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Wirtschaft Mister Novartis geht

Überraschung bei Novartis: Nach 17 Jahren stellt sich Daniel Vasella an der nächsten Generalversammlung nicht mehr zur Wiederwahl in den Verwaltungsrat zur Verfügung. Vasella wird Ehrenpräsident des Verwaltungsrats.

Legende: Video Vasella tritt zurück abspielen. Laufzeit 4:53 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 23.01.2013.

Im Verwaltungsrat des Pharmakonzerns Novartis kommt es zu einem Führungswechsel: Daniel Vasella tritt an der Generalversammlung im Februar als Präsident des Gremiums zurück. Dies teilte das Basler Unternehmen mit. Vasella war 1999 zum Verwaltungsratspräsidenten von Novartis gewählt worden. Während Jahren war er parallel dazu auch Konzernchef. «Nach 17 Jahren im Amt, weiss man wie es läuft. Gewisse Dinge werden repetitiv», sagt Vasella zu seinem Rücktritt.

Reinhardt tritt Nachfolge an

Ganz von der Bildfläche wird er allerdings nicht verschwinden. «Der Verwaltungsrat ernennt mich zum Ehrenpräsident. Dieses Amt ist nicht mit Aufgaben, Verpflichtungen und Lohn verbunden», sagt Vasella zur «Tagesschau». Zudem werde er Trainings für Kaderleute bei Novartis durchführen. Vasella ist der Ansicht, dass er seine Erfahrung und sein Wissen weitergeben müsse.

Jörg Reinhardt wird mit Wirkung zum 1. August 2013 als neuer Direktor und designierter nicht-exekutiver Präsident des Verwaltungsrats vorgeschlagen. Der 56jährige Deutsche ist derzeit Chef der Gesundheitssparte des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer. Diesen Posten wird er abgeben, wenn er gewählt wird. Reinhardt ist zudem im Verwaltungsrat von Lonza.

Reinhardt blickt auf eine langjährige Karriere beim Basler Pharmakonzern zurück. Angefangen hatte er bei Sandoz, das 1996 Teil der Novartis wurde. Bei Novartis hatte er verschiedene Funktionen ausgeübt, unter anderem war er Chief Operation Officer (COO).

Bis zu seiner definitiven Amtsübernahme wird Ulrich Lehner, gegenwärtig Vizepräsident, den Verwaltungsrat ad interim leiten.

Jimenez: «Wir ergänzen uns gut»

CEO Joseph Jimenez erwartet mit dem Wechsel zu Reinhard keine grossen Veränderungen. «Wir kennen uns gut», so Jimenez. «Jörg Reinhardt war Chief Operating Officer als ich in der Pharma-Division war. Wir haben sehr gut zusammengearbeitet und unsere Fähigkeiten ergänzen sich gut», sagte er an der Jahresmedienkonferenz in Basel.

Daniel Vasella habe während einer langen Zeit über den Rücktritt nachgedacht. Die Entscheidung sei erst kürzlich gefallen, so Jimenez.

Vasella sei sicher, dass der Konzern in guten Händen sei, die Strategie sowie die Umsetzung stimmten und das Jahr 2013 nach dem Patentverlust von Diovan im 2012 ebenfalls gut ausfallen werde. Jetzt sei ein guter Zeitpunkt für einen nahtlosen Wechsel, sagte Jimenez weiter.

Umsatz 3 Prozent zurückgegangen

Der Rücktritt Vasellas wurde gleichzeitig mit dem Ergebnis des vergangenen Geschäftsjahres mitgeteilt. In diesem konnte Novartis seinen Reingewinn im Vergleich zu 2011 um 4 Prozent auf 9,6 Mrd. Dollar steigern. Der Nettoumsatz lag mit 56,6 Mrd. Dollar 3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dies ist laut Novartis auf Währungseffekte zurückzuführen.

Zu konstanten Wechselkursen hätte Novartis in etwa den gleichen Umsatz erzielt. In einem Communiqué strich Novartis heraus, dass dies trotz des Ablaufs von Patentrechten gelungen sei. Die Jahreszahlen und der angekündigte Rücktritt von Daniel Vasella befeuerten die Novartis-Aktie mit einem Kurssprung von knapp 4 Prozent.

Legende: Video Daniel Vasella zu seinen Tätigkeiten nach seinem Rücktritt abspielen. Laufzeit 1:35 Minuten.
Aus News-Clip vom 23.01.2013.

Reinhardt, ein Rückkehrer

Jörg Reinhardt
Legende: Für Reinhardt ist der Wechsel zu Novartis eine Art Rückkehr. reuters

Jörg Reinhardt hat einen Grossteil seiner Karriere bei Novartis verbracht. Als es vor rund drei Jahren um die Nachfolge von Vasella als Konzernchef von Novartis ging, hatte Reinhardt gegen Joe Jimenez jedoch den Kürzeren gezogen.

Topverdiener

Die Gehälter des Managements sind 2012 etwas tiefer ausgefallen als 2011. Verwaltungsratspräsident Vasella erhielt 2012 ein Gehalt von 13,1 Millionen Franken und damit rund 400'000 Franken weniger als 2011. Die anderen elf Mitglieder des Novartis-Verwaltungsrats haben im letzten Jahr Vergütungen zwischen 350'000 und 853'000 Franken erhalten.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Was und wie eine Firma abzockt, habe ich hier nicht kommentiert. Ich wollte damit nur unterstreichen, dass es auch sogenannte "Abzocker" (neidisch?) gibt, die etwas von ihrem Geld an die Mitarbeiter weiterleiten. Banken, die ja auch Milliarden illegaler Gelder horten (und wir alle haben ein Konto dort, gell) geben vielfach dem einfachen Arbeiter weniger, Bauherren, Industriegiganten, usw. horten noch mehr in die eigenen Tasche. Eine Frage: würden Sie nein sagen, bekämen Sie ein Millionengehalt...
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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Dann alles Gute. Als mehrjähriger Mitarbeiter der Novartis kann ich nur sagen, dass sich viele Firmen hier ein Beispiel nehmen sollten: sehr gute Bezahlung, 14. Monatslohn, viel Ferien und Freiheiten seine Arbeit selber einzuteilen. Ganz im Gegensatz zur schweizer "ich bin der Boss, ihr habt zu folgen" Mentalität konnte ich mich hier sehr gut entfalten und wurde erst noch gut bezahlt. So kann arbeiten auch Spass machen. Man merkt halt, dass hier keine minderwertigen Bünzlis das Sagen haben.
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    1. Antwort von Kurt E. Müller, Zürich
      Ja genau. Sehr gute Bezahlung, 14. Monatslohn ... Und das alles dank völllig überrissenen Medikamentenpreisen zulasten unseres schwächelnden Gesundheitswesens.
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  • Kommentar von Hürlimann Werner, Glarus
    Vasella hat warscheinlich Angst von der Abstimmung, darum verzichtet Er auf sein Amt
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    1. Antwort von Ein Hinseher, Kleinbösingen
      Wer keine Ahnung hat sollte besser keine Kommentare schreiben. Sollte irgendwann eine Vorschrift über max. Gehälter in der Schweiz eingeführt werden, können multinationale Konzerne ihr HQ leicht anderswohin verlegen. Ein D.V. hat höchstens vor unbedarften Mitbürgern Angst, aber nicht vor Gesetzen und Vorschriften.
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