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Musikindustrie in der Schweiz Patent Ochsner und Co. machen mit Streaming mehr Umsatz

Das Musikstreaming bringt am meisten Geld, wobei Schallplatten ein Comeback verzeichnen. Die Branche steht vor einem Umbruch.

Eine Branche im Wandel: Zuerst die Kassetten, Schallplatten und CDs, danach Downloads, Streaming und nun vermehrt KI-Songs – die Musikindustrie hat sich in den vergangenen Jahrzehnten radikal gewandelt und immer wieder neu erfunden. Für die Musikerinnen und Songtexter in der Schweiz ist es vor diesem Hintergrund schwieriger geworden, über die Runden zu kommen, auch wenn die Branche steigende Umsätze vermeldet.

Musikband
Legende: Patent Ochsner gehörte 2025 zu den erfolgreichsten Schweizer Bands, gemessen an den verkauften Alben. Keystone / PETER KLAUNZER

Die Zahlen: Mit Tonträgern hat die Musikindustrie im vergangenen Jahr einen Umsatz von 259 Millionen Franken gemacht, das sind knapp vier Prozent mehr als im Vorjahr. Dies zeigen die Zahlen des Branchenverbandes Ifpi Schweiz. Nicht eingerechnet sind die Konzerteinnahmen. Die Musikindustrie wächst gemessen an der verkauften Musik weniger stark als im Vorjahr. Dennoch zeigt sich der Verband zufrieden: «Die Musikindustrie hat sich als sehr widerstandsfähig erwiesen und ihre Rolle als Vorreiterin in der technologischen Entwicklung der Kulturwirtschaft ausgebaut», lässt sich Lorenz Haas, Geschäftsführer von Ifpi Schweiz, in der Medienmitteilung zitieren.

Berg- und Talfahrt: Den Höhepunkt hat die Schweizer Musikbranche 1995 erreicht, mit einem Umsatz von damals knapp 379 Millionen Franken. Es war die Zeit, als man in der Schweiz vor allem teure CDs kaufte, für die grossen Musiklabels ein lukratives Geschäft. In der Hitparade stand Bryan Adams ganz oben. Doch dann folgte ein Bruch. Statt CDs und Schallplatten kauften die Menschen vermehrt digitale Musik – die Umsätze brachen ein, die Musikpiraterie zerstörte das Geschäft, bis zum Tiefpunkt im Jahr 2015 mit nur noch knapp 145 Millionen Franken Umsatz. Seither hat sich die Branche etwas erholt, die Verkäufe haben in den letzten zehn Jahren um fast 80 Prozent zugenommen.

Musiker mit Gitarre
Legende: Bryan Adams, der kanadische Rockstar stand in den 1990er Jahren in der Hitparade ganz oben, in einer Zeit als vor allem CDs gekauft wurden. Keystone / KARL MATHIS

Streaming hat sich durchgesetzt: Obwohl sich die Musikindustrie zunächst gegen die digitale Musik wehrte, blieb kein anderer Weg, als mit den grossen Streamingplattformen Verträge abzuschliessen, also mit Spotify, Apple Music und anderen Techunternehmen. Das Musikstreaming macht mittlerweile einen Anteil von 92 Prozent der Umsätze aus. Schallplatten wiederum generieren einen Umsatz von gut fünf Millionen Franken, das sind die höchsten Verkaufszahlen seit 1991. Die Nostalgie schwingt hier mit.

KI-Songs als Konkurrenz: Nun steht die Branche erneut vor grossen Herausforderungen. Es gibt eine Welle von Songs, die mit künstlicher Intelligenz produziert werden – Laien, die mithilfe der Technik bereits bestehende Songs kopieren. Statt auf Konfrontation zu gehen, wie in der Vergangenheit, sucht die Branche nach Lösungen, damit die Musikerinnen und Texter für ihre Werke entschädigt werden, falls ihre Lieder durch künstliche Intelligenz verwendet werden.

Mann vor Computer
Legende: Suno ist eine der Plattformen, mit welcher täglich tausende von KI-Liedern kreiert werden. Firmenmitgründer Mikey Shulman. Keystone / AP / ROBERT F. BUKATY

KI-Songs auch als Chance: «Seit etwa zwölf Monaten haben zahlreiche Musiklabels damit begonnen, Lizenzverträge für KI-Nutzungen abzuschliessen», schreibt der Branchenverband Ifpi. Die Lizenzierung von Musik für künstliche Intelligenz ermögliche es den Musikerinnen und Musikern, nicht nur neue Einnahmequellen zu erschliessen, sondern schütze sie auch vor einem Missbrauch. Derzeit wird eine neue rechtliche Grundlage geschaffen. Vor allem bekannte Künstlerinnen und Künstler, deren Stimmen und Werke mit KI-Songs kopiert werden, können sich künftig besser wehren, weil die Branche klarere Regeln schafft.

Heute Morgen 27.3.2026, 08:00 Uhr

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