021.
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Mangelnde Koordination Güterverkehr ächzt unter Baustellen an der Rheintalbahn

Die wichtige Achse für den Personen- und Güterverkehr der Rheintalbahn nördlich von Basel Richtung Süden wird auf vier Spuren ausgebaut. Als Folge davon kommt es immer zu Sperrungen.

Irmtraut Tonndorf steht unter Druck. Wegen der Baustellen auf der Rheintalbahn waren die Güterzüge der Hupac von Rotterdam nach Mailand diesen Monat wiederholt verspätet, erklärt die Sprecherin des Schweizer Bahnlogistikers. «Im Güterverkehr kommt ja nicht mal ein Zug zu spät, sondern es kommen dann viele Züge zu spät.»

Dies könne bis hin zu Ausfällen gehen, die zu Verstopfungen auf den Terminals und Strecken gehen würden. «Dann können ganze Logistikketten zusammenfallen.» Zwar seien während der Bauarbeiten Umfahrungen definiert worden. Doch diese seien nicht für grosse Zugkompositionen tauglich oder wegen grosser Umwege teurer und teilweise – zum Beispiel via Brenner – ebenfalls wegen Bauarbeiten gesperrt.

Damit nicht genug: Auf der zweiten Nord-Südachse von Stuttgart nach Zürich gab es ebenfalls Baustellen. «Wir können nicht hinnehmen, dass an Strecken, die füreinander Ausweichstrecken sind, gleichzeitig gebaut wird», so Tonndorf.

Besserung versprochen

Grosse Verspätungen würden Spediteure dazu verleiten, der Bahn den Rücken zu kehren. Nach den grossen Problemen im Güterverkehr durch die Baustelle Rastatt vor vier Jahren hätten die betroffenen Länder deshalb entlang dieser wichtigen Bahnachse Besserung versprochen.

Von mehr Koordination von Baustellen merke sie nichts, kritisiert Tonndorf. «Es liegt auf der Hand, dass man die Baustellen koordiniert, das ist nichts Schwieriges und es ist so entschieden worden. Ich frage mich nur, wo die Umsetzung ist.»

Legende: Zwar haben die Sperrungen keine kompletten Unterbrüche verursacht wie vor vier Jahren die Baustelle in Rastatt (im Bild). Aber die Bahnlogistiker üben Kritik an der Bauplanung. Keystone/Archiv

Die nächsten Einschränkungen stehen Ende Monat an. Und in den nächsten Jahren soll die Rheintalbahn gar einen ganzen Monat lang gesperrt sein. Die Branche wiederholt deshalb eine alte Forderung: Die Bahnstrecke auf der westlichen Seite des Rheins auf französischem Boden soll für Güterzüge ausgebaut werden, als Alternativroute, analog zu den zwei Schweizer Neat-Tunnel.

Auf viele Akteure angewiesen

Beim Bund hat man Verständnis für den Ärger der Bahngüterbranche. Nach Rastatt habe man sich auf eine bessere Koordination verständigt, sagt Andreas Windlinger vom Bundesamt für Verkehr. «Alle sind sich einig, dass die Situation verbessert werden muss. Wenn gebaut wird, müssen die Baustellen gut koordiniert werden und es muss Umleitungsmöglichkeiten geben.»

Doch er räumt ein, dass nicht alles rund laufe. «Wir sind auf die Kooperation und den Goodwill verschiedener Akteure auch im Ausland angewiesen. Es sind nicht nur Behördenvertreter, sondern es sind auch Vertreter von Bahnen und Bahninfrastrukturgesellschaften.»

Wir sind auf die Kooperation und den Goodwill verschiedener Akteure auch im Ausland angewiesen.
Autor: Andreas Windlinger Bundesamt für Verkehr

Auch Deutschland habe den Ausbau unterschätzt. Wegen Einsprachen gibt es grosse Verzögerungen. Windlinger rechnet auch nicht damit, dass die Bahntrassen auf der französischen Seite des Rheins nun schnell ausgebaut werden. «Ganz so simpel geht das leider nicht, aber wir versuchen, Einfluss zu nehmen, dass dort eine neue Möglichkeit entsteht.»

Die Schweiz könne zwar keinen Druck ausüben, aber mit gutem Beispiel vorangehen. So stosse der Taktfahrplan für Güterzüge im Ausland auf grosses Interesse. Und die Klimapolitik werde dazu beitragen, dass der Ausbau des Schienennetzes in Europa vorangetrieben werde.

Ausschlag für Verbesserung?

Tonndorf befürchtet jedoch, dass gerade die gewollte Umlagerung von Gütern auf die Bahn wegen der derzeitigen Probleme ins Stocken gerät. «Wir hoffen sehr, dass dieses Beispiel einer schwierigen Baustellensituation einen Ausschlag für eine Verbesserung für all die Baustellen, die uns noch erwarten, geben kann.» Der Ausbau der deutschen Rheintalbahn soll bis 2040 abgeschlossen sein.

Rendez-vous, 27.08.2021, 12:30 Uhr

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Felix Zwicky  (Radiohörer)
    Das Geld liegt auf Strasse, d.h. Schiene, man braucht es nur aufzuheben.
    Im Elsass könnte mit wenig Aufwand eine zweite Zubringerlinie gebaut werden, die meiner Meinung funktioniert und gut rentieren würde.
    Der einzige Nachteil ist, dass der Geld-Backflow erst in 5 bis 10 Jahren einsetzt würde, dafür dann kräftig und dauerhaft.
    Wären unsere schweizerischen Eisenbahnpioniere von 1850 noch am Leben, hätten sie bestimmt mit den Arbeiten längst begonnen wie mit dem ersten Gotthardtunnel.
  • Kommentar von Richard Limahcer  (Limi)
    Diese Verzögerungen liegen voll im Interesse der Automobilindustrie und der Erdöllobby. Es wird Zeit, dass endlich auf die Bedürfnisse der zukünftigen Generationen geachtet wird.
  • Kommentar von Peter Meier  (peme)
    Tja, ich befürchte, dass die Schweizer-Wünsche in DE und in IT nicht Prio 1 haben... wir sind vielleicht gar nicht so wichtig, wie wir meinen...
    1. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Was hat das mit wichtig zu tun Herr Meier? Es geht um Transportwege von Nord nach Süd und umgekehrt. Es bestehen verschiedene Möglichkeiten und eine davon geht durch die Schweiz.